Jun 212020
 

Geplante großflächige Zulassung der Fracking-Förderung von Erdgas würde Notlage noch erheblich verschärfen.

Volker H.A. Fritz – den 20.6.2020

An den Umweltminister von Niedersachsen, Herrn Olaf Lies
c/o Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz
30169 Hannover
per e-mail: minister@mu.niedersachsen.de
poststelle@mu.niedersachsen.de

Sehr geehrter Herr Minister Lies,

namens unseres Arbeitskreises nehme ich zu Ihren Warnungen und Ihrer Aussage, dass der Klimawandel schon da sei, dass es aber künftig noch schwieriger werden könnte, aus der Sicht des Widerstandes gegen die Fracking-Förderung Stellung.

Auch wir haben schon vor zwei Jahren bemerkt, dass Gutachten zur Wassernutzung den sehr hohen Nutzungsgrad unseres Grund- und Oberflächenwassers erwähnten und davor warnten, die Wassernutzung in Deutschland noch weiter zu intensivieren. Das könne, bei nachlassenden jährlichen Niederschlagsmengen dann schnell zu Problemen führen.

Jetzt werden die Auswirkungen, insbesondere der großen Agrarberegnungsmengen, bei gleichzeitigen mäßigen bis geringen Niederschlägen, deutlich erkennbar. Die Grundwasserspiegel sinken ab. Und dann droht da immer noch das Projekt „Fracking-Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Vorkommen in Deutschland“ mit riesigem zusätzlichem Grundwasserbedarf.

Wir beobachten äußerst aufmerksam die Tätigkeit – oder besser Untätigkeit – der „Expertenkommission Fracking“ gemäß § 13a Abs. 6 S. 1 WHG , die ja durch wissenschaftliche Begleitung der 4 genehmigten Versuchsbohrungen mit Frackinganwendung im Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözgestein zu erweiterten Erkenntnissen unter deutschen Bedingungen kommen sollte. Unser Eindruck ist, dass hier ein abgekartetes Spiel läuft, an dessen Ende diese Kommission dem Bundestag die Aufhebung des Fracking-verbotes „empfehlen“ wird. Und die Große Koalition in Berlin dürfte das mit ihrer Mehrheit auch 2021 beschließen.

Thema riesiger zusätzlicher Wasserverbrauch in Niedersachsen

Und was bedeutet das für die Grundwasserverfügbarkeit zur Trinkwassererzeugung und Nutzung in der Landwirtschaft – besonders für das Hauptförderland Niedersachsen?

Riesige Mengen sauberen Grundwassers werden bei der Anwendung der Fracking-Förderung benutzt und kontaminiert. Und anschließend -aus Kostengründen – werden wiederum große Mengen des anfallenden Produktionswassers durch Hochdruck-Verpressung in den tiefen Untergrund „entsorgt“, wo sie eine permanente Gefährdung des trinkbaren Grundwassers sind.

Die Firma ExxonMobil hat für die Fracking-Erdgasförderung allein in Niedersachsen über 30.000 neue Bohrungen projektiert, die sie nach Aufhebung der Fördersperre abteufen will. Insgesamt sind 133 „Förderfelder“ der Kantenabmessung 10 x 12 km und mit je 240 Bohrungen auf Clusterfeldern mit je 20 Bohrungen vorgesehen. Jede einzelne Bohrung wird nach der horizontalen Ablenkung mit bis zu 30.000m3 Fracking Fluid beaufschlagt mit Drücken bis 1.500 bar. Über 95% davon bestehen aus Wasser.

Ist ein „Förderfeld“ zur Förderung gebracht worden, muss bereits nebenan mit dem Aufschluss für das nächste begonnen werden, weil die Erdgasmengen in den „unkonventionellen“ Vorkommen nur gering sind und sich schnell erschöpfen. Es muss dann ständig neu gebohrt und gefrackt werden, um eine etwa gleichbleibende Förderleistung übers Jahr zu ermöglichen.

Für ein „Förderfeld“ werden gewaltige 7.200.000 m³ Frischwasser benötigt und dem Wasserkreislauf zugleich wegen der zugesetzten giftigen Chemikalien entzogen. Für die projizierte Gesamtzahl der Förderfelder kämen so 958 Millionen m³ Wasserverbrauch über die Jahre zusammen.

Eine riesige durchgehende Fläche von etwa 60 x 265 km würde so im Untergrund durchwühlt und gefrackt werden. Und Sie können, sehr geehrter Herr Minister Lies, voll und ganz auf die Erfahrungen in den USA bauen, wo -zig Tausende Brunnen durch Fracking verdorben wurden. Ähnliches ist dann auch bei uns zu erwarten, wenn auch möglicherweise in abgeschwächter Form. Von den Erdbeben, verursacht durch Fracking, Förderung und Verpressung der Abwässer, möchte ich hier nicht weiter ausführen. Auch sie werden verstärkt auftreten.

Thema Grundwassergefährdung durch zusätzliche Verpressung von Abfallwasser

Und dann fallen etwa 4.300.000 m³ Rücklaufwasser je Förderfeld an, die mit der anschließenden Förderung zusammen hochkommen und in „Verpressbohrungen“ entsorgt werden müssen. Es ist längst bekannt, dass derart verpresste Rücklaufwässer nicht stationär im Bereich der Verpressbohrung verbleiben, sondern dass sie sich im Untergrund bewegen, je nach dem, wo sich eine Ausdehnungsmöglichkeit ergibt.

Somit können sie auch entlang aufgegebener Bohrungen oder durch aufgebrochene Gesteins- schichten (entstanden durch die ungeheuren hydraulischen Kräfte beim Hochdruckfracking) nach oben aufsteigen, bis in den Bereich des trinkbaren Grundwassers, von dem wir leben. Das besonders Gefährliche dabei ist, dass diese verpressten „Zeitbomben“ im Untergrund auch Jahrzehnte nach der Beendigung der Verpressung und Verschließung der Bohrung ihre Gefährlichkeit nicht verlieren.

Sie sind heute, sehr geehrter Herr Minister Lies, in der bemerkenswerten Lage, einem Ministerium vorzustehen, das einerseits die Umwelt und andererseits die Energie in seinem Arbeitsfeld verwaltet.

Thema Fracking vermeiden zum Klimaschutz

Nutzen Sie bitte diese Möglichkeit, die klimabezogen völlig falsche Absicht der Bundesregierung und der Förderkonzerne auszubremsen, die Fracking-Förderung in Niedersachsen, dem geplanten Haupt-Fracking-Förderland, durch gezielte Parlamentsbeeinflussung in Berlin „durchzuwinken“. Unser Ziel muss es vielmehr sein, den Ausbau der Windkraft und der Solarkraft bei uns massiv zu beschleunigen, anstatt wie bisher durch vermehrt eingebaute Hemmnisse abzubremsen, zum Vorteil der „alten“ fossilen Energien.

Jetzt, sehr geehrter Herr Minister Lies, haben Sie öffentlich vor dem bevorstehenden Wasser-mangel in Niedersachsen gewarnt und Vorschläge zur Wassereinsparung für demnächst angekündigt. Es wäre wünschenswert, dass Sie ebenso große Besorgnis ob der riesigen Wassermengen äußern würden, die durch ausgedehntes Fracking in Niedersachsen für die Nutzung durch Mensch und Landwirtschaft verloren gingen, da sie ja nicht wieder in den Wasserkreislauf eingeschleust werden können.

Thema Gesundheitsgefährdung der Anwohner

Und dann erinnern wir Sie aus diesem Anlass daran, dass die gehäuften rätselhaften Krebserkrankungen von Anwohnern der Förderschwerpunkte Rotenburg, Hemslingen/Söhlingen und Rodewald (SG Steimbke) nach wie vor nicht geklärt sind. Es bestehen dringende Verdachtsmomente, dass die dortige Kohlenwasserstoff-Förderung der Verursacher ist.

Es wäre umweltpolitisch unverantwortlich, die Fracking-Erdgasförderung zuzulassen, so lange nicht definitiv ausgeschlossen werden kann, dass es an der Förderung lag. Bodenproben an verschiedenen Förderplätzen haben jedenfalls überall erhöhte Quecksilberwerte und teils auch Benzol enthalten. Sie sind ein klarer Beleg dafür, dass es Emissionen bei der Förderung und Aufbereitung gibt. Hier auf „zulässige“ Grenzwerte zu verweisen ist Augenwischerei. Und, es wird Sie nicht wundern, die gleichartigen Erkrankungen wurden auch in den USA und in Kanada in Gebieten intensiver Förderung und Aufbereitung von Kohlenwasserstoffen festgestellt. Ja, seltsam, niemand bei uns in den Ministerien und Ämtern, im Landesbergamt und nicht bei den Förderunternehmen, will daraus einen Zusammenhang erkennen können.

Gern würden wir dazu von Ihnen hören.

Mit freundlichen Grüßen,

für den Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land
Volker Fritz (Mitglied im bundesweiten Zusammenschluss Gegen Gasbohren)

 Veröffentlicht von am 21. Juni 2020

Bericht zum Juni 2020: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Jun 192020
 

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 19.06.2020

Berichtszeitraum 23.05. bis 19.06.2020. Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme erneut deutlich ab, allerdings zum Ende des Berichtszeitraumes spürbar weniger, da die Rohölpreise wieder etwas gestiegen sind.

Zu den insgesamt 691 stillgelegten Bohrtürmen der Monate März, April und Mai 2020, die schon zu einer 67%igen Stilllegung der nordamerikanischen Bohrkapazitäten geführt hatten, kamen im Berichtsmonat Juni noch einmal 53 Bohrtürme hinzu.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wurde in den letzten 2 Monaten immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der inzwischen über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie ihr gewohntes Leben und Arbeiten unterbrochen haben und „abgesperrt“ zu Hause leben müssen um die Ausbreitung des CORONA-Virus auszubremsen. Viele Unternehmen haben Zwangspausen einlegen müssen. In China hat die Industrie wieder schrittweise damit begonnen, die Produktion wieder aufzunehmen, es herrscht aber große Sorge vor eine 2. CORONA-Ansteckungswelle.

Das dadurch ausgelöste Überangebot aus zu hoher Förderung und gleichzeitigem Bedarfsrückgang in wichtigen Abnehmerländern ließ den Ölpreis zeitweise ins Bodenlose abstürzen. In der Woche vor dem 24.04. brach er sogar kurzzeitig auf Basis WTI zusammen, wegen nicht absetzbarer, aber vertraglich georderter Rohölmengen.

Der WTI-Preis in New York fiel erstmals in der Geschichte ins Minus und Verkäufer zahlten Abnehmern noch eine Prämie, wenn sie ihnen die Rohölmengen abnahmen, bis zu 25 USD/barrel. Die OPEC und weitere Länder beschlossen massive Förderkürzungen, um den Ölpreis zu stabilisieren.

Das hat sich inzwischen wieder leicht erholt, am 22.05. lag WTI in New York bei 18 USD/barrel. Doch dieses Preisniveau ist mörderisch für die US-Förderindustrie und besonders für die teure Fracking-Ölförderung. Die angekündigte Verknappung durch Produktionskürzungen führte zu weiterer Stabilisierung auf heute knapp über 40 USD/barrel.

Das macht offenbar den noch verbliebenen Fracking-Förderunternehmen in den USA Mut, den weiteren forcierten Abbau von Bohrkapazitäten zunächst zu verlangsamen. Sie benötigen allerdings WTI-Öl-Preise von 50 bis 60 USD/barrel. Die Strategie der OPEC und Russlands ist dabei die, durch die Preisgestaltung die Fracking-Förderer der USA aus dem Geschäft zu halten.

Wir können also erwarten, dass die Fördermengensteuerung dieser Gruppe so erfolgt, dass der WTI-Preis bei 40 bis 45 USD/barrel eintariert werden wird. Weiterhin gilt, dass abseits des Handelsplatzes New York auch Rohöl zu Notierungen gehandelt wird, die deutlich unter WTI-Niveau liegen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch reduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA. Nun hoffen alle auf China, weil dort der Verbrauch mit Wiederaufnahme großer Teile der Industrieproduktion wieder anzieht.

In Nordamerika entwickelt sich eine Katastrophe. Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und einige haben in den vergangenen Wochen den Betrieb eingestellt. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Mit dem WTI-Preis in New York über 40.-USD/barrel heute werden wohl doch mehr von diesen Unternehmen im Geschäft bleiben, als zunächst zu befürchten war, denn damit können viele von ihnen kostendeckend arbeiten. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteur Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen. Insgesamt ist die Zahl der Konkursanmeldungen in den ersten 2 Quartalen 2020 laut Haynes-Boone bisher doch noch moderat verlaufen.

Die Angst vor CORONA allerdings geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, zumal sich die Zahl der Neuansteckungen mehr und mehr aus den Ballungsräumen (New York, Las Vegas, Boston, Florida, Golfküste) in die Fläche verlagert.

In den USA haben sich inzwischen über 40 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 9 Wochen. Doch das ist nicht die ganze schreckliche Wahrheit. Die US-Arbeitsverwaltung schließt nicht die Arbeitskräfte ein, die nicht dokumentiert sind und arbeitslos werden. Ca. 8 Mio Arbeiter aus dieser Gruppe verloren ihren Job und müssen hinzugerechnet werden, ebenso noch die ganzen Absolventen, die nach Abschluss ihrer Ausbildung oder ihres Studiums arbeitslos sind. Die tatsächliche Arbeitslosenzahl beträgt sicher über 50 Mio Menschen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Das Geschehen in Peking im Verlauf der Woche zeigt auf, wie schnell aus neuen Infektionsherden wieder größere „Lock-downs“ werden können.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen mit zur Zeit 2.2 Mio registrierten Infizierten und 117.000 Toten. Das US-Gesundheitssystem ist in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet und im ländlichen Bereich fehlen – besonders in den Bundesstaaten der „Trump-Freunde“ im Süden der USA – Krankenhäuser und Beatmungseinrichtungen. Die mögliche Zahl von 200.000 Toten rückt immer näher, da die Zahl der Infizierten in den letzten Wochen wieder zugenommen hat.

Diese Volkswirtschaft wird weiterhin monatelang lahm gelegt werden – auch wenn Präsident Trump das zu verhindern sucht – ohne Rücksichtnahme auf weitere Zehntausende Tote. Und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die weiter steigende Zahl Infizierter, auch wenn die tägliche Zunahme deutlich geringer geworden ist. Mit der Eröffnung von Reisemöglichkeiten ins Ausland seit 15.06.20 ist bald mit neuen Infektionen durch Reiserückkehrer zu rechnen. Die Wirtschaft in Deutschland hat begonnen, nach vorn zu arbeiten, wenn auch in vielen Bereichen noch mit stark reduzierter Kapazität.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weiterer Infizierter bisher verhindert hat.

Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,0. Im Detail wird bei der Abwicklung der Hilfspakete mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Doch nun zu den Zahlen der Bohrtürme:

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um ca. 38% von der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 491 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Am 22.05.20 notierten sie bei 18,06 USD/barrel und heute bei 40,26 USD/barrel. Die OPEC und Partner haben die Förderkürzung deutlich über die ursprünglich vereinbarte Menge hinaus umgesetzt und dadurch recht schnell die Stabilisierung des Ölpreises bewirkt, unterstützt von den wieder steigenden Abnahmemengen Chinas.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weiß niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehreren Monaten gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erhofft, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im April gleichsinnig, bei Kanada allerdings auf äußerst niedrigem Niveau da man dort bereits im März fast alle Ölbohrtürme stillgelegt hatte. Der Löwenanteil der Stillegungen erfolgte auch im Berichtsmonat Juni in den USA.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
12.04.19108810226664,47
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06
22.05.203393182132,8
19.06.202832661740,26

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 194 Ölbohrtürme und 87 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(111), New Mexico(51), Louisiana (32), Pennsylvania(22), North Dakota(10), Oklahoma(9), West Virginia(5), Ohio (9), Colorado(6), und Kalifornien(4).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither immer unter 2 USD/mmBtu. Am 22.05. wurde er mit 1,815 USD/mmBtu notiert und heute mit 1,638 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen deutlich ab, um 110 Türme auf 805 Bohrtürme. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Eine weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes kommt auf uns alle zu, die erst nach einer längeren Wiederbelebungsphase Schritt für Schritt überwunden werden dürfte.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land.

 Veröffentlicht von am 19. Juni 2020

Giftschlammgrube Brüchau in der Altmark wird ausgekoffert

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Jun 192020
 

Der Landtag in Magdeburg beschloss am 12.06.2020 einstimmig, dass die Giftschlammgrube Brüchau in der Altmark ausgekoffert und entsorgt werden muss.

Seit vielen Jahren ist diese Giftschlammgrube undicht und kontaminiert das Grundwasser rund herum. Unsere Mitglieds-BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ hatte sich seit Jahren dafür eingesetzt, diesen Schandfleck zu beseitigen, da auch Anwohner gesundheitlich gefährdet wurden. Die für Umweltfragen zuständige Abgeordnete der GRÜNEN im Landtag unterstütze die Forderungen nach Beseitigung und endgültige Entsorgung des Grubeninhaltes auf geeigneten Deponien und sorgte wiederholt für die Behandlung des Themas im Landtag, während Aktivisten aus mehreren BI s die Öffentlichkeit durch Aktionen, zum Beispiel vor dem Landtag in Magdeburg, auf das Thema aufmerksam machten.

Die Strategie des zuständigen Landesbergamtes war es Zeit zu schinden und – in Absprache mit zuständigen Ministerium für Wirtschaft und Umwelt – zu einer „Abdecklösung“ zu kommen, bei der die Deponie oberflächlich verschlossen worden wäre, jedoch im Untergrund ihre Giftfracht ständig weiter ins Grundwasser abgegeben hätte.

