Nov 272014
 

buendnis_zum_schutz_von_wasserMassive Kritik an Fracking‐Plänen der Bundesregierung – Lebensmittel des täglichen Bedarfs sind unzureichend geschützt

Berlin, 24. November 2014. Das „Bündnis zum Schutz von Wasser“ hat die Pläne der Bundesregierung, die Erdgasförderung mittels Fracking unter bestimmten Umständen doch zu ermöglichen, massiv kritisiert: Die Ende vergangener Woche bekannt gewordene Verständigung zwischen den Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt garantiere keinen umfassend wirksamen Schutz der Wasservorkommen für Lebensmittel, die täglich konsumiert werden. Das „Bündnis zum Schutz von Wasser“, das 2013 von deutschen Wasserversorgern und Getränkeherstellern gegründet worden war und unter anderem auch von der Gewerkschaft NGG unterstützt wird, kündigte an, weiterhin auf einen effektiven Schutz dieser Wasservorkommen zu drängen.

Sowohl für Mineralquellen als auch für Trinkwasserbrunnen zum Brauen von Bier und zur Zubereitung alkoholfreier Getränke sowie weiterer Lebensmittel sei im aktuellen Gesetzentwurf kein besonderer rechtlicher Schutz vorgesehen, und für die öffentliche Wasserversorgung nur in Teilen. „Wie will die Bundesregierung den Verbrauchern erklären, dass sie nicht einmal für die Lebensmittel des täglichen Bedarfs einen wirksamen und kompromisslosen Schutz zustande bekommen hat?“, fragen die Partner des „Bündnis zum Schutz von Wasser“ in einer gemeinsamen Erklärung. Man beobachte seit geraumer Zeit, dass unter dem Druck der Fracking‐Befürworter der in Deutschland traditionell strenge Gewässerschutz immer mehr ins Wanken gerät. Schon werden Parallelen zu den USA deutlich, denn auch dort sind Umweltschutzgesetze umgangen bzw. teilweise außer Kraft gesetzt worden, um den Einsatz der umstrittenen Fracking‐Technologie zu ermöglichen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Wasservorkommen für Lebensmittel, die teilweise seit Jahrzehnten von ortsansässigen Betrieben in der Ernährungswirtschaft genutzt werden, Fracking‐Risiken ausgesetzt werden“, so das Bündnis. Die deutsche Getränke- und Lebensmittelwirtschaft müsse sich darauf verlassen können, dass die Sicherheit und Reinheit qualitativ hochwertiger Wasserressourcen nicht durch Risikotechnologien aufs Spiel gesetzt werde. Es widerspreche jeglicher Verbraucherwartung, wenn die Bundesregierung nicht die Wasservorkommen für die Herstellung der beliebtesten und am häufigsten konsumierten Getränke beim Schutz vor Fracking bereits auf gesetzlicher Ebene effektiv schütze.

Einer Farce komme das im Gesetzentwurf vorgesehene Gremium mit Vertretern wissenschaftlich‐technischer Organisationen gleich, das zukünftig über die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit der Erdgasgewinnung durch Fracking entscheiden solle. Drei der sechs vorgesehenen Organisationen hatten sich in den letzten Jahren stets für die Fracking‐Technologie ausgesprochen und dazu im Jahr 2013 sogar eine gemeinsame Erklärung abgegeben.

Mehr als enttäuschend sei die Tatsache, dass auch im jetzigen Entwurf der Schutz von Trinkwasser und staatlich anerkannten Heilquellen nur halbherzig angegangen werde. Anstatt die kompletten Einzugsgebiete vor Fracking‐Maßnahmen und der Verpressung von Rücklaufwasser und Abwasser (Flowback) zu schützen, würden bundesweite Verbote abermals nur auf die – meist kleineren – Schutzgebiete beschränkt. Weitere Gebiete könnten die Länder dann ausschließen. Es sei jedoch zu fragen, wie dezentrale Regelungen in jenen Bundesländern aussähen, in denen der Druck auf Fracking‐Maßnahmen zunehme.

Seit 2013 setzen sich die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr, die Gelsenwasser AG, der Deutsche Brauer‐Bund, der Verband Deutscher Mineralbrunnen und die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke im Bündnis zum Schutz von Wasser als breite Front gegen nachteilige Auswirkungen der Fracking‐Technologie ein. In diesem Jahr sind dem Bündnis die Gewerkschaft Nahrung‐Genuss‐Gaststätten (NGG) sowie der Verband der deutschen Fruchtsaft‐Industrie und der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels als weitere Partner beigetreten. Damit repräsentiert dieses Bündnis mehr als tausend Unternehmen in ganz Deutschland. Verstärkt wird das Bündnis durch die NGG, die in bundesweit 52 Regionen die Interessen von rund 206.000 Mitgliedern vertritt.

