Jörn Krüger

Jörn Krüger ist Software Entwickler und engagiert sich in verschiedenen Organisationen, die Internet und bürgerliches Engagement verbinden.Im Oktober 2010 begann er mit dem Blog unkonventionelle-gasfoerderung.de, auf dem aktuelle und internationale Nachrichten, Meinungen und Berichte zur unkonventionellen Gasförderung veröffentlicht werden. Als informierter Laie schreibt er Gastbeiträge, informiert über Fracking und steht als Gesprächspartner für Parteien und Institutionen zur Verfügung. Zum Thema kam er, als ExxonMobil im September 2010 ankündigte, in seinem Wohnort Nordwalde nach unkonventionellen Gasvorkommen zu bohren. Nach wenigen Stunden Recherche über die weltweiten Folgen von Fracking und dem geringen Informationsstand auf allen Ebenen der Entscheidenden in Politik und Wirtschaft war für ihn klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.

 

Lange Zeit störte sich niemand daran, dass RWE DEA im Trinkwasserschutzgebiet nahe Völkersen seine mit Benzol und Schwermetallen kontaminierten Abfälle aus der Gasförderung in einer Versenkbohrung entsorgte.

Eingestellt wurde die Praxis, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen über Jahre ungeeignete Rohre verwendete, die mehrere Kilometer Boden und Grundwasser mit Benzol vergifteten. Durch die Rohre wurde das bei der Gasförderung anfallende Lagerstättenabwasser von den Bohrplätzen zur Versenkbohrung bei Völkersen transportiert. Die Dekontaminierung wird noch Jahre dauern. Alles Benzol wird dabei nicht entfernt werden können. Die erlaubten Grenzwerte wurden um das bis zu 39.000-fache überschritten.

Mit dem Verbot der Nutzung der Rohrleitungen und heftiger Kritik an der Entsorgung in einem Trinkwasserschutzgebiet, wich RWE DEA auf eine weitere Versenkbohrstelle nahe Wittorf im Kreis Rotenburg aus. Täglich mehrere LKW Ladungen voll.

Am vergangenen Wochenende wurde auch diese Versenkbohrstelle stillgelegt, nachdem es aus bislang unbekannten Gründen zu einem Feuer kam. Über mehrere Stunden war nicht bekannt, ob dabei giftige Stoffe in der Umgebung freigesetzt wurden.

Mangels Alternativen wurde nun die Versenkbohrstelle im Trinkwasserschutzgebiet bei Völkersen wieder in Betrieb genommen. Zusätzlich zu den Abwässern aus dem Bereich Völkersen werden dort nun auch die Abwässer aus dem Kreis Rotenburg entsorgt. Dabei soll es laut Berichten der Kreiszeitung (noch nicht online verfügbar) zur Überschreitung der erlaubten Einpressmenge kommen. RWE DEA sieht keinen Grund, die umstrittene Verpressung einzustellen. Alternativen dazu gibt es bislang nicht. Möglich wäre die deutlich teurere Entsorgung als Industrieabfall mit entsprechender Behandlung, doch davor schreckt die Gasindustrie – unter anderem auch ExxonMobil, Wintershall und Gas de France – bislang zurück.

Kontaminierte Abwässer. Entsorgung in Trinkwasserschutzgebieten. Ungeklärte Brände. Sperrungen wegen Angst vor Vergiftung der Bevölkerung. Überschreitung von Einpressmengen. Jahrelange Dekontaminationsmaßnahmen…

All dies zeigt, wie fragil das System Gasförderung in Deutschland ist. Sollte es zu einem großflächigen Ausbau der unkonventionellen Gasförderung kommen, werden sich die Mengen der zu entsorgenden Abwässer noch vervielfachen. Lösungen dafür sind noch in weiter Ferne.

 

Der Gemeinderat der Gemeinde Wald spricht sich in aller Deutlichkeit gegen Fracking – einem Verfahren zur unkonventionellen Erdgasgewinnung – auf dem Gebiet der Gemeinde Wald, in der gesamten Region und auch grundsätzlich aus.