Dazu behaupteten sie, dass die Grube „dicht“ sei und daher keine Gefahr vorliege, trotz eines Gutachtens aus 1971, in dem der als Abdichtung eingebrachte Geschiebemergel für gefährliche Abfälle als „bedingt tauglich“ bewertet wurde. 1992 wurde das Grundwasser untersucht und Belastungen um die Grube herum mit Lithium, Strontium und Chlorid festgestellt, die durch das Sickern aus der Grube stammten. Seitdem kämpfte das zuständige Umweltamt des Altmarkkreises Salzwedel für einen Stop der Einlagerungen wegen Grundwasserschädigung, doch das Landesbergamt erlaubte den Weiterbetrieb.

2012 wurde der Betrieb der Grube dann endlich wegen Undichtigkeit eingestellt. 2015 die Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) behauptete, zusammen mit dem Wirtschaftsministerium, dass die Grube „dicht“ sei und also die Vorzugslösung für die endgültige Schließung die „Abdecklösung sei.

Dagegen leisteten die BI, MdL Frederking, aber auch andere Politiker mit Anbindung in der Altmark, erbitterten Widerstand, da das Grundwasser ja Belastungen hatte. Wegen Unkenntnis über die tatsächlichen Inhalte der Grube wurden 2018/19 geoelektrische Messungen und Untersuchungsbohrungen durchgeführt.

Februar 2020: Zwischenberichte bestätigten, die Grube ist undicht. Zusätzlich wurden in der Geschiebemergelschicht 7 Stellen gefunden, an denen er gar nicht vorhanden ist, oder weniger als 30 cm dick ist. Das waren nur Stichproben.

Mai 2020: Endbericht zu den Untersuchungen bestätigt die Ergebnisse der Zwischenberichte. Die Erörterung des Endberichtes im Landtag am 12.06.2020 nahm MdL Frederking zum Anlass, schnell einen Entschließungsantrag zur Auskofferung der Giftschlammgrube zu erstellen und zur Abstimmung zu bringen.

Dieser wurde einstimmig angenommen.

Der Landtag forderte die dafür zuständigen Landesbehörden auf dass „unverzüglich ein genehmigungsfähiger Plan für eine zügige und sichere Beseitigung der gesamten Giftschlammgrube, für einen Abtransport und eine sichere Endlagerung der Inhaltsstoffe in geeigneten Deponien an anderen Standorten sowie für die notwendigen Maßnahmen zur Renaturierung und zum Gewässerschutz einschließlich Reinigung von kontaminiertem Grundwasser erarbeitet wird“

Dieser Erfolg, nach vielen Jahren zäher Kleinarbeit und Bürgerprotesten vor Ort und Eingaben durch MdL Frederking, zeigt wieder einmal beispielhaft, wie schwer es ist, gegen die für die Kohlenwasserstoff-Förderung zuständigen Behörden anzukommen, wenn sie offensichtlich Falsches tun, oder planen.

Er zeigt aber auch, dass unser Engagement Dinge in Bewegung setzen kann, die ohne dieses nicht angefasst worden wären.

Glückwünsche an alle, die auf diesem langen Weg mitgewirkt haben! Nun wird die Giftschlammgrube beseitigt werden!

Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 19. Juni 2020

Neueste Information von der globalen Klimafront

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Jun 082020
 

Truth-Out veröffentlichte am 06.06.20 die Messergebnisse zu den Temperaturen im Monat Mai 2020 und zu den ppm-Werten von CO2 in der Atmosphäre.

Dieser Mai war der wärmste, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen je auf der Erde gemessene.

Das Mauna Loa Observatorium auf Hawai hat 417,1 ppm CO2 gemessen, den höchsten jemals bisher gemessenen Monatswert.

Der UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sagt dazu:
„Die Klimastörung wird immer schlimmer.“

[Zur Original-Meldung in Englisch]

Volker Fritz – Initiativen gegen Fracking

 Veröffentlicht von am 8. Juni 2020

Bericht zum Mai 2020 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Mai 232020
 

Berichtszeitraum 25.04. bis 22.05.2020. Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme erneut drastisch ab – um 31% gegenüber dem Vormonat nach fast 38% Verringerung im April und liegt inzwischen weit unter dem Tiefststand nach dem Crash 2014 im Juni 2016 mit 497 Türmen im Einsatz.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker H.A. Fritz. – Wolfenbüttel, den 22.05.2020

248 Bohrtürme wurden im März stillgelegt, überwiegend für Öl. 291 Bohrtürme wurden im April stillgelegt, überwiegend für Öl. 152 Bohrtürme wurden im Mai stillgelegt, fast ausschließlich für Öl. Damit wurden in den nur 3 Monaten 67% der nordamerikanischen Bohrkapazitäten, bezogen auf den Stand Februruar 2020, stillgelegt. Im Vergleich mit dem bereits im Februar 2018 erreichten Stand der Reaktivierung der Bohrtürme von 1293 Stück ergibt sich eine Verringerung um 87%.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 3 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern zum großén Teil „abgesperrt“ leben müssen und weiterhin auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen.

In der Woche vor dem 24.04. brach sogar kurzzeitig der Rohölpreis auf Basis WTI zusammen, wegen nicht absetzbarer, aber vertraglich georderter Rohölmengen. Der WTI-Preis in New York fiel erstmals in der Geschichte ins Minus und Verkäufer zahlten Abnehmern noch eine Prämie, wenn sie ihnen die Rohölmengen abnahmen, bis zu 25 USD/barrel.

Das hat sich zum Ende des Monats April zwar wieder leicht erholt – WTI-Öl in New York bei 18 USD/barrel – aber dann drohte ein Trend der Verstetigung auf diesem Niveau. Doch dieses Preisniveau ist mörderisch für die US-Förderindustrie und besonders für die teure Fracking- Ölförderung, aber auch Saudi-Arabien rutscht damit immer weiter ins Staatsminus, da der Staatshaushalt des Landes weit überwiegend durch Öl-Einnahmen finanziert wird.

Weiterhin gilt abseits des Handelsplatzes New York: In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise lagen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt über 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. Die Rohöllager sind weltweit alle restlos gefüllt und es wird verzweifelt nach Zwischenlösungen gesucht durch Tankschiff-Leasing und durch die Nutzung zur Zeit ungenutzter Pipelines als Rohöllager.

Die Hauptölproduzenten haben ihre Notlage erkannt und ihre Förderungen kurzfristig drastisch reduziert, viel mehr als vorher angekündigt, um den Ölpreis wieder auf ein ökonomisch besseres Gleis zu bringen. Die Saudis haben ihren Hauptabnehmern die Liefermengen drastisch reduziert, in Asien, in Europa aber auch gegenüber den USA. Auf der Abnehmerseite hat die Reaktivierung der Industrie in China auch den leichten Wiederanstieg des Rohölbedarfes bewirkt. Die Folge ist, dass der Rohölpreis bereits begonnen hat, sich zu stabilisieren. Seit Anfang Mai stieg WTI von 19,06 EUR auf 32,80 (Stand 22.05.20)

In Nordamerika nimmt die Katastrophe ihren Lauf

Seit Januar haben 8 Förderfirmen Konkurs angemeldet, darunter Whiting Petroleum 3,4Mrd USD Verbindlichkeiten und Diamond Offshore 2 Mrd Verbindlichkeiten. Ebenso geht es bei den Service-Unternehmen zu, 8 Konkurse: McDermott International Inc. 7,85 Mrd USD Verbindlichkeiten, Pioneer Energy Services Corp. 475 Mio USD als die beiden größten. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sogar Chesapeake Energy und Oasis Petroleum in Kürze Konkurs anmelden werden.

Die Aktien der großen Öl- und Service-Firmen haben an der Börse New York seit Januar 2020 insgeamt schon über 40% ihres Wertes verloren. Auch sogar ExxonMobil ist mit -38% dabei. Über 2/3 ihres Börsenwertes verloren Noble Energy, Halliburton, Marathon Oil und Occidental. Chesapeake Energy verlor über 95% ihres Börsenwertes, Oasis Petroleum 90%, California Resources 76% und Denbury Resources 70%. Wenn der WTI-Ölpreis bei 20 USD bleibt, werden in 2020 400 Firmenpleiten in den USA erwartet, wenn er sich bei 30 USD einpendelt erwartet man noch 170 Firmenpleiten.

Die Investoren haben offenbar endgültig die Nase voll, denn die Förderindustrie kann kein neues Kapital loseisen, um ihre Schulden zu decken und macht seit Jahren Verluste.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in 2020 den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel bleibt, werden viele dieser Unternehmen aufgeben müssen. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen

Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteuer Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen.

Und die Angst geht weiter in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORONA- Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen.

Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heißt, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. In den USA haben sich inzwischen 39 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 9 Wochen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die Stadt Wuhan mit 12 Mio Einwohnern wird gerade vollständig auf den CORONA-Erreger getestet, nachdem erste Neuansteckungen vermerkt wurden.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Besonders in den mittleren und südlichen Bundesstaaten wurde in den vergangenen 20 Jahren das öffentliche Gesundheitswesen kannibalisiert. Jetzt breitet sich in den ländlichen Gegenden in Georgia usw. die CORONA-Pandemie aus und es fehlt an allem. Zum Wochenende werden insgesamt 100.000 Tote in den USA erwartet, bis Ende August 2020 werden weitere 100.000 befürchtet. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die inzwischen zwar geringere aber immer noch deutliche Zunahme der Zahl der Infizierten. Die landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen und Reisebeschränkungen haben Schlimmeres verhindert. Aber viele Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen und/oder weil der Teilenachschub aus der internationalen Vernetzung aus blieb.

Und die frühe erste teilweise Öffnung der Sperrmaßnahmen ab dem 25.04.2020 war eine sehr riskante Aktion, denn das Ansteckungsrisiko steigt dadurch wieder. Fachwissenschaftler befürchten den Ausbruch einer zweiten „Welle“ größerer Ansteckungszahlen, auch wenn es bis jetzt noch keinen so dramatischen Anstieg der gemeldeten Neuinfektionen gibt.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weiterer Infizierter verhindern soll. Auch die Hauptzielländer für deutsche Reisende haben ja Einreisesperren verhängt. Die Tourismus- und Reiseindustrie, einschließlich der Kreuzfahrten, ist ein Hauptverlierer.

Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,0. Im Detail haben sich bei der Abwicklung der Hilfspakete manche Hindernisse gezeigt, die kostbare Zeit verschlingen und zusätzliche Pleiten verursachen. Pleiten, besonders im unteren Bereich des Mittelstandes, sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 bei 33% von der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 339 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Am 24.04. lagen sie 18,06 USD/barrel. Zur Zeit werden 32,80 USD/barrel notiert.

Die OPEC hat mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland vereinbart, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen. 10 Mio barrel/Tag Reduzierung kam dabei heraus. Zusätzlich hat Saudi-Arabien, als größter Förderer der OPEC noch deutlich mehr reduziert, um den Ölpreis zu einem Niveau von über 30 USD/barrel WTI zu heben.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehreren Monaten gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als bei der Weltwirtschaftskrise in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Mai unterschiedlich, da Kanada bereits im März fast alle Ölbohrtürme stillgelegt hatte. Der Löwenanteil der Stilllegungen erfolgte in den USA.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Mai 2020:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
12.04.19108810226664,47
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06
22.05.203393182132,8

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 245 Ölbohrtürme und 92 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(138), New Mexico(63), Louisiana (35), Pennsylvania(22), North Dakota(14), Oklahoma(12), West Virginia(8), Ohio (8), Colorado(6) und Kalifornien(5).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither immer unter 2 USD/mmBtu. Am 24.04. wurde er mit 1,815 USD/mmBtu notiert. Zur Zeit er bei 1,71 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen. Die Investoren haben begonnen, sich auch aus den LNG-Projekten zu verabschieden, da auch dort keine Rendite zu erwarten ist.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen auch deutlich ab, um 144 Türme auf 915 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Die weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes entwickelt sich weiter, da die CORONA-Pandemie sich jetzt auch in Mittel- und Südamerika und in Afrika ausbreitet und hohe Todesraten erwarten lässt. Und nicht zu vergessen, die USA haben das Schlimmste noch vor sich, mit einem Präsidenten, der heute schon verkündet, dass im Falle einer zweiten Infektionswelle ein zweiter „Shutdown“ nicht in Frage kommt. Geschäft geht vor Menschenleben. Die Zukunft einer Wiederbelebungsphase steht derzeit völlig ungewiss da. Mit Jahren ist zu rechnen, nicht in Monaten, so auch bei uns in Deutschland.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann kann die Neuorientierung beginnen und danach der internationale, vernetzte Wirtschaftskreislauf wieder belebt werden. Es ist aber auch bei einigen Produkten deutlich geworden, dass eine nationale zuverlässige Fertigungsbasis in Deutschland unabdingbar ist, denn die nächste Pandemie mit einem Virus aus der CORONA-Viren-Familie wird kommen, die Frage ist nur, wann.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 23. Mai 2020

Blankes Entsetzen / BBU: Verabschiedung des Planungssicherstellungsgesetzes im Bundestag ist eine tiefgreifende Beschädigung von Demokratie und Umweltschutz

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Mai 152020
 

COVID-19-Pandemie wurde von der Regierungskoalition zum
Abbau der Bürgerbeteiligung bei Großvorhaben durch
Gesetzesverabschiedung am 14.05.2020 missbraucht
und der Bundesrat hat diesen bereits am 15.05.2020 genehmigt.
Beim Abbau von Bürgerrechten zeigen Bund und Länder
größte Eile.

Pressemitteilung des BBU – mit freundlicher Genehmigung

(Bonn, Berlin, 15.05.2020) Mit blankem Entsetzen hat der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU) auf die Verabschiedung des Planungssicherstellungsgesetzes am späten Donnerstagabend (14.05.2020) im Bundestag durch CDU/CSU, SPD und FDP bei Enthaltung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN reagiert. In einem parlamentarischen Verfahren, das nur als ein von Anfang an abgekartetes Spiel bezeichnet werden kann, hatten die Fraktionen von CDU/CSU und SPD das Gesetz durchgepeitscht. Kernpunkt des Planungssicherstellungsgesetzes ist die faktische Abschaffung des Erörterungstermins in allen relevanten umweltrechtlichen Verfahren, mindestens bis zum 31. März 2021. Dies ist ein schwerer, nicht zu rechtfertigender Eingriff in die demokratischen Rechte der Bevölkerung und in das Umweltrecht. So können umstrittene Großprojekte ohne eine effektive Bürgerbeteiligung durchgesetzt werden.

Um die Bedeutung von Erörterungsterminen zu unterstreichen, bei denen die Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Umweltverbänden und anderen Organisationen gegen konkrete Planungsvorhaben bisher immer wieder intensiv mit Genehmigungsbehörden und Antragstellern erörtert wurden, erinnert der BBU an zahlreiche Erörterungstermine. So gab es zum Beispiel stark besuchte und mehrtägige oder gar mehrwöchige Erörterungstermine zum Beispiel zur Atommüll-Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf (die letztlich nicht gebaut wurde), zum Atommüll-Lager Schacht Konrad oder zum Bahnprojekt Stuttgart 21. Noch in der jüngsten Zeit beteiligten sich Mitglieder des BBU zum Beispiel an Erörterungsterminen zum Atommüll-Lager Ahaus sowie an Erörterungsterminen zu Chemieanlagen in Gütersloh, Darmstadt und Mainz.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt: „Im Windschatten der Corona-Krise schafft die Große Koalition in Windeseile Beteiligungsmöglichkeiten im Umweltrecht ab. Statt Verfahren, bei denen ein Erörterungstermin stattfinden kann oder muss, bis zum 30.9.2020 auszusetzen und dann die Pandemielage zu beurteilen, werden die Behörden ermutigt, Erörterungstermine ausfallen zu lassen oder eine völlig sinnentleerte Online-Konsultation durchzuführen. Die Corona-Krise wird offensichtlich dazu benutzt, die Interessen der Industrieverbände zu befriedigen, die schon immer gegen eine effektive Bürgerbeteiligung waren.“

Dass der Umweltbewegung keine Chance gelassen werden sollte, ihre Positionen zu vertreten, wird an der strategischen Zeitplanung deutlich. Der erste Entwurf des Gesetzes wurde den Verbänden am Freitag, den 24.4.2020 gegen 16.00 Uhr übermittelt. Die Abgabefrist war Montag, der 27.4.2020, 12.00 Uhr mittags. Durch die Fristsetzung machte die Bundesregierung bereits deutlich, dass Stellungnahmen unerwünscht sind. Mit Datum vom 5.5.2020 brachten CDU/CSU und SPD eine noch einmal verschlechterte Version des Gesetzentwurfes ein, der zur Sitzung des Innenausschusses am 13.5.2020 eine weitere Verschlechterung erfuhr. Auf dieser Sitzung wurde beschlossen, dass es die sonst übliche Sachverständigenanhörung zu derartig schwerwiegenden Gesetzen nicht geben wird. Ein Antrag der LINKEN auf Durchführung der üblichen Sachverständigenanhörung wurde nicht nur von CDU/CSU und SPD abgelehnt. Entscheidend waren vielmehr die Enthaltungen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP, die damit verhinderten, dass das notwenige Quorum von 25% erreicht wurde. Damit haben sich auch FDP und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN eindeutig gegen die Interessen der Umweltbewegung gestellt. Denn Vertreter aus der Umweltbewegung bekamen durch den Wegfall der Sachverständigenanhörung gar nicht die Chance, dort ihre Position darzulegen.