Mit Verweis auf seine „Gelsenkirchener Erklärung“ (wir berichteten) aus dem Herbst 2013 wird das Bündnis weiterhin energisch dafür eintreten, nicht nur Flächen in Trinkwasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten von Fracking und Flowback‐Verpressung frei zu halten, sondern auch deren Einzugsgebiete. Gleiches gilt für die Einzugsgebiete von natürlichen Mineralquellen und Brunnen zur Trinkwasserversorgung für Bier, alkoholfreie Getränke und die Herstellung weiterer Lebensmittel. „Die Bundesregierung muss mindestens in der Lage sein, das, was als Lebensmittel täglich in aller Munde ist, vor nachteiligen Einwirkungen des Frackings wirksam und ohne falsche Kompromisse zu schützen“, fordert das Bündnis. Bedauerlicherweise sei dieses Ziel bisher nicht annähernd erreicht.

 Veröffentlicht von am 27. November 2014
Nov 012014
 

Erdgasverbrauch um 18% eingebrochen. Verbrauchstrend weiter rückläufig.

Mit der Veröffentlichung der Jahresprognose der AG Energiebilanzen zeichnet sich ein deutliches Bild: Fracking ist unnötig. Entgegen Exxons eigennütziger Studien sinkt der Gasverbrauch weiter, dieses Mal witterungsbedingt sogar besonders deutlich um volle 18 Prozent. Damit setzt sich trotz Energiewende und Atomausstieg der langfristige Trend zu geringerem Gaskonsum weiter fort.

Auch der Anteil des Erdgases am gesamten Energieverbrauch reduzierte sich um 2,9 Prozentpunkte auf jetzt noch 19,8 Prozent. Damit wurde im Vergleich zum Vorjahr mehr als dreimal soviel Gas eingespart, wie in Deutschland mittels Fracking aus Sandgesteinen überhaupt gewonnen wird! Im Sandstein wird das umstrittene Fracking in Norddeutschland schon länger praktiziert, deckt jedoch gerade einmal 0,8% vom hiesigen Energiebedarf.

Mehr Gas gespart als gefrackt

Mehr Gas gespart als gefrackt

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Jul 292014
 
Neue Studie kann fachliche Vorbehalte nicht entkräften und weist schwere Mängel auf

Logo  Interessengemeinschaften "Gegen Gasbohren"Am Mittwoch stellte das Umweltbundesamt (UBA) den zweiten Teil seiner Fracking-Studie vor. Erarbeitet wurde das Gutachten diesmal von einem Konsortium unter der Führung von Firma RiskCom. Deren Geschäftsführer Dannwolf machte bei der Präsentation des Zwischenstands im Januar keinen Hehl aus seiner Befürworter-Haltung. So verpflichtete man dann praktischerweise auch gleich für vier der acht Arbeitspakete Autoren, die schon in ExxonMobils „Expertenkreis“-Dialog involviert waren.

Doch selbst unter dieser wohlwollenden Konstellation sind längst nicht alle Probleme gelöst. So fallen die bisherigen politischen Gesetzesvorhaben immer noch weit hinter die jetzigen Empfehlungen zurück. Continue reading »

Mrz 062013
 

Unter https://www.campact.de/fracking startet Campact heute mit einer bundesweiten Aktion gegen Fracking.

Die Vertreter der Bundesländer im Bundesrat werden aufgefordert, dem Gesetzesvorschlag von Wirtschaftsminister Phillip Rösler und Umweltminister Peter Altmaier nicht zuzustimmen. Statt dessen soll ein generelles Verbot von Fracking angestrebt werden. 

Durch eine unvollständige bundesweite Regelung würden die momentan in einzelnen Bundesländern bestehenden Moratorien außer Kraft gesetzt. Unternehmen könnten mit dem Fracking beginnen, noch bevor Maßnahmen zum Ausschluß von Risiken für Mensch und Natur überhaupt erforscht wären.

Die gesammelten Unterschriften sollen im Rahmen einer Aktion vor der entscheidenden Sitzung des Bundesrates übergeben werden.

Jun 222012
 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND stellt einen neuen kostenlosen Flyer mit Informationen zu Fracking und unkonventioneller Gasförderung zur Verfügung.