Bei den Frackingverfahren wird dichtes Speichergestein unter hohem hydraulischen Druck, mit Wasser und unter Einsatz eines Additivs, aufgebrochen (engl. Fracking). Die dadurch entstehende
bessere Wegsamkeit im Gestein erleichtert den Austritt und damit die Gewinnung des Erdgases. Die Hauptbesorgnis des Gemeinderates der Gemeinde Wald sowie vieler Verfahrenskritiker
bezieht sich auf die zum Einsatz kommenden chemischen Zusatzstoffe (Additive) von denen einige im Verdacht stehen, karzinogen (krebserzeugend) zu wirken. Die Besorgnis um Grund- und Trinkwassergefährdung auch im Hinblick auf die Landwirtschaft insgesamt wiegt in unserer Region (Bodenseeregion) besonders schwer.

Gemeinsam mit weiteren betroffenen Kommunen in Baden-Württemberg setzt sich die Gemeinde Wald dafür ein, dass das Bergrecht geändert wird. Fracking sollte demnach (zumindest in sensiblen Bereichen) ganz verboten werden. An den Genehmigungsverfahren für diese umstrittene Erdgasförderung sollen die Kommunen und Kreise zukünftig also so genannte Träger öffentlicher Belange maßgeblich beteiligt werden.

Die Gemeinde Wald fordert daher die Landesregierung Baden-Württemberg auf:

  • das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau anzuweisen, das bei der Erdgasförderung umstrittene Fracking-Verfahren bis auf weiteres – sowohl im Bezug auf Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdgaslagerstätten, als auch deren Förderungsbewilligung – auszusetzen und entsprechende Anträge im Hinblick auf das öffentliche Interesse abzulehnen
  • sich bei der Bundesregierung sowie im Bundesrat durch eine Bundesratsinitiative für eine Änderung des veralteten Bergrechtes dahingehend einzusetzen, dass künftig bei allen bergrechtlichen Verfahren zum Fracking – beginnend bereits vor der Aufsuchungserlaubnis – neben einer Beteiligung der Gemeinden, Wasserbehörden und Wasserversorgungsunternehmen mit diesen auch Einvernehmen hergestellt werden muss
  • eine umfangreiche Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, die auch lückenlose Informationen über die verwendeten Stoffe sowie die möglichen Risiken beinhaltet, zu gewährleisten
  • eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchzuführen

Wald, den 08.Mai 2012

 

RWE DEA kommt nicht aus den Schlagzeilen. Erneut kam es zu einem Vorfall bei der Gasförderung in Deutschland. Aktivkohlefilter auf der Versenkbohrstelle Grapenmühle bei Visselhövede standen in Flammen. Sie sollen das krebserregende Benzol aus dem kontaminierten Lagerstättenabwasser filtern.

Die auch als Disposalbohrung bezeichnete Anlage Grapenmühle Z1 muss zurzeit auch die mit aromatischen Kohlenwasserstoffen und Quecksilber belasteten Abwässer aus dem Bereich Völkersen aufnehmen. Dort musste die Disposalbohrung wegen undichter Leitungen und großflächiger Benzolkontaminierungen eingestellt werden.

Aktuell laufen bereits Untersuchungen wegen ausgetretenen Quecksilbers, das ebenfalls am Bohrplatz Grapenmühle Z1 gefunden wurde.

Über die Ursache des Brandes können wir nur spekulieren. So etwas hatten wir noch auf keiner von unseren Anlagen“, sagt RWE-Mann Stephan Schulze. Es sei aber klar, dass die Anlage zunächst einmal still gelegt werde, um den Störfall lückenlos zu dokumentieren. Schulze betont, dass in den Kesseln unter den Filtern „keine explosiven Stoffe oder Giftgase enthalten sind. Es sind nur Kohlenwasserstoffe, die bei der Erdgasförderung mit an die Oberfläche kommen und hier wieder verpresst werden.“ Auch das zuständige Bergamt ist gegen Mittag vor Ort, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Die Fachleute versprechen eine „lückenlose Aufklärung des Störfalls“.