Am späten Abend des 14.5.2020 stimmten CDU/CSU, SPD und FDP bei Enthaltung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für das Planungssicherstellungsgesetz. Diese Verabschiedung im Bundestag beschädigt die Demokratie tiefgreifend und wird fatale Auswirkungen auf den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen haben. Die Interessen der Umweltschutzbewegung wurden von der Linksfraktion unterstützt.

Heute (15.05.2020) soll der Bundesrat abschließend über das Planungssicherstellungsgesetz entscheiden. Im Vorfeld haben rund 50 Bürgerinitiativen und Umweltverbände ihren Protest in einer gemeinsamen Erklärung bekundet.

Hier der Wortlaut der gemeinsamen Erklärung der fast 50 Organisationen:

Am 7. Mai 2020 hat im Bundestag die erste Lesung zum drohenden „Planungssicherstellungsgesetz“ stattgefunden. Es soll bereits am 15. Mai 2020 vom Bundesrat verabschiedet werden.

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise sollen die Behörden geradezu gesetzlich ermutigt werden, Erörterungstermine in eine völlig wirkungslose Online-Konsultation umzuwandeln oder – je nach Gesetz – ganz entfallen zu lassen. Die auch möglichen Telefon- bzw. Videokonferenzen verdienen diesen Namen nicht, da diese keinen Erörterungstermin in elektronischer Form darstellen, sondern nur die Online-Konsultation in mündlicher Form. Betroffen sind fast alle zentralen Bereiche des Umweltrechts, beispielsweise das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung, das Bundes-Immissionsschutzgesetz, das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das Bundes-Berggesetz und das Atomgesetz. Das Planungssicherstellungsgesetz soll weitgehend bis zum 31. März 2021 gelten. Wie sich die Übergangsregelung auswirkt, die das Außerkrafttreten des gesamten Gesetzes auf den 31.12.2025 terminiert, ist völlig unklar. Wir kritisieren, dass so im Windschatten der Corona-Krise umstrittene Großprojekte genehmigt werden können, ohne dass die Öffentlichkeit und die Umweltverbände wirksam Einfluss nehmen können. Wir fordern stattdessen, Genehmigungsverfahren, in denen ein Erörterungstermin stattfinden kann oder muss, bis zum 30.9.2020 auszusetzen und nach einer dann aktuellen Lagebeurteilung über zukünftige Schritte zu entscheiden. Dies hat der BBU bereits im Rahmen der schriftlichen Anhörung zum Gesetzentwurf dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in einer Stellungnahme mitgeteilt:

https://bbu-online.de/Stellungnahmen/BBU-Planungssicherstellungsgesetz.pdf

Initiativen und Verbände können formlos weitere Unterstützungserklärungen für die gemeinsame Erklärung per E-Mail senden an udo.buchholz@bbu-bonn.de

UnterstützerInnen dieser Erklärung (Stand 14.05.2020, 14.30 Uhr):

  1. Aktion „Strom ohne Atom“ – BürgerInnen für eine neue Energiepolitik,
    Stuttgart
  2. Aktionsbündnis Bahnwende – Heilbronner gegen S21
  3. Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn
  4. Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
  5. Aktionsbündnis No Moor Fracking
  6. Aktionsbündnis Stommelner Bürger „Leben ohne Braunkohle“ (LoB)
  7. Anti-Fracking-Arbeitskreis Nienburg
  8. Arbeitsgemeinschaft AtomErbe Neckarwestheim:
  9. Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD
  10. Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
  11. Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf
  12. Bayern Allianz für Atomausstieg und Klimaschutz (BAAK)
  13. BüfA Regensburg, Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien Regensburg
  14. Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Kreisgruppe Nienburg/Weser
  15. Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Ortsverband Karlsruhe
  16. Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Kreisgruppe Burgenlandkreis
  17. Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
  18. Bündnis AgiEL (AtomkraftgegnerInnen im Emsland)
  19. Bürgerinitative Bergrheinfeld
  20. Bürgerinitiative „Dicke Luft“, Herne
  21. Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“
  22. Bürgerinitiative A7 Stromtrasse NEIN
  23. Bürgerinitiative gegen den SüdOstLink Lützen
  24. Bürgerinitiative gegen Ethylenoxid – Keine Fertigung in Niederkassel
  25. Bürgerinitiative GegenGift Heilbronn/UnterLand
  26. Bürgerinitiative Müll und Umwelt Karlsruhe
  27. Bürgerinitiative Nachhaltige Zukunft Ebenung
  28. Bürgerinitiative Stop Klärschlammverbrennung, Witten
  29. Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) Braunschweig
  30. Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) Leese
  31. Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
  32. Bürgerinitiative Umweltschutz Offenburg, (BUO)
  33. Bürgerinitiative UNS-STINKTS, Gelsenkirchen / Herne
  34. Bürgerinitiative WAA NAA – BI gegen atomare Anlagen Weiden-Neustadt/WN 
  35. Elternverein Restrisiko Emsland
  36. Initiative AtomErbe Obrigheim
  37. Initiative für den sofortigen Atomausstieg (SOFA), Münster
  38. Interessengemeinschaft Ickten, Essen
  39. LAgAtom – Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom
  40. Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) Niedersachsen
  41. Natur- und Umweltschutzverein Gronau
  42. NaturFreunde Sachsen-Anhalt
  43. Parents For Future Hannover
  44. Schutzgemeinschaft gegen Mülldeponie, Heßheim
  45. Schutzgemeinschaft Hochwang
  46. Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB)
  47. Stop Fracking – Bürgerinitiative für sauberes Wasser, Witten
  48. Strahlenmessgruppe im Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar
  49. Umweltgruppe Wiedensahl
 Veröffentlicht von am 15. Mai 2020

Offener Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages

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Mai 122020
 

Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur
Sicherstellung ordnungsgemäßer Planungs- und Genehmigungsverfahren während der COVID-19-Pandemie 
(„Planungssicherstellungsgesetz“) Drucksache 19/18965

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, sehr geehrter Herr Abgeordneter,

unter größter Eile wurde von der Regierungskoalition der Gesetzentwurf zum Planungssicherstellungsgesetz erstellt und die übliche Verbändeanhörung dazu praktisch unmöglich gemacht, da nur ein Wochenende Zeit zugestanden wurde.

Wir von „Gegen Gasbohren“ haben die begründete Sorge, dass beider Anwendung der im Entwurf dargestellten Einschränkungen der Öffentlichkeitsbeteiligung, diese im Bereich der Erdöl- und Erdgas-förderung und -aufbereitung dazu benutzt werden könnten, Vorhaben mit nachteiligen, schädlichen Umweltauswirkungen im Eilverfahren zur Genehmigung zu bringen.

Kern der Bürger- und Verbändebeteiligung an den Verfahren ist der Erörterungstermin, bei dem erfahrungsgemäß immer Aspekte und 
Informationen auf den Tisch kommen und berücksichtigt werden, die sonst unbeachtet blieben.  Ein Wegfall des Erörterungstermins ist nicht akzeptabel. Eine Online-Konsultation kann den Erörterungstermin nicht ersetzen, weil der Austausch der Argumente im Diskurs nicht gleichwertig möglich ist. Und die im Gesetzentwurf aufgeführten Telefon- und Videokonferenzen stellen lediglich eine mündliche Variante der Online-Konsultation dar. Obendrein ist Deutschland, zu großen Teilen von der Internet-Ausstattung her, noch nicht in der Lage, solche VIDEO-Konferenzen mit vielen Teilnehmern zu organisieren undca. 15 % der Bevölkerung haben noch gar keinen Internet-Zugang.

Der im Gesetzesentwurf angeführte Zeitdruck wird unter anderem mit der COVID-19-bedingten Personalknappheit in den Ämtern und Behörden begründet, der diese Regelung notwendig mache. Die eingeschränkte Beteiligung der Öffentlichkeit, wie sie jetzt Gegenstand dieses Entwurfes ist, würde die solcherart erzwungene Zeitverzögerungder Bearbeitung bei großen Projekten und Vorhaben nicht aufholen können.

Da es sich bei diesem Gesetzesvorschlag um einen schwerwiegenden Eingriff in unser demokratisches Selbstverständnis handelt, ist es nicht richtig, unter dem „COVID-19-Titel“ diese Errungenschaft zu beschädigen.Denn damit wird die Teilnahme der Bürger an den Vorhaben beschnitten, die einen sehr bedeutenden Teil der demokratischen Teilhabe darstellt.

Wir plädieren dafür, dass solche Verfahren, bei denen ein Erörterungstermin stattfinden kann oder muss, bis zum Herbst 2020 ausgesetzt werden, bis sich die Situation bezüglich der herrschenden Pandemie entspannt hat. Diese wenigen Monate Verzögerung dürften zu ertragen sein. Deshalb bitten wir Sie dringendst, diesem Gesetzesvorhaben [1] Ihre Zustimmung zu verweigern.

Mit freundlichen Grüßen,
Volker Fritz
Mitglied im bundesweiten Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“

[1] https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/189/1918965.pdf

Unterzeichnende Bürgerinitiativen:

  • Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land
  • Berliner Wassertisch c/o GRÜNE LIGA Berlin e.V.
  • IG Gegen Gasbohren, Hamminkeln
  • Wir gegen fracking – BUND Lüneburg
  • BBU Bundesverband, Bonn
  • IG Schönes Lünne
  • BI gegen Gasbohren im Süd-/Brookmerland
  • Andy Gheorghiu Consulting
  • GENUK e.V., Hamburg
  • BI – LK Oldenburg 
  • BI Gesundheit Hemslingen/Söhlingen
  • BI Gemeinsam gegen Gas- und Probebohren am Niederrhein
  • BI Umweltschutz Uelzen
  • AG Erdgas-Erdöl-Fracking der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
  • FEBiD e.V., Templin
  • BI LangBÜRGnERsee, Bad Endorf
  • BI Gegen Gasbohren im Oberspreewald, Goyatz
  • AG Post Fossil, Kassel
  • BI „inofrack“ Inde-Rur 
  • BI Saubere Umwelt & Energie, Altmark
  • Gemeinnütziger Umweltschutzverein pro GRÜN e.V., Paderborn
  • Bezirkskonferenz Naturschutz Ostwestfalen (OWL)
  • Initiative gegen Gasbohren im Tecklenburger Land, Ibbenbüren 
  • BI Chiemgauer Seenplatte gegen Gasbohren, Rimsting
  • BI Gegen Gasbohren, Hamm
  • BI Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe/Brunsbüttel
  • BI Flecken Langwedel gegen Gasbohren
  • BI Rote Hand Thedinghausen/Achim
  • BI Gegen Gasbohren in Walle
  • BI Intschede Wesermarsch ohne Bohrtürme
  • BI No Fracking im Erdgasfeld Völkersen
  • Stop Fracking – Bürgerinitiative für sauberes Wasser, Witten 
  • Aktionsbündnis No Moor Fracking, Diepholz 
  • UBI Salzhausen
  • IG Breinermoor/Backemoor
  • Lausitzer Initiative gegen Rohstoffpiraterie, Neißeaue
  • IG Frackloses Gasbohren im Landkreis Rotenburg
  • BI Gegen Gasbohren Zehdenick-Templin-Gransee
  • BI Mensch und Umwelt Sulinger Land
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  • BIGG Drensteinfurt e. V.
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 Veröffentlicht von am 12. Mai 2020

BBU kritisiert Planungssicherstellungsgesetz der Bundesregierung – Genehmigungsverfahren aussetzen statt Beteiligungsrechte aushöhlen

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Mai 112020
 

Pressemeldung des BBU, Bonn, vom 29.04.2020 – mit freundlicher Genehmigung des BBU

(Bonn, Berlin, 29.04.2020) Auf deutliche Kritik des Bundesverbandes Bürgerinitiati­ven Umweltschutz e.V. (BBU) ist der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Planungssicherstellungsgesetz gestoßen. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise werden die Behörden geradezu gesetzlich ermutigt, Erörterungstermine in eine völ­lig wirkungslose Online-Konsultation umzuwandeln oder – je nach Gesetz – ganz entfallen zu lassen. Betroffen sind fast alle zentralen Bereiche des Umweltrechts, beispielsweise das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung, das Bundes-Immissionsschutzgesetz, das Kreislaufwirtschaftsgesetz und das Atomgesetz. Das Planungssicherstellungsgesetz soll bis zum 31. März 2021 gelten. Es soll am 15. Mai 2020 vom Bundesrat verabschiedet werden. Der BBU kritisiert, dass so im Wind­schatten der Corona-Krise umstrittene Großprojekte genehmigt werden können, ohne dass die Öffentlichkeit und die Umweltverbände wirksam Einfluss nehmen können. Der Umweltverband fordert stattdessen, Genehmigungsverfahren, in denen ein Erörterungstermin stattfinden kann oder muss, bis zum 30.9.2020 auszusetzen und nach einer dann aktuellen Lagebeurteilung über zukünftige Schritte zu ent­scheiden. Dies hat der BBU im Rahmen der Anhörung zum Gesetzentwurf dem Bundes-Umweltministerium mitgeteilt.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt hierzu: „Sicherlich ist es geboten, Maßnahmen zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie schnell zu ergreifen. Aber die Bundesregierung will die falschen Maßnahmen ergreifen. So soll es im Ermessen der Behörde liegen, ob eine Veröffentlichung von Antragsunterlagen im Internet statt einer Auslegung erfolgt. Zur Vermeidung von Kontakten hätte die Veröffentlichung im Internet stattdessen zusätzlich zur Auslegung, wenn sie erfolgt, verpflichtend festgelegt werden müssen. Und statt Genehmigungsverfahren auszusetzen, setzt die Bundesregierung unnötig zentrale Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit und der Umweltverbände aus. So stellt der Erörterungstermin das Herzstück umweltrechtlicher Verfahren dar. Nur im direkten Dialog zwischen Einwendern, Antragstellern und Behörden können wirksam Mängel eines Projekts aufgezeigt werden. Stattdessen sollen die Betroffenen faktisch zu Statisten werden. Die vorgesehene neue gesetzliche Bestimmung geht zu Lasten der Umwelt und des Schutzes der menschlichen Gesundheit.“

Weiter erklärt Oliver Kalusch: „Ein Aussetzen bis zum 30.9.2020 ist Behörden und Betreibern zuzumuten. So können in dieser Zeit Verfahren behandelt werden, für die auch bisher kein Erörterungstermin vorgesehen oder möglich ist. Und es würde den Behörden ermöglichen, sich in der Corona-Krise vorrangig um Aspekte des Arbeitsschutzes in den Betrieben zu kümmern. Zudem ist ein Aussetzen von weniger als fünf Monaten als eine Verzögerung anzusehen, die in Genehmigungsverfahren durchaus üblich ist.“

Die Stellungnahme des BBU ist hier direkt abrufbar.

 Veröffentlicht von am 11. Mai 2020

Methan-Leckagen bei der US-Erdgasförderung

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Apr 302020
 

Volker H.A. Fritz                          Wolfenbüttel, den 28.04.2020

Methan-Leckagen bei der US-Erdgasförderung im Permian Basin neu mit 3,7 Prozent ermittelt.

Grafik: pixabay


Einem Bericht in www.ecowatch.com zufolge sind in den USA Methanmessungen über den Fördergebieten im Rahmen einer gemeinsamen Studie der Havard University und des Environmental Defense Fund (EDF) per ESA-Satellit TROPOMI durchgeführt worden.
Sie führten zu unerwarteten Erkenntnissen:
Die Methanemissionen über dem Permian Basin wurden über 11 Monate 2018/2019 erfasst. Im Permian Basin wird ein Drittel des Erdöles und 10 Prozent des Erdgases der USA gefördert.
Der ermittelte Leckagewert vom geförderten Methan betrug 3,7 Prozent.
Das war der höchste über den USA gemessene Wert. Dieser Wert liegt mehr als zweimal höher als die Abschätzungen der EPA.

Prof. Howarth von der Cornell University gibt an, dass nach ihren neuesten Untersuchungen bei 2,7 Prozent Methanleckage das Erdgas schädlicher ist als Kohle.
Zur Klimaauswirkung des in der Region geförderten Erdgases wird festgehalten, dass sie dadurch fast verdreifacht wird, bezogen auf die letzten 20 Jahre.
Der Wechsel zum fossilen Brennstoff Erdgas als Brücke zu einer regenerativen Energieversorgung in der Zukunft erweist sich nachdrücklich als ein Irrweg. https://www.ecowatch.com/permian-basin-methane-emissions-2645852936.html
Es wird Schritt für Schritt deutlicher, woher denn die rätselhaften hohen Methananstiege in der Atmosphäre kommen können.
Die Gefährdung der Atmosphäre ist schon viel weiter fortgeschritten, als man das wahrhaben will – durch menschliches Handeln.


Volker Fritz
im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 30. April 2020

Bericht zum April 2020: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Apr 272020
 

Volker H.A. Fritz. Wolfenbüttel, den 24.04.2020

Berichtszeitraum 28.03.2020 bis 24.04.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme erneut drastisch ab – um fast 38% gegenüber dem Stand des Vormonats und liegt inzwischen unter dem Tiefststand nach dem Crash 2014 im Juni 2016 mit 497 Türmen im Einsatz.

248 Bohrtürme wurden im März stillgelegt, überwiegend für Öl. 291 Bohrtürme wurden im April stillgelegt, überwiegend für Öl. Damit wurden in den nur 2 Monaten 52% der nordamerikanischen Bohrkapazitäten stillgelegt.

Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun immer spürbarer zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern „abgesperrt“ leben müssen und zunehmend auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen. In der abgelaufenen Woche brach sogar kurzzeitig der Rohölpreis auf Basis WTI zusammen, wegen nicht absetzbarer, aber vertraglich georderter Rohölmengen. Der WTI-Preis in New York fiel erstmals in der Geschichte ins Minus und Verkäufer zahlten Abnehmern noch eine Prämie, wenn sie ihnen die Rohölmengen abnahmen, bis zu 25 USD/barrel. Das hat sich inzwischen wieder leicht erholt, heute lag WTI in New York bei 18 USD/barrel. Doch dieses Preisniveau ist mörderisch für die US-Förderindustrie und besonders für die teure Fracking-Ölförderung.

Weiterhin gilt abseits des Handelsplatzes New York: In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise liegen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Marktinformationen lauteten Ende März:

Sibirisches russisches Rohöl wird für 10 USD/barrel abgegeben, westkanadisches Auswahlöl fiel auf 6,45 USD/barrel und North Dakota Light Sweet wurde für 9,95 USD/barrel verkauft. Der Ölpreis ab Bohrung am 25.03. betrug in Wyoming 1,75 USD/barrel. Hinzu kommen 15 bis 30 USD/barrel Transportkosten, um es zu den Raffinerien zu bringen. Aus China verlautet: die chinesischen Inlandspreise sind unter 10 USD/barrel gefallen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. In wenigen Tagen werden weltweit alle Rohöllager restlos gefüllt sein, da die Kapazitäten nicht so schnell angepasst werden konnten. Es bleibt nur eine Lösung: die Weltproduktion an Rohöl muss der aktuellen Abnahme durch drastische Reduzierung folgen.

In Nordamerika entwickelt sich eine Katastrophe.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in den nächsten Wochen den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag.

Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel bleibt, werden viele dieser Unternehmen aufgeben müssen. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie keine Reserven mehr haben.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. In Kanada hat der Spezial-Spediteuer Mullen Group Ltd. mit Sitz in Calgary, der auch Ölfeld Logistik-Aufgaben und Schwerst-Transporte aller Art durchführt, im April 1.000 Mitarbeiter entlassen, um die Auswirkungen der CORONA -Pandemie abzufangen. Die Firma hatte im 1.Q 2020 noch einen Gewinn von 318 Mio Dollar ausgewiesen.

Und die Angst geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORANA- Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen. Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heisst, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. Es wird befürchtet, dass viele der Arbeiter die Bohr- und Förderplätze verlassen werden, um dieser Gefahr zu entgehen. In den USA haben sich inzwischen 22 Mio Beschäftigte arbeitslos gemeldet – in nur 5 Wochen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die nächsten Wochen werden das zeigen.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-

Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die immer deutlicher spürbare und sich von Tag zu Tag vergrößernde Zahl der Infizierten, deren Zunahme – nach landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen – noch immer ungebrochen ist. Mehr und mehr Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen.

Und die frühe erste teilweise Öffnung der Sperrmaßnahmen ab dem 25.04.2020 ist eine sehr riskante Aktion, denn das Ansteckungsrisiko steigt dadurch wieder. Fachwissenschaftler befürchten den Ausbruch einer zweiten „Welle“ größerer Ansteckungszahlen. Die nächsten 2 Wochen werden mit Spannung erwartet.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus von über 8% erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weiterer Infizierter verhindern soll. Die groß angelegten Hilfspakete der Regierung Merkel sollen die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige – aber auch für die Menschen mit Niedriglohn und Teilzeitarbeit – erträglicher gestalten. Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland wird im Jahresdurchschnitt auf 2,5 Mio Personen erwartet, in der Spitze über 3,0. Im Detail wird bei der Abwicklung der Hilfspakete mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Zu den Zahlen der Bohrtürme:

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um ca. 38% von der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 491 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel, am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 18,06 USD/barrel.

Die OPEC hat mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland vereinbart, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen. 10 Mio barrel/Tag Reduzierung kam dabei heraus.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weiß niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehreren Monaten gerechnet und erst für 2021/ 2022 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet, ausgehend von dem bis dahin erreichten, stark verminderten Niveau. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann es mehr als 5 Jahre dauern, ehe die Weltwirtschaft wieder einigermaßen „rund“ läuft. Wirtschaftskundler schätzen, dass der Einbruch stärker ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im April unterschiedlich, da Kanada bereits im März fast alle Ölbohrtürme stillgelegt hatte. Der Löwenanteil der Stilllegungen erfolgte in den USA.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahrgesamt im Einsatz in NordamerikaUSAKanadaUS Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17117895822046
31.10.17111591320251,94
15.11.17109088919254,27
15.12.17116893023856,64
19.01.18126193632563,72
16.02.18129397531860,74
13.04.181110100811766,74
15.06.181198105913966,6
14.09.181281105522670,3
09.11.181277108119661,59
14.12.181245107117451,2
18.01.191259105020952,32
15.02.191275105122453,34
15.03.191187102616158,34
12.04.19108810226664,47
10.05.1910519886361,99
12.07.19107595811760,27
13.09.19102088613455
11.10.19100285614654,6
08.11.1995781714056,39
06.12.1993779913856,32
03.01.208817968562,8
31.01.20103779024752,95
28.02.20103079024044,67
27.03.207827285421,6
24.04.204914652618,06

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika noch 387 Ölbohrtürme und 104 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(231), New Mexico(70), Louisiana (40), North Dakota(27), Pennsylvania(25), Oklahoma(20), Colorado(15), West Virginia(7), Wyoming (6) Utah(5) und Kalifornien(5).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und blieb seither immer unter 2 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er mit 1,815 USD/mmBtu notiert.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen. Die internationalen Bohraktivitäten nahmen leicht ab, um 26 Türme auf 1.059 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Eine weltweite Rezession gewaltigen Ausmaßes kommt auf uns alle zu, die erst nach einer längeren Wiederbelebungsphase Schritt für Schritt überwunden werden dürfte.

Wir alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 27. April 2020

Anschlag auf die Energiewende

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Apr 142020
 

Christfried Lenz: Beitrag im PV-Magazine vom 08.04.2020. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des PV-Magazines.)

Zum Interview Frank Farenski / Dr. Andreas Piepenbrink (Geschäftsführer E3/DC) zum „Barometer-Gutachten“ des BMWi.

Gigantische, revolutionäre Zerstörung der Energiewende und damit des Klimaschutzes“ resumiert Frank Farenski. Seinem Gespräch mit Andreas Piepenbrink, Geschäftsführer von E3/DC, ist zu entnehmen, dass mit dem „Barometer-Gutachten“ des Bundeswirtschaftsministeriums beabsichtigt wird, einer dem dezentralen Wesen der erneuerbaren Energien entsprechenden Struktur aus autonomen, in sich autarken, aber zusätzlich miteinander vernetzten Energiezellen den Riegel vorzuschieben. Die von Millionen klimaschutzengagierten Menschen über Jahrzehnte hin dezentral und demokratisch vorangetriebene Energiewende soll demnach zur Sackgasse erklärt werden. Die Schlüsselgewalt für das gesamte energetische Geschehen soll über ein allumfassendes Netz wieder in die Hände alter, vom Hunger nach Maximalprofit getriebener Konzerne gelangen.

Das Vorhaben ist nicht ganz neu. (siehe zum Beispiel den Artikel „Statt Spinnennetz gute Nachbarschaften“). Jetzt sollen offenbar Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Die Bundesregierung wählt hierfür einen Moment, in welchem ohnehin Änderungen am bisherigen System anstehen: Nach 20 Jahren EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) fallen nun Anlagen nach und nach aus der Förderung, und entgegen verbaler Hoffnungsmache seitens der Regierung bleibt der 52-Gigawatt-Photovoltaik-Deckel nach wie vor bestehen und wird demnächst erreicht. Danach gebaute Anlagen bis 750 Kilowatt erhalten dann keine staatlich garantierte Einspeisevergütung mehr.

Zum besseren Verständnis der nationalen Situation sollte allerdings auch die internationale Lage betrachtet werden. Diese ist geprägt von einer noch nicht dagewesenen Krise der fossilen Energie. Da die Vorräte an Öl und Gas nun mal nicht wachsen, sondern weniger werden, hat die einschlägige Industrie rabiate Techniken entwickelt, wodurch die Fördermengen zunächst erhalten und sogar vergrößert werden konnten. In den USA hat Fracking einen Gas- und Öl-Boom ausgelöst. Da die Technik sehr teuer ist, basierte dieser allerdings von Anfang an auf Krediten. Jetzt, wo die Öl- und Gaspreise extrem sinken, platzen die Schuldenblasen reihenweise. Die Sache hat eine völlig andere Dimension als die Immobilienblasen 2007.

Hans-Josef Fell schrieb dazu im Februar in „Die fossile Energiewirtschaft in der Krise – Kommt bald der große Crash?“: „Nun sind ein krisenanfälliger Ölmarkt und die Probleme der fossilen Energien für den Klimaschutz eine gute Nachricht. Doch steht zu befürchten, dass ein größerer Crash von Energieunternehmen auch die restliche Weltwirtschaft in eine Krise stürzen könnte.“ Und an anderer Stelle: „All dies zeigt: die Öl- und Erdgasbranche steckt ganz tief in der Krise und hofft, dass es keiner bemerkt.“

Diese Hoffnung wird nun – exakt getimed und mit schier unfassbarer Perfektion – erfüllt: Wenn der Tsunami aus Pleiten und Arbeitslosigkeit anrollt, wird Corona als Ursache dastehen und nicht die krisenhafte, Klima und Umwelt zerstörende fossile Energiewirtschaft.

Letztere bäumt sich auf, und in diesem Kontext ist auch das Vorhaben der Bundesregierung zu sehen. Den jahrzehntelangen Enthusiasmus klimaschützender, gemeinwohlorientierter und demokratisch gesonnener Menschen zugunsten rein aus Profitinteresse handelnder Oligarchen abzuwürgen, ist nicht nur hässlich und destruktiv, sondern hat auch etwas Verzweifeltes.

Andreas Piepenbrink bedauert, dass aus den Reihen der Energiewende-Akteure niemand „aufsteht“. Auch das ist aber nicht neu. Wir haben nämlich durchaus einen Anteil daran, dass die Regierungen die Deformation und Sinnverkehrung des ursprünglichen EEG durchziehen konnten:

  • Die Änderung des Wälzungsmechanismus der EEG-Umlage 2010, die es ermöglichte, die erneuerbaren Energien als Strompreistreiber zu diffamieren,
  • die „Sonnensteuer“ auf Eigenverbrauch,
  • die bösartigen, absurden, rein der Abschreckung dienenden bürokratischen Vorschriften –

dies und vieles mehr, das ab 2012 zum Verlust von 80.000 Arbeitsplätzen in der Photovoltaik-Branche in Deutschland führte, wurde von den Erneuerbaren-Verbänden und Firmen ohne nennenswerten Widerstand geschluckt.

Die Gründe hierfür scheinen mir darin zu liegen, dass Teile der Energiewende-Bewegung bis zum heutigen Tag nicht wirklich wahrnehmen, dass die Bundesregierung ganz klar auf der Seite der konventionellen Energiekonzerne steht und deren Partikularinteressen so weit unterstützt, wie es angesichts der nach wie vor stabilen Pro-Energiewende-Mehrheit in der Bevölkerung politisch irgend machbar ist. So findet man in Stellungnahmen immer wieder ein Bemühen, die Bundesregierung wohlmeinend beraten zu sollen, da ihr Fachwissen für die erneuerbaren Energien fehlen würde. Das ist naiv und lächerlich. Das Wissen, das die Bundesregierung braucht, um ihre Ziele zu verfolgen, nämlich die Unterstützung der konventionellen und die Beschränkung der erneuerbaren Energie, hat sie in hervorragendem Maße.

Auch bei Piepenbrink selbst gibt es noch die Tendenz, die Regierung auf Sinnwidrigkeiten hinzuweisen. So versteht er nicht, wie es sein kann, dass ein 10-jähriges Förderprogramm der Länder zur Speicherentwicklung, das eine Menge Geld gekostet hat, im Fall des Bestehenbleibens des 52-Gigawatt-Deckels zu Makulatur wird. Klar, die Speicher sind den Konventionellen der unangenehmste Dorn im Auge. Denn wenn es genügend Speicher gibt, hat das letzte Stündlein der fossilen Energie unwiderruflich geschlagen. Und für Maßnahmen, die dies verhindern, setzt man mit dem größten Vergnügen Millionen in den Sand.

Alle, denen es ernsthaft um Klimaschutz und Energiewende geht, sollten wirklich begreifen, dass die herrschende Politik nicht unfähig, sondern Gegner der Energiewende ist – und zwar ein hoch potenter Gegner. Durch ihre Gesetzgebung arbeitet diese Politik in raffinierter und oft nicht leicht durchschaubarer Weise gegen Klimaschutz und Energiewende.

Ich kann nur aufrufen, uns unabhängig von der Politik mit unseren Nachbarn zusammenzutun, Solarmodule und Batteriespeicher zu kaufen und uns gemeinsam mit Sonnenstrom zu versorgen – und zwar ohne irgendjemanden um Erlaubnis zu fragen! Wenn wir einen Kühlschrank kaufen und benutzen wollen, fragen wir auch nicht um Erlaubnis.

Die Erneuerbaren samt Speicherung und Sektorenkopplung sind inzwischen so weit, dass wir anfangen können, uns durch sie zu 100 Prozent zu versorgen. Nicht mit einem Schlag und noch nicht überall, aber wir müssen und können damit jetzt anfangen. “E3/DC bräuchte ja theoretisch gar keine Einspeisevergütung. Was wir aber bräuchten, sind einfache Regulierungen“ sagt Andreas Piepenbrink.

Diese einfachen Regulierungen finden sich in der Erneuerbaren-Richtlinie der EU. Da erwartet werden muss, dass die Richtlinie bei der Umsetzung in deutsches Recht deformiert wird, liegt es nahe, ihren Geist und ihre Absichten jetzt schon praktisch anzuwenden – in Verantwortung für unser aller Zukunft..

Wir haben Neuland zu erkunden. Mut und ein gewisser Pioniergeist können da hilfreich sein. – Ja, es geht nicht nur gegen die bösen Konzerne, wir selber sind auch Gewohnheitstiere, die sich voraussichtlich total neuen Erfahrungen stellen müssen!

Diesbezüglich hat nun die Corona-Geschichte einen durchaus positiven Aspekt: Sie veranlasst uns, schon mal auszuprobieren, wie es ist, aus einer ganzen Reihe von Gewohnheiten auszusteigen. – Und eigentlich klappt es doch gar nicht so schlecht.

Christfried Lenz.

 Veröffentlicht von am 14. April 2020

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika – Bericht zum März 2020

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Mrz 292020
 

Berichtszeitraum 29.02.2020 bis 27.03.2020

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch ab – um fast 25% in nur einem Monat!!

248 Bohrtürme wurden insgesamt stillgelegt, überwiegend für Öl. Der durch den Ölpreiskrieg der Saudis und der Russen gegen die USA ausgelöste Preisverfall wird nun mehr und mehr zusätzlich überlagert durch die Nachfrageausfälle der über 2 Mrd Menschen weltweit, die wegen der CORONA-Pandemie inzwischen nicht mehr ihr gewohntes Leben und Arbeiten fortsetzen können, sondern „abgesperrt“ leben müssen und zunehmend auch nicht mehr zur Arbeit gehen können, da ihre Unternehmen Zwangspausen einlegen müssen.

So wirken sich die Niedrigpreispolitik der Saudis und der Russen und der Nachfrageausfall mehrerer sehr großer Volkswirtschaften geradezu verheerend aus und der Rohölpreis WTI wurde heute – nach noch 47,50 USD/barrel am 03.03.20 – mit 21,60 USD/barrel gehandelt. In Nordamerika und auch anderwärts sieht es noch viel schlechter aus, weil ein großer Teil des Handels direkt beim Förderer abgeschlossen wird und diese Preise liegen noch deutlich unter WTI-Niveau.

Marktinformationen lauteten heute: Sibirisches russisches Rohöl wird für 10 USD/barrel abgegeben, westkanadisches Auswahlöl fiel auf 6,45 USD/barrel und North Dakota Light Sweet wurde für 9,95 USD/barrel verkauft. Der Ölpreis ab Bohrung in dieser Woche betrug in Wyoming 1,75 USD/barrel. Hinzu kommen 15 bis 30 USD/barrel Transportkosten, um es zu den Raffinerien zu bringen. Aus China verlautet: die chinesischen Inlandspreise sind unter 10 USD/barrel gefallen.

Der derzeitige Weltbedarf an Rohöl liegt gut 20% unter der globalen Fördermenge. Das Fördervolumen muss dem angepasst werden. In wenigen Wochen werden weltweit alle Rohöllager restlos gefüllt sein. Es bleibt nur eine Lösung: die Weltproduktion an Rohöl muss der aktuellen Abnahme durch Reduzierung folgen.

In Nordamerika bahnt sich eine Katastrophe an.

Viele der mittleren und kleinen Unternehmen mit Förderung können zu den derzeitigen Preisen nicht mehr kostendeckend fördern und werden in den nächsten Wochen den Betrieb einstellen. In Kanada haben die großen Ölsand-Verarbeiter begonnen, ihre Produktion herunter zu fahren und lassen Pläne für neue und erweiterte Produktionen in der Schublade. Sie können bei diesen Preisen nicht mehr mit Kostendeckung arbeiten. Seit 35 Jahren haben nicht so viele Förderbohrungen in Nordamerika still gestanden, wie gerade jetzt.