Die rot-grüne Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag noch einmal bekräftigt, dass keine Genehmigungen für Erdgas-Probebohrungen und -frackingmaßnahmen zugelassen werden, ehe die nötigen Datengrundlagen zur Bewertung vorhanden sind und zweifelsfrei geklärt ist, dass eine nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit nicht zu besorgen ist. Nachdem mittlerweile die ersten Zwischenergebnisse der in Auftrag gegebenen Risikostudie vorgestellt worden sind, läuft nach BUND-Bewertung alles darauf hinaus, dass Erdgas-Fracking in NRW danach nie und nimmer genehmigungsfähig sein kann. In einem aktuellen Flyer, der in Kleinmengen kostenlos bestellt werden kann, haben wie noch einmal die wesentlichen Kritikpunkte zusammengefasst.

Quellen:

Apr 302012
 

Der VSR-Gewässerschutz stellt fest, dass die Gefahren der unkonventionellen Erdgas- förderung wegen der bereits bestehenden Grundwasserbelastungen am Niederrhein nicht hinnehmbar sind. „Weite Teile sind insbesondere bereits mit zu viel Nitrat belastet und stehen damit derzeit nicht mehr als Trinkwasservorräte zur Verfügung. In sofern ist es prioritär zu betrachten, dass das tieferliegende Grundwasser, das noch als Trink- wasser geeignet ist, auf keinen Fall einer Verschmutzung ausgesetzt werden darf.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Eine Grundwasserverschmutzung durch Fracking kann nicht ausgeschlossen werden. Die mehr als 200 Chemikalien und Biozide, die bei dieser Art der Erdgasförderung eingesetzt werden, stellen ein unkalkulierbares Risiko für das Grundwasser dar. Chemikalien können durch Unfälle am Bohrplatz ins Grundwasser versickern. Durch das Fracking-Verfahren, mit dem die Gesteinsschichten aufgebrochen und hunderte von Metern lange Risse erzeugt werden, können auch ungewollte Spalten im Gestein entstehen. Diese können eine Verbindung zum Grundwasser schaffen und so eine Verschmutzung der betroffenen Grundwasserschichten mit dem Fracking-Wasser unbemerkt herbeiführen.

Außerdem stellen die zementierten Bohrlöcher ein Risiko dar. Die zur Abschirmung des Grund- wassers eingebrachten Zementringe können durch den hohen Druck beim Fracking-Verfahren brechen, so dass das Wasser-Chemikalien-Mix in das Grundwasser eingepresst wird. Ein weiteres Problem stellt das Verbleiben eines Chemikalienrestes im Untergrund dar. Länger- fristig können diese Rückstände in die zur Trinkwassergewinnung genutzter Grundwasserleiter gelangen. Da den Wasserversorgern überhaupt nicht bekannt ist, welche Stoffe eingesetzt werden und somit das Trinkwasser bedrohen können, kann keine entsprechende Kontrolle des Rohwassers durchgeführt werden. Es ist nicht mehr sicherstellen, dass die Bürger ein gesundheitlich unbedenkliches Trinkwasser erhalten. Die Kosten für die zusätzlichen Untersuchungen wird letztendlich der Verbraucher über den Wasserpreis tragen müssen.

Noch eine geringere Möglichkeit gegen Grundwasserbelastungen vorzugehen haben aber die Nutzer von Eigenwasserversorgungsanlagen und Gartenbrunnen. Es ist für Brunnenbesitzer kostenmäßig unmöglich das eigene Brunnenwasser auf diese verschiedenen giftigen Stoffe untersuchen zu lassen. Da diese Stoffe, die durch das Fracking ins Grundwasser gelangen können, bereits beim Gießen von Gemüse und erst recht beim Befüllen eines Planschbeckens zu einer gesundheitlichen Belastung führen können, stellt diese Art der Erdgasgewinnung ein unkalkulierbares und nur schwer feststellbaren Risiko dar.

Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass der Grundwasserschutz oberste Priorität hat. Selbst wenn es sich zeigen sollte, dass ein Fracking ohne eine Belastung des Grundwassers möglich sein könnte, stellt dies keine Sicherheit für die Grundwasservorräte dar. Die Erdgasförderung durch Fracking ist sehr teuer. Daher werden die Konzerne an allen Stellen versuchen Kosten einzusparen. Das Landesbergamt kann die Vielzahl an Bohrungen zwar genehmigen, aber nicht überwachen inwieweit die Konzerne bewusst eine Verschmutzung des Grundwassers in Kauf nehmen, um größere Gewinne zu erreichen. Die Folgekosten tragen nicht die Konzerne sondern die
Bürger am Niederrhein.

Geldern, den 12. April 2012
Dipl.-Phys. Harald Gülzow
Pressesprecher

Quelle: VSR Gewässerschutz – Gefährdung des Brunnenwassers am Niederrhein durch Fracking ausschließen