Lagerstättenabwasser ist ein Begleitprodukt der Gasförderung und fällt täglich in großen Mengen an. In Niedersachsen wird es über ein knapp 800 Kilometer langes Leitungsnetz transportiert und in verschiedenen Versenkbohrstellen “entsorgt”.

Quelle:
Feuer auf der Anlage Z1: Großalarm in Grapenmühlen – Visselhövede – Lkr. Rotenburg – Lokales – Kreiszeitung.

 

Das Land Thüringen legt wie Schiefergasförderung auf Eis. Das Unternehmen BNK Petroleum hatte sich große Aufsuchungsgebiete gesichert, um mit dem weltweit umstrittenen, teils verbotenen Fracking Verfahren nach Gas zu bohren.

Im Vorfeld eines gestrigen Treffens der Bürgerinitiative “Fahner Höhe” sicherte Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) zu: “Von mir wird es so lange keine Genehmigung geben, bis eindeutig bewiesen ist, dass es zu keinen Umweltschäden kommt.” Bei der Methode werden in manchen Fällen Chemikalien eingesetzt. Vor allem dies führt zu Ängsten auch bei der Thüringer Bevölkerung. Die Furcht vor verseuchtem Grundwasser keimt auf. Ein kanadisches Unternehmen hatte in Thüringen die Erlaubnis erhalten, entsprechende Gebiete abzustecken.

Quelle:
Thüringen stoppt Pläne für riskante Erdgas-Förderung – otz.de.

 

Im Plenum des Deutschen Bundestages wurde über die unkonventionelle Gasförderung diskutiert. Die Regierungsparteien CDU, CSU und FDP stellen sich auf den Standpunkt, dass erst ausreichende Erkenntnisse vorliegen müssen, bevor politische Entschlüsse gefasst werden können. SPD und Grüne fordern dagegen ein Moratorium und die Partei die Linke ein Verbot.

Die Anträge von SPD, Grünen und Linker wurden abgelehnt. Laut CDU sollen im Juni die Ergebnisse der Studie des Bundesumweltamtes zu den Risiken von Fracking vorliegen. Auch die Einschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften über die Potentiale unkonventioneller Gasvorkommen sollen dann vorliegen.

Abgewartet werden sollen im weiteren die Ergebnisse der Studien aus NRW, die im September 2012 vorliegen wird.

Inhaltlich ergibt sich damit nichts neues: Fracking bei konventionellen Gasvorkommen darf weiter durchgeführt werden. Die Entsorgung von Lagerstättenwasser über Disposalbohrungen wird ebenfalls nicht eingeschränkt. Wasserbehörden werden weiterhin nicht verpflichtend beteiligt. Anträge auf weitere Claims können weiter gestellt werden und fallen damit unter das veraltete Bergrecht.

Viel Hoffnung wird von den Regierungsparteien in die Studie des Bundesumweltamtes gesteckt, die schon im Vorfeld als völlig unzureichend kritisiert wurde. Vergleichbare Studien in den USA laufen über mehrere Jahre und können auf praktischen Erkenntnissen aufbauen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auch im Herbst noch nicht genügend Erkenntnisse vorliegen werden. Zumal die praktische Umsetzung in Bezug auf Bereiche wie Bohrlochsicherheit und Entsorgung noch nicht einmal von der Industrie begonnen wurden.

Die volle Debatte als Video:

 

Die Tschechische Republik will ein zweijähriges Moratorium für die Exploration von Schiefergas. Grund sind unzureichende Gesetze und Bedenken zur Sicherheit des Verfahrens.

“Existing Czech legislation is not prepared for such technically complicated research like there is in the case of shale gas,” the ministry said on its website.

Eine erste Lizenz wurde bereits zurückgezogen. Die relativ geringen Vorkommen werden vor allem in der Nähe der österreichischen Grenzregion vermutet. Auch in Österreich wurde die Schiefergasförderung vorerst gestoppt.

Quelle:
Czechs eye moratorium on shale gas exploration | Reuters.

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