Im Permian und Anadarko Basin in den USA gibt es 400.000 Pferdekopfpumpen-Förderbohrungen, die von meist kleineren Familienunternehmen betrieben werden. Sie beschäftigen bisher ca. 143.000 Arbeiter, die ihre Anlagen betreiben und warten und sie fördern bisher zusammen ca. 850.000 barrels/Tag. Davon könnten in Kürze ca. 500.000 barrels wegfallen und ca. 100.000 Arbeitsplätze, meist in ländlichen Gebieten. Das birgt jede Menge Sprengstoff für die Nachwahl von Präsident Trump. Wenn der WTI-Preis in New York unter 24.-USD/barrel liegt, machen viele dieser Unternehmen Verluste. Sie befürchten das Schlimmste. Nach dem letzten „Schock“, dem Einbruch der Ölpreise nach 2014, sind die meisten dieser Unternehmen so geschwächt, dass sie aufgeben werden müssen.

Und auch die Zulieferer-Industrie hat mit der Reduzierung angefangen: Der Rohrhersteller Tenavis SA kündigte 223 Mitarbeitern in seinem Werk in Houston. Halliburton beurlaubte in seiner Stammfirma in Houston zunächst 3.500 Beschäftigte. Und die Angst geht in den Ölcamps in den USA und in Kanada um, dass die CORANA-Pandemie auch dort einschlagen wird, zumal die Container-Wohnanlagen ein Leben auf engem Raum und in körperlicher Nähe der Bewohner zu einander bedingen.

Wird einer der Mitbewohner infiziert, ist es unausbleiblich, dass alle anderen auch erkranken. Und die Menschen auf den Bohr- und Förderplätzen, die meist weitab von Städten angelegt sind, wissen aus Erfahrung, was es heißt, dort ernsthaft krank zu werden. Es ist dann nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben ernsthaft bedroht. Es wird befürchtet, dass viele der Arbeiter die Bohr- und Förderplätze verlassen werden, um dieser Gefahr zu entgehen.

Wenn auch in China so getan wird, als sei die CORONA-Pandemie so gut wie überwunden, ist es doch so, dass mit der Wiederaufnahme der Aktivitäten der Industrie und der Wirtschaft auch bisher unbekannte Infektionsträger wieder „unters Volk“ gelangen und eine zweite Welle auslösen können. Die nächsten Wochen werden das zeigen.

Der Schaden der Weltwirtschaft durch CORONA ist gewaltig und im Moment kaum abschätzbar, zumal die USA ja gerade erst am Anfang der größeren Ausbreitung stehen und zumal das US-Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine solche Pandemie vorbereitet ist. Diese Volkswirtschaft wird monatelang lahm gelegt werden und ihre Haupt-Handelspartner, wie zum Beispiel Deutschland, werden von den Nachfrageausfällen getroffen werden.

Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Hinzu kommt die immer deutlicher spürbare und sich von Tag zu Tag vergrößernde Zahl der Infizierten, deren Zunahme – nach landesweiten Isolier- und Sperrmaßnahmen – noch immer ungebrochen ist. Mehr und mehr Unternehmen haben die Produktion eingestellt, um ihre Mitarbeiter zu schonen.

Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen mit einem deutlichen Minus erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen in Deutschland tragen ebenso dazu bei, wie die praktisch als Zusammenbruch des Luftverkehrs wirkende Reise- und Einreisesperre, die das Einschleppen weitere Infizierter verhindern soll. Das groß angelegte Hilfspaket der Regierung Merkel soll die Belastungen aus der Situation für Großunternehmen, für den Mittelstand und für kleine Selbständige erträglicher gestalten. Doch im Detail wird bei der Abwicklung mancher Haken vermutet, der kostbare Zeit verschlingen wird. Pleiten sind vorprogrammiert und viele, viele Arbeitslose.

Doch nun zu den Zahlen der Bohrtürme

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 40% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin mit 782 weit unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 21,60 USD/barrel. Die OPEC wird mit verstärkten Förderkürzungen und neuen Verhandlungen mit Russland versuchen, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Inzwischen wird mit einer Dauer von mehrerenm Monaten gerechnet und erst für 2021 wird eine deutliche wirtschaftliche internationale Belebung erwartet. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann sich daraus eine Weltwirtschaftskrise entwickeln, die noch gravierender ausfallen kann, als die in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im März unterschiedlich, aus Kanada wurden die weitaus meisten der stillgelegten Ölbohrtürme gemeldet.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis März 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
12.07.19 1075 958 117 60,27
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95
28.02.20 1030 790 240 44,67
27.03.20 782 728 54 21,6

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 642 Ölbohrtürme und 138 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(368), New Mexico(109), Louisiana (44), North Dakota(48), Oklahoma(39), Pennsylvania(24), Wyoming (19), Colorado(19), West Virginia(15), Kalifornien (12), u. Ohio( 9).

Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt die Entwicklung zu geringerem Energieverbrauch wider. Am 07.06.2019 lag der Preis bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Ende Februar wurde er bei 1,75 USD/mmBtu notiert und fiel im März noch weiter ab auf zuletzt 1,637 USD/mmBtu.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mmBtu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA – und in der Folge auch beim Erdgas zu noch größeren Verlustabschlüssen führen.

Die internationalen Bohraktivitäten nahmen leicht zu, um 7 Türme auf 1.085 Bohrtürme.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung sind durch die weltweite CORONA-Virus-Pandemie und den Preiskampf Saudi/Russland gegen die USA hinfällig geworden. Alle müssen diese Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

 Veröffentlicht von am 29. März 2020

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika – Bericht Februar 2020

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Mrz 032020
 

Berichtszeitraum 01.02.2020 bis 28.02.2020

Volker Fritz (im AK Fracking Braunschweiger Land) – 29.02.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme wieder leicht ab, um 7 Stück nach umfangreichem Aufbau im Januar. Jetzt, in der Nachschau, gehe ich davon aus, dass es sich um den Einfluss des Jahreswechsels gehandelt hat und nicht um den Beginn einer neuen Entwicklung.

Die unerwartete Erschütterung des chinesischen Wirtschaftsraumes durch die Epidemie des CORONA-Virus, die in den letzten Wochen auch andere Bereiche des Globus erreicht hat, wirbelt die Weltwirtschaft inzwischen genauso durch einander, wie die Immobilienkrise 2007. Die Börsenwerte des DOW JOMES in New York und des DAX in Frankfurt verloren in der abgelaufenen Woche 13% an Wert. Und ein Ende dieser Entwicklung ist noch lange nicht abzusehen. Deutschland – als sehr stark exportorientiertes Land – ist einerseits über Zulieferketten weltweit vernetzt und hängt andererseits von den internationalen Käufern ab, die unter diesen Bedingungen zurückhaltend sind. Die entsprechenden Folgen haben bereits zu wirken begonnen. Das Wirtschaftswachstum in 2020 wird inzwischen eher mit einem deutlichen Minus erwartet. Die Absagen wichtiger international ausgerichteter Messen und Tagungen tragen ebenso dazu bei, wie die starken Rückgänge bei Flügen und Kreuzfahrtbuchungen. Auch an den Energiepreisen spiegelt sich diese breite „Verlangsamung“ wider. Am 28.02. notierte Texanisches Rohöl WTI zu 44,67 USD/barrel nach einem Absturz von 53,37 zur Monatsmitte.

Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 25% unter der damaligen Gesamtbohrkapazität. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel und am 01.02. auf 52,95 USD/barrel. Zur Zeit liegen sie bei 44,67 USD/barrel. Die OPEC wird mit verstärkten Förderkürzungen versuchen, die Ölmenge der stark gefallenen internationalen Nachfrage anzupassen, um einen Preisabsturz des Rohöles zu begrenzen.

Das CORONA-Virus hat inzwischen auch Persien erreicht, wodurch andere Themen zunächst in den Hintergrund gedrängt werden dürften, so auch der Konflikt Persien-USA. Und in den USA ist es auch nicht besser, denn das Gesundheitssystem ist ausgeblutet und die Hygiene-Überwachung in Häfen und auf Flughäfen ist auf eine Epidemie wie CORONA nicht vorbereitet und nicht ausgerüstet. Die Kampfhähne haben also in den nächsten Wochen zu allererst mir sich selbst zu tun.

Prognosen der IEA zum Bedarf an Rohöl in 2020 sind allesamt Makulatur geworden und per heute weis niemand, wie lange wegen der CORONA-Epidemie die internationalen Einschränkungen des Reise-, Waren- und Güterverkehrs in 2020 aufrecht erhalten werden müssen. Wenn alles negativ zusammen kommt, kann sich daraus eine Weltwirtschaftskrise wie in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickeln.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Februar etwa gleich.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Februar 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95
28.02.20 1030 790 240 44,67

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 842 Ölbohrtürme und 188 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(400), New Mexico(115), Louisiana (50), North Dakota(52), Oklahoma(48), Wyoming (23), Pennsylvania(24), Colorado(21), Kalifornien (13), West Virginia(14) u. Ohio(11).

Den etwa 25%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er bei 1,75 USD/mmBtu notiert, unter dem Einfluss der gefallenen Rohölpreise.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruinöses“ Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im „Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen. Aber auch der internationale LNG-Absatz wird drastisch sinken und zu Preisnachlässen bei LNG aus den USA führen.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich leicht um 26 Türme. 1.078 Bohrtürme werden weltweit im Januar/Februar im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 sind durch die weltweite CORONA-Virus-Epidemie hinfällig geworden. Alle müssen die Krise erst einmal durchstehen, dann die Neuorientierung beginnen und danach den internationalen, vernetzten Wirtschaftskreislauf wieder beleben.

Mit einem Anstieg der Rohölpreise über 50 USD/barrel ist daher in der ersten Jahreshälfte 2020 eher nicht zu rechnen.

 Veröffentlicht von am 3. März 2020

Bericht: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung

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Feb 152020
 
Foto: pixabay

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 01.02.2020

Bericht zum Januar 2020 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika
Berichtszeitraum 04.01.2020 bis 31.01.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme drastisch wieder zu, um 156 Stück nach umfangreichem Abbau – zuletzt um 56 Stück im Dezember 2019.
Das sieht nach einer neuen Entwicklung aus.
Nach dem derzeitigen Zahlenbild liegt die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 25 Prozent unter der damaligen Gesamtbohrkapazität.

Die starke Januar-Zunahme ergibt sich hauptsächlich durch die Wiederinbetriebnahme von 130 Ölbohrtürmen und 32 Gasbohrtürmen in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 790 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiterhin deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.
Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel, am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel und am 04.01.20 notieren sie bei 62,80 USD/barrel. Derzeit sind sie auf 52,95 USD/barrel gesunken.

Die befürchtete größere Auseinandersetzung zwischen den USA und Persien, sowie deren Kampfgruppen außerhalb Persiens ist nach dem 03.01.2020 und der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani bisher ausgeblieben.
Die persische Führung hat sich mit dem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran, die von Teheran aus gestartet war, in eine Lage gebracht, die sie vorsichtiger agieren lässt.
Die internationalen Ölmärkte haben sich daraufhin wieder entspannt, mit der Folge sinkender Rohölpreise.
Die von der OPEC im Dezember beschlossene drastische Förderkürzung zur Stabilisierung der Rohölpreise zeigt bisher noch keine Wirkung.

Allerdings reicht die beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA auch nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird. Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte.
Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA und Kanada die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Januar unterschiedlich, wobei in Kanada, mit der starken Wiederinbetriebnahme der Ölfördertürme, weit über die Dezember-Stillegungen hinaus, eine Trendwende erfolgt ist.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März 2019 bis Januar 2020:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8
31.01.20 1037 790 247 52,95

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 832 Ölbohrtürme und 202 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (395), New Mexico (109), Louisiana (52), North Dakota (52), Oklahoma (53), Wyoming (23), Pennsylvania (25), Colorado (22), Kalifornien (14), West Virginia (15) und (11).

Den etwa 25-prozentigen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und am 04.01.2020 bei 2,130 USD/mmBtu. Zur Zeit wird er bei 1,841 USD/mmBtu notiert, wo doch im Norden und Nordosten der USA ein winterlich erhöhter Bedarf besteht.

Das bedeutet zunächst weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee.
Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Die internationalen Bohraktivitäten belebten sich leicht um 8 Türme. 1.104 Bohrtürme werden weltweit im Dezember/Januar im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.
Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Persien Aktivitäten entwickeln wird, um den USA auf den verschiedensten Gebieten zu schaden. Das kann zur Folge haben, dass auch die Länder der EU in diesem Konflikt Stellung beziehen müssen, was sie bisher wachsweich vermieden haben.

Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden, denn er hat sich großsprecherisch als „Friedenspräsident“ gegenüber seinen Stammwählern vorgestellt, der „unsere amerikanischen Jungs“ nach Hause holt. Nun muss er auch liefern.
Doch Trump hat wiederholt dem Iran gedroht und Stimmung gemacht.
Wegen der Botschaftsbedrohung in Bagdad hat Trump zusätzlich Tausende US-Soldaten in den Nahen Osten und nach Saudi-Arabien verlegen lassen, um die US-Präsenz wieder zu verstärken.
Nun hat Trump mit der Tötung des Generals agiert und damit zugleich seine Position in dem Konflikt entscheidend geschwächt, denn gegen 80 Millionen Iraner kann er einen offenen Krieg kaum mit einfachen Mitteln gewinnen.

Die Infektionswelle in China mit dem Corana-Virus und die drastischen Gegenmassnahmen der Zentralregierung in Peking führen zu einem Rückgang der Wirtschaftsentwicklung, zunächst in China, aber wohl zu erwarten auch weltweit.
Dadurch wird der Rohölbedarf – zunächst des Großabnehmers China, doch dann auch anderer Länder – zurückgehen oder zumindest stagnieren.
Mit einem Anstieg der Rohölpreise ist daher in der ersten Jahreshälfte 2020 eher nicht zu rechnen.

Volker Fritz
im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 15. Februar 2020

Jetzt mitmachen – Aktion gegen die Förderung von Gasprojekten mit EU-Geld

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Feb 082020
 

Die Europäische Union hat sich – zu Recht – sehr ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt.1
Darüber hinaus hat das Europäische Parlament Ende 2019 den Klimanotstand ausgerufen. 2
Der „Grüne Deal“ und das „Europäische Klimagesetz“ sollen ebenfalls bald vorgestellt werden.3

Von einigen Seiten wird fossiles Gas in der Debatte um Klimaschutz und Energiewende als klimafreundlicher und grüner Energieträger oder als Brücke zu den erneuerbaren Energien bezeichnet. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind jedoch eindeutig und weisen nachdrücklich daraufhin, dass fossiles Gas massiv zur Klimaerwärmung beiträgt und die Klimabilanz im gesamten Lebenszyklus genauso schlecht wie die von Kohle ist.4

Im Zeitraum 10 – 13 Februar wird das Europäische Parlament erneut über die Liste der „Vorhaben im gemeinsamen Interesse“5 (Englisch: Projects of Common Interest, abgekürzt PCI) abstimmen. Diese Vorhaben sollen zur Verwirklichung der energie- und klimapolitischen Ziele der EU beitragen, d. h. eine Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger mit nachhaltiger Energie sowie die langfristige Umstellung auf eine Wirtschaft mit geringen CO2-Emissionen gemäß dem Übereinkommen von Paris garantieren.6

Ohne die Erfüllung dieser Vorgaben dürfen Projekte nicht auf die PCI-Liste gesetzt werden und damit grundsätzlichen Anspruch auf öffentliche Fördermittel und beschleunigte Umweltverträglichkeitsprüfungsvefahren erhalten.

Während der Sitzung des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie am 17.10.2019 gab der stellvertretende Generaldirektor DG ENER Klaus-Dieter Borchardt zu, dass die EU Kommission – entgegen den eigenen Vorgaben – niemals eine Klimaverträglichkeitsprüfung für die fossilen Gasprojekte auf der Liste durchgeführt habe.7

Eine aktuelle Studie zur vierten PCI-Liste verdeutlicht, dass Europa keine neue Gasinfrastruktur braucht, um die Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten. Der Bericht warnt eindringlich vor dem berechtigten Risiko, dass bis zu 29 Milliarden Euro für die unnötigen Gasprojekte auf der aktuellen Liste verschwendet werden könnten.8

Die Förderung des Ausbaus bzw. des Neubaus von Gasinfrastruktur mit einer Lebenszeit von 30 – 50 Jahren mit öffentlichen Mitteln bzw. rechtliche Ausnahmen zur Reduzierung oder Befreiung von der Steuerlast riskiert das Kreieren von Lock-In-Effekten über Zeitpunkt der vollständig benötigten Dekarbonisierung hinaus bzw. generiert „Investitionsruinen“ mit der möglichen Folge einer neuen Finanzkrise. Der Ausbau von zusätzlichen Infrastrukturen für Gas (wie z.B. Pipelines oder LNG-Terminals) und den Gebrauch von Gas als Rohstoff für die petrochemische Industrie muss verhindert werden, um das Entstehen von Lock-In-Effekten bei der Nutzung fossiler Energieträger zu vermeiden.

1 https://ec.europa.eu/clima/policies/strategies/2030_de
2 https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20191121IPR67110/europaisches-parlament-ruft-klimanotstand-aus
3 https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20191203IPR68087/green-deal-fur-europa-reaktionen-des-europaparlaments
4 https://www.research.manchester.ac.uk/portal/en/publications/natural-gas-and-climate-change(c82adf1f-17fd-4842-abeb-f16c4ab83605).html / http://www.howarthlab.org/ https://theicct.org/sites/default/files/publications/Climate_implications_LNG_marinefuel_01282020.pdf
5 https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Allgemeines/DieBundesnetzagentur/Internationales/Energie/PCI/pci.html
6 https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:bEsRh9dLmj8J:https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/de/memo_17_4708/MEMO_17_4708_DE.pdf+&cd=3&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-b-d
7 https://www.youtube.com/watch?v=hQqF_YtNQ1w&feature=youtu.be
8 https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/milliardenausgaben-fuer-unnoetige-gasprojekte/

https://www.foodandwatereurope.org/wp-content/uploads/2019/10/CSO-letter-PCI.pdf

Bürgerinitiativen warnten vor zu erwartenden Falsch-negativ-Werten

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Jan 302020
 

Pressemitteilung, 13.01.2020

Anlässlich der Veranstaltung zur HBM-Studie[1] in der SG Bothel – Bürgerinitiativen warnten rechtzeitig vor zu erwartenden Falsch-negativ-Werten 

Am Tag der Veröffentlichung der HBM-Studie titelte die Presse ungefähr gleich: „Studie ergibt keine erhöhten Benzol- und Quecksilberbelastungen für Bevölkerung in der Nähe von Erdgasförderanlagen“ (hier Uelzener Presse). Dies ist eine interpretierbare Aussage. Zwar mag die Studie dies ergeben haben, die entscheidende Frage wird aber nicht gestellt: hat aber das Studiendesign überhaupt die notwendigen Voraussetzungen mitgebracht, eine solche Aussage zu treffen?

Zwei Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme und das Gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke“, GENUK e.V., haben sich bereits seit Vorlage eines ersten Ausschreibungsentwurfs im Sommer 2017 zu einer anderen Aussage durchgerungen: „Nach reiflicher Überlegung müssen wir angesichts der derzeitig noch völlig unbekannten Expositionslage[…]die zu erwartende Aussagekraft der geplanten HBM-Studie erheblich in Frage stellen und befürworten deshalb zum derzeitigen Zeitpunkt eine solche Maßnahme unter dem vorgesehenen Studiendesign – auch angesichts des Kosten-Nutzen-Verhältnisses – nicht. Die sehr kostenaufwändige Untersuchung birgt in sich die hohe Gefahr von falsch negativen Werten.“[2]

„Es geht uns nicht um ein ohnehin bitteres Gefühl, Recht behalten zu haben“ sagt Kathrin Otte, Vorsitzende von GENUK. „Im 6. Jahr seit Feststellung der signifikant – und möglicherweise auch weiterhin – erhöhten Krebsraten im Landkreis Rotenburg/Wümme betrachten wir die Aufklärung als vor die Wand gefahren.“ Das jahrelange Bitten um eine komplette epidemiologische Fall-Kontrollstudie von Seiten der 210 Rotenburger Ärzt*innen, Bürgerinitiativen und GENUK ist komplett ignoriert worden. Dabei hat die Botheler Bevölkerungsbefragung und die LMU-Studie durchaus Ergebnisse produziert, die die Gasförderanlagen in einen engeren Ursachenzusammenhang gebracht haben. „Das Problem ist, dass die Landesbehörden sich seit 2014 weigern zu erklären, wann ausreichend Hinweise eingegangen sind, um politische Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vorzunehmen. Dabei wird dies vom Vorsorgeprinzip eindeutig vorgesehen, und zwar noch bevor die Ursache festgestellt wurde“, so Otte weiter.

Argumente, das wissenschaftliche Design zu hinterfragen gibt es viele. Darunter: ORSA-Röhrchen sind nicht sensibel genug. In toxikologischen Instituten werden Röhrchen mit Absorbentien verwandt, wie zum Beispiel Tenax. Die schnelle Verflüchtigung von Benzol im Organismus lässt eine direkte Bestimmung im Blut nur wenige Stunden nach Exposition zu. Kurz ist auch die Zeit, in der Benzol-Metaboliten nachweisbar sind – weshalb Toxikologen heute über  Monate nachweisbare Hämoglobinaddukte, wie bei der Epichlorhydrin-Katastrophe in Bad Münder verwenden. Selbst in der Human Monitoring Kommission (siehe Homepage Umweltbundesamt) wurde eine 24-Stunden-Urinsammlung zur Feststellung einer tatsächlichen Körperbelastung mit deponierten Schwermetallen wie Quecksilber für unsinnig erachtet. Auf eine saubere Abstandsstatistik von Expositionsquelle zu Probanden zu verzichten ist aus unserer Sicht ebenfalls ein Fehler.

Über die Jahre seit 2014 hat die Landesregierung doch weitaus weniger als 1.000.000 € in die Aufklärung chemisch bedingter Körperverletzung mit Todesfolge investiert. Die epidemiologischen Studienansätze müssen aufgrund der verfestigten Hinweise weitergeführt werden und dabei darf die Zurückhaltung von Geldern absolut kein Argument sein.

Kathrin Otte, GENUK e.V., Gemeinnütziges Netzwerk für Umweltkranke, www.genuk-ev.de, vorstand@genuk-ev.de


[1] Human-Biomonitoring (HBM) in der Allgemeinbevölkerung in der Nachbarschaft von Anlagen der Kohlenwasserstoff-Förderung in Niedersachsen

[2] Stellungnahme von zivilgesellschaftlicher Seite zu dem Entwurf einer Leistungsbeschreibung für die

Ausschreibung einer „Studie Human-Biomonitoring (HBM) in der Allgemeinbevölkerung in der Nachbarschaft von Anlagen der Kohlenwasserstoff-Förderung“ vom 18.08.2017, siehe Anlage zur PM

 Veröffentlicht von am 30. Januar 2020

Wendland und Altmark im Schulterschluss gegen Öl- und Gasbohrungen!

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Jan 242020
 

Gemeinsame Pressemitteilung

Die AG Erdgas-Erdöl-Fracking der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (www.erdgas-erdoel-fracking-wendland.de),
die BI Saubere Umwelt & Energie Altmark (bi-altmark.sunject.com) und
die BUND-Kreisgruppe Salzwedel

laden gemeinsam ein zur öffentlichen Veranstaltung

Bergämter ermöglichen weitere Suche nach Kohlenwasserstoffen im Wendland und in der Altmark

Dienstag 28.1.2020,19 Uhr Dorfkrug Rondeler Str. 2, D-29491 Prezelle

Die sich in letzter Zeit häufenden Havarien bei der Öl- und Gasförderung halten die Bergämter nicht davon ab, neuen Umweltzerstörungen und hren Gesundheitsfolgen Tür und Tor zu öffnen.

Während auf Regierungsebene von „Klimaschutz“ schwadroniert wird, sorgen die Bergämter für die Eröffnung neuer Treibhausgasquellen.

Im Juli 2019 erteilte das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) des Landes Sachsen-Anhalt der Mainzer Firma Geo Exploration Technologies (GET) die Aufsuchungserlaubnis Thielbeer für Öl und Gas rund um den Arendsee. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) verlängerte der GET im Dezember 2019 die direkt nördlich angrenzende Aufsuchungserlaubnis Prezelle.

Die GET beabsichtigt, in den nächsten drei Jahren zwischen Lemgow und Schnackenburg eine Erdölbohrung abzuteufen. Bereits im Jahr 2019 wollte diese Firma bohren, damals nahe Schletau in der Gemeinde Lemgow.  Durch die Weigerung aller Grundbesitzer in Schletau und weiterer in umliegenden Dörfern, Grundstücke zur Verfügung zu stellen, wurde die GET ausgebremst.

„Die von der GET zwecks Beschwichtigung vorgebrachte Behauptung, dass in Naturschutzgebieten nicht gebohrt werden dürfe, ist unzutreffend“, klärt Ingenieur Bernd Ebeling auf. „Grundsätzlich ermöglicht das Berggesetz Öl- und Gasbohrungen leider auch in Naturschutzgebieten.“

Auf der Veranstaltung wird zu folgenden Themen referiert:

– Gefahren von Erdöl-/Erdgasbohrungen für Umwelt und Grundwasser, Berg- und Umweltrecht: Wasserwirtschaftsingenieur Bernd Ebeling.

– Warum fraglich ist, ob die Inhaberin der Aufsuchungserlaubnisse, die Firma GET, den Anforderungen des Bundesberggesetzes hinsichtlich Zuverlässigkeit und Finanzkraft genügt, wird  André Sandomeer aufzeigen.

– Über Motive, Formen und Ergebnisse des Widerstands gegen Gas- und Ölförderung in der Altmark wird der Sprecher der  BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“,  Dr. Christfried Lenz, berichten.

Abschließend wird aufgezeigt, wie z. B. Grundbesitzer und Gemeinden Bohrungen verhindern können.


Für Teilnehmer aus der Altmark hat der Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Salzwedel, Dr. Walter Jakel, einen kostenlosen Bus-Transfer organisiert mit folgenden Zustiegsmöglichkeiten:

  • 17:45 Uhr :  Gardelegen – Lidl Parkplatz
  • 18:00 Uhr :  Kakerbeck  – Gegenüber der Verkaufshalle
  • 18:05 Uhr :  Cheinitz – An der Kreuzung
  • 18:10 Uhr :  Winterfeld – An der Tankstelle
  • 18:20 Uhr :  Stappenbeck – Bushaltestelle
  • 18:30 Uhr :  Salzwedel – Parkplatz direkt am Finanzamt

Fahrtteilnehmer werden gebeten, sich bis zum 25.1.20 anzumelden über die Email-Adresse  drwajakel@online.de

Das Flugblatt (pdf) zur Veranstaltung mit weiteren Infomationen sowie Fotos mit Bildunterschrift (Fotograf: Bernd Ebeling) zur freien Verwendung.

 Veröffentlicht von am 24. Januar 2020

Die Sache mit dem „Blauen Wasserstoff“ und dem „Grünen Wasserstoff“

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Jan 142020
 

„Blauer Wasserstoff“ wird aus Erdgas durch Zerlegung gewonnen, wobei auch CO2 entsteht, das man dann im Untergrund speichern will, obwohl das bis heute nicht überzeugend gelungen ist. Wegen dieses Tricks bezeichnet die Erdgasindustrie ihren „Blauen Wasserstoff“ aus Erdgas „umweltfreundlich“.

In den USA wird CO2 aus Kohlekraftwerksabgasen abgetrennt und in Pipelines nach Texas geleitet zu den großen EOR-Ölförderfeldern und dort in den Boden gepresst, um das „Restöl“ älterer Ölvorkommen noch zu fördern. Man deklariert das als gelungene CO2-Speicherung, obwohl man weiß, dass mit dem heraufkommenden Rohöl das CO2 wieder an die Oberfläche kommt. Vor Norwegen wurde CO2 in ausgeförderte Erdgasbohrungen gepresst und Taucher haben über dem Verpressungsgebiet das Aufsteigen massiver Blasenschleier von CO2 vom Meeresgrund her beobachtet.

Das System „Blauer Wasserstoff“ ist eine Mogelpackung, welche die Erdgasindustrie natürlich zur Absatzsicherung nachhaltig propagandistisch fördert. Deshalb darf dieses System gar nicht erst in Gang gebracht werden. Die klimaschädlichen Methanemissionen, die auf der Strecke von der Förderung bis zur Zerlegung des Erdgases zur Gewinnung des Wasserstoffes anfallen, wirken schon vorweg belastend. Das gilt potenziert für Erdgas in der verflüssigten LNG-Form. Dann kommt noch das bei der Zerlegung anfallende CO2 hinzu.

„Grüner Wasserstoff“ entsteht, wenn mittels regenerativ erzeugten Stromes durch Elektrolyse Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Der so erzeugte Wasserstoff ist gut speicherbar und eine hervorragende Energiequelle. Der Ausbau und Aufbau der Industrie des „grünen Wasserstoffes“ muss mit größter Nachhaltigkeit und mit massivem Druck voran getrieben und fertig entwickelt werden, einhergehend mit der dezentralen Stromerzeugung in Deutschland. Die Speichertechniken, um ungenutzte Generatorstunden in Speicher-Energien umzuwandeln, müssen mit Hochdruck und mit Priorität Eins voran getrieben und praxisverwendbar gemacht werden.

Gleichzeitig müssen gesetzliche Regelungen her, die die Nutzung von Solar- und Windenergie im Privathaushalt erleichtern und fördern und so die Netze in Deutschland generell entlasten. Es geht heute eben nicht mehr darum, durch Monopolstrukturen den Kommunen und den Ländern und den Versorgungskonzernen satte Gewinne zu Lasten der Verbraucher zu sichern, sondern darum, zum Überleben – bei noch halbwegs akzeptablen Bedingungen – den fossilen Verbrauch massiv und sofort herunter zu fahren. Und das gilt natürlich nicht nur für die Strom- und Gasversorgung, sondern genau so für die Industrie, die Bahn, LkW-Verkehr, Pkw-Verkehr, Luftverkehr und Schifffahrt jeder Art.

Und – ebenso bedeutsam – ist die Reduzierung der Überproduktion in der Landwirtschaft mit den damit verbundenen Emissionen und Beeinträchtigungen. Das „immer höher, immer mehr, immer schneller“ hat unsere Erde an den Rand eines Zustandes gebracht, der für die meisten von uns Menschen künftig nicht mehr lebenswert sein würde, wenn wir jetzt nicht drastisch auf die Bremse treten.

LNG – in allen seinen Formen – ist eine der schlimmsten Umweltsünden im fossilen Bereich und ein absoluter Klimakiller durch Methanemissionen und hohen Energiebedarf zur Verflüssigung und für den Lager- und Transportaufwand. Dennoch sind die finanzstarken Internationalen Konzerne zur Zeit massiv dabei, die weltweiten LNG-Verflüssigungskapazitäten auszubauen und nach neuen Absatzmöglichkeiten für ihr LNG zu suchen.

So ist auch das Handeln des US-Präsidenten Trump zu verstehen, der mehr oder weniger in der Hand der großen US-Konzerne ist und sich für deren Forderungen nach außen stark macht ( z. B. Ostsee-Pipeline für Erdgas von Russland nach Deutschland). Dieses „schöne Geschäft“ wollen die US-Konzerne machen.

[S. ergänzend auf dieser Webseite den Beitrag „Blauer Wasserstoff„]

 Veröffentlicht von am 14. Januar 2020

Bericht zum Dezember 2019: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Jan 042020
 

Berichtszeitraum 07.12. 2019 bis 03.01.2020

Von unserem Redaktionsmitglied Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 04.01.2020

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter deutlich ab. Im Dezember reduzierte sich die Zahl der im Einsatz befindlichen Türme um weitere 56 Stück. Allerdings sind hier auch Ausstiegszeiten zum Jahresende mit enthalten, weil dann die Bohrfirmen gern ihre Anlagen generalüberholen oder generalchecken lassen. In wieweit dieser Einfluss in diesem Jahr von Bedeutung ist, wird sich an den Zahlen Ende Januar 2020 ablesen lassen. Dann werden generalüberholte Anlagen schon wieder im Einsatz sein. Nach dem derzeitigen Zahlenbild nahm die Gesamtzahl der eingesetzten Türme seit Februar 2018 um über 30% der Gesamtbohrkapazität ab.

Die Dezember-Abnahme ergab sich durch eine weitere Stilllegung von Ölbohrtürmen in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 796 und in Kanada auf 53 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlicher unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen. Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20. Am 08.11.2019 lagen sie bei 56,39 USD/barrel und notierten am 06.12.19 bei 56,32 USD/barrel. Derzeit notieren sie bei 62,80 USD/barrel.

Der Drohnen-Angriff der USA in der Nacht vom 02.auf den 03.01.2020 – auf Anordnung von Präsident Trump – führte zur Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani. Damit sind alle bisherigen Überlegungen zu einer möglichen Entwicklung in Nah- und Mittelost unter Einbindung des Irans Illusion geworden. Die Lage hat sich krisenhaft verschärft und die iranische politische Führung hat Vergeltung angekündigt. Bei unglücklichem weiterem Agieren des Präsidenten Trump ist ein Flächenbrand nicht auszuschließen, der für die USA sehr nachteilig werden kann, denn der Iran wird nicht in einem „klassischen“ Krieg gegen die USA antreten, sondern mit vielen Nadelstichen in vielen Gebieten der Erde aktiv werden.

Die OPEC hat am 06.12.19 eine drastische Kürzung der Ölförderung auf ihrer Sitzung beschlossen. 500.000 barrel/Tag sollen in den nächsten Monaten weniger produziert werden. Man will die Marktpreise nach oben stabilisieren. Nach Abschätzungen der IEA (Intern. EnergieAgentur) produziert die OPEC zur Zeit über dem internationalen Bedarf und das drückt die Ölpreise. Allerdings reicht die beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird.

Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte. Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im November unterschiedlich, wobei Kanada mit der starken Rücknahme seiner Ölfördertürme im Einsatz den Löwenanteil des Rückganges im Dezember verursachte.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März bis Dezember 2019:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32
03.01.20 881 796 85 62,8

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 697 Ölbohrtürme und 181 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(403), New Mexico(104), Louisiana (58), North Dakota(50), Oklahoma(51), Wyoming (25), Pennsylvania(24), Colorado(22), Kalifornien (14), West Virginia(16) u. Ohio(11).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Am 06.12. lag er bei 2,427 USD/mmBtu und wird zur Zeit bei 2,130 USD/mmBtu notiert, das bedeutet zunächst weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Davon profitiert nur das LNG-Geschäft mit Erdgas-Exporten nach Übersee. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Aber: der Mordanschlag auf den iranischen General birgt so viel politische Brisanz in sich, dass alle bisherigen Entwicklungen – besonders im Rohölmarkt – in nächster Zeit eine völlig andere Richtung und Dynamik entwickeln, als das bisher vorstellbar schien.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 34 Türme. 1.096 Bohrtürme werden weltweit im Dezember 2019 im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet. Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Persien Aktivitäten entwickeln wird, um den USA auf den verschiedensten Gebieten zu schaden. Das kann zur Folge haben, dass auch die Länder der EU in diesem Konflikt Stellung beziehen müssen, was sie bisher wachsweich vermieden haben.

Am 14.09.2019 erfolgte der Raketenangriff auf die größte der saudischen Raffinerien, der zu dem Ausfall von über 50% der saudischen Ölproduktion führte. Der Iran wird als Verursacher angesehen. Am 11.10.2019 erfolgte der „Zwischenfall“ im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und hat mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden, denn er hat sich großsprecherisch als „Friedenspräsident“ gegenüber seinen Stammwählern vorgestellt, der „unsere amerikanischen Jungs“ nach Hause holt. Nun muss er auch liefern. Doch Trump hat wiederholt dem Iran gedroht und Stimmung gemacht. Wegen der Botschaftsbedrohung in Bagdad hat Trump zusätzlich Tausende US-Soldaten in den Nahen Osten und nach Saudi-Arabien verlegen lassen, um die US-Präsenz wieder zu verstärken. Nun hat Trump am 02.01.2020 agiert und damit zugleich seine Position in dem Konflikt entscheidend geschwächt, denn gegen 80 Mio Iraner kann er einen offenen Krieg kaum mit einfachen Mitteln gewinnen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf die erste Chance, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 62,80 UDS/barrel für WTI-Öl zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt.

Volker Fritz im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 4. Januar 2020

Endet Weltklimagipfel im Fiasko?

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Dez 162019
 

In Madrid geht der Weltklimagipfel oder COP25 genannt langsam zu Ende. In einer anberaumten Verlängerung macht sich allenthalben Enttäuschung breit über das sich abzeichnende schlechte Resultat. Klimaaktivisten haben vor Ort eine Karre Mist entladen, um damit ihre Meinung über das Ergebnis der Verhandlungen kundzutun. Trotz aller Bemühungen konnte sich die Staatengemeinschaft nicht auf ein gemeinsammens Ziel und den Weg dorthin einigen, zu verschieden waren die nationalen Interessen. Greta Thunbergs Rede am 11. Dezember konnte nicht alle teilnehmenden Politiker zu entschlossenem Handeln aufrütteln. Im Gegenteil, Donald Trump empfahl ihr mal richtig zu entspannen und sich mit ihren Freunden einen Film anzuschauen, und Brasiliens  Präsident Bolsonaro bezeichnete sie gar (sinngemäß) als Gör. Auch aus dem deutschen Lager wehte ihr der Wind entgegen. Volker Bouffier (CDU) forderte von ihr mehr Respekt gegenüber den Politikern und nannte ihre Aussagen, dass zuwenig gegen den Klimawandel getan werde „grob falsch“. 


Greta Thunbergs Rede in Madrid im Originalton und mit Übersetzung:
https://truthout.org/video/greta-thunberg-slams-response-to-climate-crisis-at-

 Veröffentlicht von am 16. Dezember 2019

Rückzug der Wintershall Dea in Völkersen Z12

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Dez 142019
 
Teil 3
Rückzug der Wintershall Dea in Völkersen Z12

Der Protest der Bevölkerung in Völkersen war nicht vergeblich.
In einer PM teilte Wintershall Dea nun mit, dass man Neubohrungen in Völkersen/Völkersen Nord nicht weiter verfolgen werde. Bereits gestellt Anträge wolle man zurückziehen.

https://wintershalldea.de/de/newsroom/planung-fuer-neubohrung-voelkersen-z12-eingestellt

 Veröffentlicht von am 14. Dezember 2019

Resolution in Arendsee gegen Aufsuchungserlaubnis

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Dez 142019
 

Teil 2

Resolution der Versammlung vom 3.12.2019 in Arendsee gegen die Aufsuchungserlaubnis für das Gebiet „Thielbeer“, gerichtet an das Landesbergamt (LAGB), der Aufsuchungsfirma „Geo Exploration Technologies GmbH“ zur Kenntnis.

Sie haben erlaubt, dass im Umfeld des edelsten Platzes der Altmark, des Arendsees, mit seinem Luftkurort gleichen Namens nach Erdöl und Erdgas gesucht wird. Wenn die Suche fündig wird, werden Sie auch die Förderung von Öl und Gas erlauben.

Dass Sie dadurch der „Perle der Altmark“ den Glanz und die Luftkureigenschaft nehmen und den Menschen, die hier vom Tourismus leben, die Existenzgrundlage, interessiert Sie nicht. Sie sehen Ihren Daseinszweck ausschließlich darin, möglichst viel Öl und Gas fördern zu lassen.

Wir fordern Sie auf: Kommen Sie zur Besinnung!

Hier im Saal sind Kinder und Jugendliche, die erkennen, dass ihnen eine schlimme Zukunft bevorsteht, weil wir durch unsere ganze Wirtschaftsweise und insbesondere durch die Verbrennung fossiler Energieträger, die Lebensgrundlagen auf diesem Planeten zerstören. Zu Millionen gehen sie auf die Straße und schreien: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ 

Sie in den Bergämtern sind an diesem Diebstahl wesentlich beteiligt! Sie genehmigen die Förderung der fossilen Brennstoffe, die unter der Erde bleiben müssen, wenn die Menschheit eine Zukunft haben soll! Unbeeindruckt von den Beschlüssen der Weltgemeinschaft arbeiten Sie an entscheidender Stelle daran, die Temperatur der Erde weiter in die Höhe zu treiben. 

Nochmal und erst recht: Kommen Sie zur Besinnung! 

Ihr völlig abwegiges Ansinnen wurde hinter dem Rücken der betroffenen Gemeinden eingefädelt. Ziehen Sie Ihre Erlaubnis zurück! 

Sollten Sie hierzu nicht bereit sein, so kündigen wir an, dass wir uns der Zerstörung und Verschandelung unseres Lebensraumes durch eine nicht mehr zeitgemäße Industriebranche mit sämtlichen verfügbaren Mitteln widersetzen werden.

 Veröffentlicht von am 14. Dezember 2019

Neue Pläne der Erdöl- und Erdgas Industrie im Altmarkkreis Salzwedel

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Dez 142019
 
Grafik: pixabay

Teil 1

Neue Pläne der Erdöl- und Erdgas Industrie im Altmarkkreis Salzwedel.

Im Altmarkkreis Salzwedel und Stendal verunsichern Förderpläne der Erdöl- und Erdgasindustrie die Bevölkerung. Menschen in Arendsee wehren sich gegen die Pläne, die Natur und ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen bedrohen.“Die Volksstimme“ hat hierzu die altmärkischen Landtagsabgeordneten befragt. 

Es ist  interessant, wie unterschiedlich an das Thema herangegangen wird, so Christfried Lenz in einer Zusammenfassung.

Jürgen Barth (SPD) hofft, dass man an der Sache dadurch vorbei kommt, dass gar kein Öl und Gas gefunden wird.

Dorothea Frederking (Grüne) ist die Einzige, die das Thema in den übergeordneten Kontext des Klimaschutzes stellt.

Ulrich Siegmund (AfD) ist der Einzige, der die Förderung befürwortet. Herumeiern muss er aber: Fracking soll nicht sein, und die Menschen vor Ort sollen „geschützt“ werden. – Er macht deutlich, dass die AfD Helfershelfer der Konzerne ist.

Uwe Harms (CDU) nutzt die Gelegenheit, um an die umweltpolitische Inkompetenz des Bergamtes zu erinnern, die beim Thema „Silbersee Brüchau“ (aber nicht nur dort) hervortritt. 

Wulf Gallert (Linke) spricht sich für die Erneuerbaren – auch die Windenergie! – aus.

Was auch schon auf der Veranstaltung am 3. Dezember deutlich wurde: Indem aufgezeigt wird, was der Weg ins Öl und Gas praktisch bedeutet, kommen die Leute selber drauf, dass die Erneuerbaren der Ausweg sind. 

Auch das Thema „Silbersee“ in Brüchau  bewegt die dortige Bürgerinitiative immer noch und sie bemängelt, wie undurchsichtig bei der Behandlung des Themas verfahren wird. Zum Silbersee: Jetzt, wo es interessant wird, weil es auf die Entscheidung „Abdecken oder Auskoffern?“ zugeht, soll die zuvorstets zugesagte „Transparenz“ aufhören. Untersuchungsergebnisse sollen geheim bleiben.  „Beteiligung“ wird durch „Kenntniserhalt des Endergebnisses“ ersetzt – womit wir uns natürlich nicht zufrieden geben! (s. Anhang)
Akteneinsicht Untersuchungsergebnisse Quecksilbersee Brüchau.eml

 Veröffentlicht von am 14. Dezember 2019

Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Dez 062019
 

Bericht zum November 2019 – von Volker Fritz

Berichtszeitraum 09.11. bis 06.12.2019

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter ab. Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme, einer Abnahme um 3 Türme im Juni und um 1 Turm im Juli nahm sie im August um 54 Türme, im September um 18, im Oktober um 45 und im November 20 Türme ab. Seit Februar 2018 nahm die Gesamtzahl der eingesetzten Türme um 356 Stück ab. Das entspricht ca. 27% der Gesamt-Bohrkapazität.

Die November-Abnahme ergab sich durch eine weitere Stilllegung von Ölbohrtürmen und in geringerem Maß von Gasbohrtürmen in den USA bei gleichzeitig fast konstantem Einsatz in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 799 und in Kanada auf 138 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlicher unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Frbruar auf 58,34 USD/barrel. Zur Zeit werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von ca. 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.

Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den Juniwochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12.07.2019. Danach jedoch sackte der Preis wieder ab und stand am 10.08.bei 52,31 USD/barrel. Nach lebhaften zwischenzeitlichen Sprüngen lag er am 13.09. bei 55 USD/barrel und am 11.10. bei 54,60 USD/barrel. Am 08.11. lag er bei 56,39 USD/barrel und notiert zur Zeit bei 56,32 USD/barrel.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18.01.2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Es wird inzwischen von der „OPEC +“ gesprochen (einschließlich Russlands). Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost. Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen.

Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben. Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.

Seit Anfang Oktober haben die USA ihre in Nord-Syrien noch vorhandenen geringen Truppen-Kontingente gänzlich abgezogen und damit den Weg für die Türkei frei gemacht, die Kurdengebiete im Südwesten hinter der Staatsgrenze anzugreifen, was ein alter Plan Erdogans ist. Auch die Russen haben sich nicht gerührt, als die Angriffe der türkischen Armee Mitte September begannen. Damit haben die USA aber den einzigen kampfbereiten Verbündeten am Boden in der Region verraten und jedermann weis nun, dass man sich auf die USA als Partner bei Konflikten nicht mehr verlassen kann.

Der verschärfte Öl-Konflikt zwischen den USA und Persien, mit den Zwischenfällen am Persischen Golf in der Straße von Hormuz ist unberechenbar in seiner weiteren Entwicklung. Der Angriff auf die saudische Ölproduktion wird den Iranern in die Schuhe geschoben, die aber bestreiten das vehement. US-Präsident Trump will den Persern den Öl-Exporthahn völlig zudrehen. Das kann sehr schnell zu Lieferengpässen führen, wenn Persien die Passage „dicht“ macht, um sich gegen die Aggression der USA zu wehren.

Die OPEC hat gerade heute eine drastische Kürzung der Ölförderung auf ihrer Sitzung beschlossen. 500.000 barrel/Tag sollen in den nächsten Monaten weniger produziert werden. Man will die Marktpreise nach oben stabilisieren. Nach Abschätzungen der IEA (Intern. EnergieAgentur) produziert die OPEC zur Zeit über dem internationalen Bedarf und das drückt die Ölpreise.

Allerdings reicht die heute beschlossene Kürzung nach Ansicht der IEA nicht aus um die Überproduktion zu beseitigen. Dazu müsste noch stärker reduziert werden, zumal der weltweite Rohölbedarf in der ersten Hälfte 2020 ebenfalls abnehmend beurteilt wird. Die IEA hält es für möglich, dass beide Einflüsse auf den Rohölpreis sich im Ende aufheben werden und dass die Preiserhöhungsabsicht der OPEC ins Leere laufen könnte.

Zudem bleibt zu bedenken, dass die USA die Rohölförderung ganz kurzfristig durch die Fracking-Förderung im Volumen erhöhen können, wenn die Weltmarktpreise wieder Gewinne erlauben, während die OPEC in dieser Hinsicht vergleichsweise schwerfällig ist.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im November unterschiedlich, wobei Kanada natürlich bei viel geringerem Umfang an Aktivitäten steht. Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März bis November 2019:

Monat/ Jahr gesamt im Einsatz in Nordamerika USA Kanada US Rohölpreis WTI USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 957 817 140 56,39
06.12.19 937 799 138 56,32

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 750 Ölbohrtürme und 186 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(400), New Mexico(103), Louisiana (56), North Dakota(50), Oklahoma(50), Wyoming (29), Pennsylvania(24), Colorado(23), Kalifornien (15), West Virginia(13) u. Ohio(13).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und am 08.11. lag er bei 2,772 USD/mmBtu. Zur Zeit werden 2,427 USD/mmBtu notiert, das bedeutet weiterhin „ruhiges Geschäft zu nicht-kostendeckenden Preisen im Henry Hub“. Um Geld zu verdienen müssten die Gaskonzerne 6 – 7 USD/mm Btu im Henry Hub erzielen.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 34 Türme. 1.096 Bohrtürme werden weltweit im November 2019 im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand. Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverhohlen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Er hat den Heißsporn John Bolton, der ständig drängte, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren, aus dem Amt des obersten Militärberaters entlassen. Dennoch ist Lage so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht, zumal nach dem Ausfall von etwa 40% der saudischen Ölproduktion, ausgelöst durch die Anschläge mit Lenkkörpern. Die Urheber dieser Angriffe werden von den Saudis und von den USA den Iranern in die Schuhe geschoben, diese wiederum weisen derartige Vorwürfe entschieden zurück.

Und es zündelt weiter (Heißsporne auf allen Seiten wünschen sich kriegerische Auseinandersetzung). Am 11.10.2019 erfolgte der neueste „Zwischenfall“, dieses Mal im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und hat mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf den ersten Schuss, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Russland wird mit seinem Rohöl-Angebotsvolumen zum Schlüsselanbieter, erst recht, da der Iran seine großen Kapazitäten nicht in den Markt bringen kann, wie die neuesten Analysen zeigen und nun noch der 40%-ige Ausfall der saudischen Produktion für zumindest einige Zeit hinzu kommt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 56,32 UDS/barrel zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt. Dieses Preisniveau war schon im Februar 2019 erreicht.

Herr Trump zündelt weiter und wir alle können nur hoffen, das niemand die Nerven verliert. Und kürzlich kam noch Indien mit seiner geänderten Kaschmirpolitik dazu, die Pakistan herausfordert. 2 Atommächte in Asien stehen sich gegenüber, deren Führungen beide mit Heißspornen und Fanatikern durchsetzt sind.

Und Herr Erdogan droht der EU und Deutschland unverhohlen damit, die über 3 Mio Flüchtlinge in seinen Lagern nach Europa in Bewegung zu setzen, falls die EU in seine Machtinteressen und seinen Plan die Kurden in Nord-Syrien „auszuräuchern“ eingreift. Präsident Sadat hat sein Militär in Bewegung gesetzt, um einer endgültigen Abspaltung der türkeinahen Grenzregion im Norden zu begegnen, aber er ist von Russland abhängig. Bis auf weiteres zerstört er rücksichtslos die restlichen Städte der Widerstandsnester im Norden und Nordwesten von Syrien, und Hunderttausende neue Flüchtlinge sind in Bewegung, um ihr Leben zu retten. Das Elend in dieser Region hört einfach nicht auf.

Volker Fritz – im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 6. Dezember 2019

Falsches Spiel mit dem Grundwasser in Niedersachsen

 Niedersachsen, Pressemitteilung BBU, Risiko: Grundwasserverschmutzung, Wasserwirtschaft  Kommentare deaktiviert für Falsches Spiel mit dem Grundwasser in Niedersachsen
Dez 022019
 

Pressemitteilung des BBU vom 02.12.2019

(Bonn, Hannover, 02.12.2019) Als durchsichtiges Manöver kritisiert der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU e.V.) einen Antrag von SPD und CDU im niedersächsischen Landtag, der angeblich dem Schutz des Grundwassers vor den Risiken der Erdgasförderung dienen soll. Tatsächlich, so der Umweltverband, will sich die Regierungskoalition damit von eigenen Maßnahmen hierzu weitgehend verabschieden, und die Verantwortung dem Bund zuschieben. Der BBU fordert SPD und CDU auf, den Antrag zurückzunehmen.

Als Irreführung der Öffentlichkeit bewertet der BBU in diesem Zusammenhang, dass die Regierungskoalition im Landtag am Montag im Umweltausschuss ihren Umweltminister Lies zur Vorlage eines Berichts auffordern will, der längst in der Schublade liegt und ohnehin für Freitag erwartet wird. Anstatt dieses Ergebnis des vom Umweltminister selbst eingerichteten Stakeholder-Dialogs zu „Umweltauswirkungen der Erdgasförderung“ abzuwarten, sollen am Montag im Umweltausschuss noch schnell Fakten geschaffen werden, bevor unbequeme Forderungen auf den Tisch kommen.

Insbesondere soll mit dem nun vorgelegten Antrag der Koalition ein aus den Reihen der Opposition vorgeschlagenes Verbot von Öl- und Gasbohrungen in Wasserschutzgebieten verdrängt werden. Ein solches Verbot zu prüfen, hatten auch SPD und CDU im Koalitionsvertrag vereinbart. In einem Brief hatte Bergbauminister Althusmann sogar den Stakeholder-Dialog zur Grundlage dieser Prüfung erklärt, doch soll dessen Ergebnis nun offenbar keine Relevanz mehr haben. Stattdessen soll das Land in vollendeter Schwammigkeit lediglich in Form einer Bundesratsinitiative darum bitten, für einen Vorrang des Wasserschutzes zu sorgen. Eine Floskel, die bereits schon das heutige Wasserrecht für sich beansprucht.

In gleicher Weise möchte rot-schwarz auch nicht von den landesrechtlichen Wegen zu weiteren Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für Tiefbohrungen Gebrauch machen. Hierzu hatte bereits vor einem Jahr eine Ausarbeitung des Gesetzgebungs- und Beratungsdienstes des Landtags gangbare Möglichkeiten aufgezeigt. Getreu dem Motto „Wer etwas will, findet Wege, wer nicht will, sucht Gründe“ wird auch hier von der Koalition lapidar auf die Bundesebene verwiesen, ohne die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt abschließend: „Es ist an Absurdität nicht zu überbieten, sich selbst in der Überschrift des eigenen Antrags und in einer Presserklärung für einen ‚Vorrang des Trinkwasserschutzes vor Wirtschaftsinteressen‘ zu feiern, während man lieber den Bund vorschiebt, um im Land die Hände in den Schoß legen zu können. Es wäre geboten, zuerst im eigenen Bundesland fortschrittliche Rechtsnormen zu verabschieden und auf dieser Grundlage engagierte Bundesratsinitiativen zu starten. Das und keine Placebo-Politik erwarten die Bürgerinitiativen von der Regierungskoalition.“

 Veröffentlicht von am 2. Dezember 2019

Staatssekretär Doods (Umweltministerium NI) im Brookmerland wegen Vermilion-Klage

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Nov 132019
 

Besuch des Staatssekretärs Frank Doods des Niedersächsischen Umweltministeriums am 08.11.2019 im Süd-/Brookmerland wegen der Vermilion-Klage gegen das erweiterte Wasserschutzgebiet des Wasserwerkes Siegelsum.

Wiard Siebels (SPD und MdL im Wahlkreis Ostfriesland) hatte ihn dazu eingeladen, wie bereits vor fast 18 Monaten bei einer Podiumsdiskussion zugesagt.

Mit Schildern, Treckern, Fahnen und Transparenten protestierten ca. 200 Menschen vor dem verschlossenen ehemaligen Bohrplatz der Firma Vermilion Energy in Engerhafe bei dem Ortstermin mit Frank Doods.

Bürgerprotest vor Erdgasförderstelle in Engerhafe
Versammlung der Anwohner im Brookmerland vor dem Zaun der ehemaligen Erdgasförderstelle in Engerhafe (im Hintergrund sind die Wohnhäuser zu sehen). [Theo Gehrken 08.11.2019 Bild 009]

Die Bürgerinitiative gegen Bohrungen im Südbrookmerland und Brookmerland sowie Anwohner und Landwirte begleiteten den Besuch von Doods vor den Zaun der verschlossenen Anlage. Beim Vor-Ort-Termin wurde dem Staatssekretär mehr als deutlich vor Augen geführt, wie dicht die Förderstelle an der direkt daneben befindlichen Wohnbebauung liegt. Am Endes des Ortstermins sagte MdL Wiard Siebels auch vor den Teilnehmern zu, eine Anfrage an die Landesregierung zu stellen, da auch er denke, dass das Preußische Bergrecht aus den 30er Jahren durchaus verbesserungswürdig sei.

Vor Beginn des Ortstermins hatten Doods, Siebels und Vertreter des Landkreises im Rathaus in Victorbur etlichen Vertretern der lokalen Politik und der BI Rede und Antwort gestanden. Auch erster Kreisrat Dr. Puchert nahm an dem Gespräch im Rathaus Victobur und der anschließenden Ortsbegehung in Engerhafe teil.

Die Frage, ob eine Wiederaufnahme der Erdgasförderung am ehemaligen und 1992 verfüllten Bohrplatz im Südbrookmerlander Ortsteil Engerhafe verhindert werden kann, konnte auch der angereiste Staatssekretär aus dem Niedersächsischen Umweltministerium vor Ort nicht beantworten.

Von MdL Siebels wurde eine weitere Informationsveranstaltung für die Bürger angeboten, wenn es Neuigkeiten bzw. eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg gibt, wo seit Dez. 2017 eine Normenkontrollklage von Vermilion Energy anhängig ist, die der ebenfalls in 2017 erfolgten Vergrößerung des hiesigen Wasserschutzgebietes widerspreche, in dem nunmehr die alte Bohrung Engerhafe liegt.

Die Bürgerinitiative sowie die Grünen begrüßten dies, machten aber auch deutlich, dass zu diesem noch offenen Termin kein Staatssekretär, sondern der Umweltminister persönlich anwesend sein sollte.

MdL Siebels wurden etliche – noch zu klärende – Fragen durch die Bürgerinitiative mitgegeben, für deren Beantwortung er sich in Hannover einsetzen will.

Thomas Puhahn – für die Bürgerinitiative gegen Bohrungen im Süd-/Brookmerland – Mitglied im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“

 Veröffentlicht von am 13. November 2019

Bericht zum Oktober 2019 – Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Nov 092019
 

Berichtszeitraum 12.10. bis 08.11.2019 / Volker H.A. Fritz, Wolfenbüttel, den 08.11.2019

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter deutlich ab. Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme, einer Abnahme um 3 Türme im Juni und um 1 Turm im Juli nahm sie im August um 54 Türme und im September um 18 und im Oktober um weitere 45 Türme ab. Seit Februar 2018 nahm die Gesamtzahl der eingesetzten Türme um 336 Stück ab. Das entspricht ca. 26% der Gesamt-Bohrkapazität.

Die Oktober-Abnahme ergab sich durch eine weitere kräftige Stilllegung von Ölbohrtürmen und in geringerem Maß von Gasbohrtürmen in den USA bei gleichzeitig geringer Abnahme in Kanada. Die Zahl der Türme in den USA sank auf 817 und in Kanada auf 140 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Frbruar auf 58,34 USD/barrel. Zur Zeit werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von ca. 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.

Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den Juniwochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12.07.2019. Danach jedoch sackte der Preis wieder ab und stand am 10.08.bei 52,31 USD/barrel. Nach lebhaften zwischenzeitlichen Sprüngen lag er am 13.09. bei 55 USD/barrel und am 11.10. bei 54,60 USD/barrel. Zur Zeit liegt er bei 56,39 USD/barrel.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18.01.2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Je nach dem Agieren Russlands auf der Rohölangebotsseite kann die OPEC-Politik wirkungslos werden. Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost. Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen.

Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben. Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.

Seit Anfang Oktober haben die USA ihre in Nord-Syrien noch vorhandenen geringen Truppen-Kontingente gänzlich abgezogen und damit den Weg für die Türkei frei gemacht, die Kurdengebiete im Südwesten hinter der Staatsgrenze anzugreifen, was ein alter Plan Erdogans ist. Auch die Russen haben sich nicht gerührt, als die Angriffe der türkischen Armee Mitte September begannen. Damit haben die USA aber den einzigen kampfbereiten Verbündeten am Boden in der Region verraten und jedermann weis nun, dass man sich auf die USA als Partner bei Konflikten nicht mehr verlassen kann.

Der verschärfte Öl-Konflikt zwischen den USA und Persien, mit den Zwischenfällen am Persischen Golf in der Straße von Hormuz ist unberechenbar in seiner weiteren Entwicklung. Der Angriff auf die saudische Ölproduktion wird den Iranern in die Schuhe geschoben, die aber bestreiten das vehement.

US-Präsident Trump will den Persern den Öl-Exporthahn völlig zudrehen. Das kann sehr schnell zu Lieferengpässen führen, wenn Persien die Passage „dicht“ macht, um sich gegen die Aggression der USA zu wehren.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im September tendenziell gleich, wobei Kanada natürlich bei viel geringerem Umfang an Aktivitäten steht.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019 und kontinuierlichem Rückgang seit März bis Oktober 2019:

Monat/ Jahr In Nord-
amerika

gesamt
USA Kanada US Rohöl-
preis WTI
USD / barrel
30.07.17 1178 958 220 46
30.09.17 1155 935 220 52,13
31.10.17 1115 913 202 51,94
15.11.17 1090 889 192 54,27
30.11.17 1123 915 208 56,18
15.12.17 1168 930 238 56,64
19.01.18 1261 936 325 63,72
16.02.18 1293 975 318 60,74
16.03.18 1209 990 219 60,85
13.04.18 1110 1008 117 66,74
15.06.18 1198 1059 139 66,6
13.07.18 1251 1054 197 70,6
14.09.18 1281 1055 226 70,3
12.10.18 1258 1063 195 71,31
09.11.18 1277 1081 196 61,59
14.12.18 1245 1071 174 51,2
18.01.19 1259 1050 209 52,32
15.02.19 1275 1051 224 53,34
15.03.19 1187 1026 161 58,34
12.04.19 1088 1022 66 64,47
10.05.19 1051 988 63 61,99
07.06.19 1078 975 103 51,7
12.07.19 1075 958 117 60,27
09.08.19 1074 934 140 52,31
13.09.19 1020 886 134 55
11.10.19 1002 856 146 54,6
08.11.19 975 817 140 56,39

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika Ölbohrtürme und Gasbohrtürme aktiv: Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (413), New Mexico (104), Louisiana (56), North Dakota(51), Oklahoma(51), Wyoming (32), Pennsylvania (25), Colorado (24), Kalifornien (15), West Virginia (15) u. Ohio (11).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und zur Zeit liegt er bei 2,772 USD/mmBtu.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 1 Turm auf 1.130 – Bohrtürme werden weltweit im Oktober im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand. Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverhohlen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Er hat den Heißsporn John Bolton, der ständig drängte, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren, aus dem Amt des obersten Militärberaters entlassen. Dennoch ist Lage so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht, zumal nach dem Ausfall von etwa 40% der saudischen Ölproduktion, ausgelöst durch die Anschläge mit Lenkkörpern. Die Urheber dieser Angriffe werden von den Saudis und von den USA den Iranern in die Schuhe geschoben, diese wiederum weisen derartige Vorwürfe entschieden zurück.

Und es zündelt weiter (Heißsporne auf allen Seiten wünschen sich kriegerische Auseinandersetzung). Am 11.10.2019 erfolgte der neueste „Zwischenfall“, dieses Mal im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und wird nun mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf den ersten Schuss, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Russland wird mit seinem Rohöl-Angebotsvolumen zum Schlüsselanbieter, erst recht, da der Iran seine großen Kapazitäten nicht in den Markt bringen kann, wie die neuesten Analysen zeigen und nun noch der 40%-ige Ausfall der saudischen Produktion für zumindest einige Zeit hinzu kommt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 56,39 UDS/barrel zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt. Dieses Preisniveau war schon im Februar 2019 erreicht.

Herr Trump zündelt weiter und wir alle können nur hoffen, das niemand die Nerven verliert. Und kürzlich kam noch Indien mit seiner geänderten Kaschmirpolitik dazu, die Pakistan herausfordert. 2 Atommächte in Asien stehen sich gegenüber, deren Führungen beide mit Heißspornen und Fanatikern durchsetzt sind.

Und Herr Erdogan droht der EU und Deutschland unverhohlen damit, die über 3 Mio Flüchtlinge in seinen Lagern nach Europa in Bewegung zu setzen, falls die EU in seine Machtinteressen und seinen Plan die Kurden in Nord-Syrien „auszuräuchern“ eingreift. Präsident Sadat hat sein Militär in Bewegung gesetzt, um eine endgültige Abspaltung der türkeinahen Grenzregion im Norden zu begegnen, aber er ist von Russland abhängig. Bis auf weiteres zerstört er die restlichen Städte der Widerstandsnester im Norden und Nordwesten von Syrien, ohne Rücksicht und Hunderttausende neue Flüchtlinge sind in Bewegung, ihr Leben zu retten. Doch wo sollen sie hin?

 Veröffentlicht von am 9. November 2019

Sachausschussmitglieder der Bundesregierung, FDP und AfD lehnen Frackingverbot ab

 DIE LINKE, Pressemitteilungen  Kommentare deaktiviert für Sachausschussmitglieder der Bundesregierung, FDP und AfD lehnen Frackingverbot ab
Okt 242019
 

Sachausschussmitglieder der Bundesregierung, der FDP und AfD haben sich gegen ein ausnahmsloses Frackingverbot gestellt. Der Ausschuss stellte sich damit gegen einen Antrag, der von den LINKEN gestellt wurde.

Seiner Verantwortung für die Gesundheit der Bürger und die Umwelt kommt der Ausschuss mit dieser Entscheidung nicht nach, und die Erkenntnisse über die miese Klimabilanz gefrackten Gases und Erdöls sind den Damen und Herren allem Anschein nach gänzlich fremd.

Vgl. dazu die Pressemeldung von Hubertus Zdebel, DIE LINKE:

Große Koalition verweigert notwendiges Fracking-Verbot ohne Ausnahmen – 23. OKTOBER 2019 / No-Fracking, Pressemitteilungen

„Wieder einmal hat die Große Koalition einem konsequenten Umwelt- und Gesundheitsschutz eine skandalöse Absage erteilt. In den heutigen Sitzungen der Bundestagsausschüsse für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie für Wirtschaft und Energie haben die Vertreter:innen von CDU, CSU und SPD, unterstützt von FDP und AfD, gegen ein Fracking-Verbot ohne Ausnahmen gestimmt. Ein derartiges Verbot hatte die LINKE im Bundestag in einem Antrag gefordert. Die Große Koalition nimmt daher sehenden Auges Grundwasserkontaminationen, Erdbeben sowie unkontrollierte Emissionen des extrem klimaschädlichen Treibhausgases Methan in Kauf.“ erklärt Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der LINKEN und Mitglied im Umweltausschuss.

Zdebel weiter: „Fracking ist eine unbeherrschbare Risikotechnik und muss ohne Ausnahmen verboten werden. Doch dies lehnen die Koalitionsfraktionen ab, um der Gasindustrie weitere Profite zu sichern. So ist Fracking im Sandgestein, sogenannten Tight-Gas-Reservoirs, bereits jetzt erlaubt. Das derzeitige Verbot für die Aufsuchung und Gewinnung von Gas im Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein bringt zudem keine Sicherheit.

Denn 2021 soll überprüft werden, ob das Verbot wieder aus dem Wasserhaushaltsgesetz gestrichen wird. Zur Vorbereitung der Entscheidung hat die Bundesregierung eine sechsköpfige Fracking-Kommission eingesetzt, die eine deutliche personelle Schlagseite zu Gunsten der Fracking-Befürworter besitzt und intransparent arbeitet. Ihr Ergebnis ist damit vorprogrammiert.

Gegen diese Salamitaktik der Großen Koalition, Fracking Stück für Stück zu erlauben, hilft nur ein sofortiges, umfassendes Fracking-Verbot unabhängig von der Gesteinsart.“

Mehr zur Skandalserie der Fracking-Kommission finden Sie auch im Blog von Hubertus Zdebel.

Zum Antrag mit Bundestags – Drucksachennummer 19/482 [1]

[1] http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/004/1900482.pdf

 Veröffentlicht von am 24. Oktober 2019

“Blauer Wasserstoff” – das neue Täuschungsmanöver der klimaschädlichen Erdgasindustrie

 Allgemein, Klima  Kommentare deaktiviert für “Blauer Wasserstoff” – das neue Täuschungsmanöver der klimaschädlichen Erdgasindustrie
Okt 242019
 

Equinor und Open Grid Europe wollen mit Wasserstoff aus Erdgas die deutsche Industrie dekarbonisieren. Und damit das gut klingt und sich an den “grünen Wasserstoff” anhängt, der mit regenerativem Strom erzeugt wird, haben sie ihrem neuen Propaganda-Medium den Namen “blauer Wasserstoff” verpasst.

Vgl. dazu:
Meldung in bizz energy – vom 08.10.2019 [1]
Meldung im PV-magazin – Beitrag von Hans-Josef Fell vom 18.10.2019 [2]

Es ist schon kaum noch zu fassen, mit welcher Dreistigkeit und Vernebelungstaktik die Erdgasindustrie immer neue, untaugliche Vorschläge unterbreitet, die ihr auch für die nächsten Jahrzehnte den Absatz sichern sollen.

Bei der Gewinnung dieses “blauen Wasserstoffes” aus fossilem Erdgas ensteht CO2. Damit ein “ökologischer Anstrich” entsteht, soll das anfallende Kohlendioxid abgeschieden werden und in alten Bergwerken oder in alten Erdgaslagerstätten “sicher” deponiert werden. Die Norweger tun so, als hätten sie “sichere” Speichermöglichkeiten unter der Nordsee in alten Erdgasförderbohrungen.

Bei der Vorstellung ihres Vorhabens haben Equinor und Open Grid Europe weiterhin hartnäckig verschwiegen, dass fossiles Erdgas bei seiner Förderung, Aufbereitung und beim Transport – und zusätzlich noch beim gesamten LNG-Prozess, bis hin zur Rückvergasung des abgekühlten und verflüssigten LNG – so hohe Vorketten-Emissionen an unverbranntem Methan hat, dass es ein Klimakiller ist.

Nachdem der “grüne Wasserstoff”, der durch Zerlegung der Luft mit Hilfe von Solar- oder Windstrom entsteht, zunehmend Beachtung findet, hat die Propaganda-Maschine der Erdgasindustrie den Begriff “blauer Wasserstoff” ersonnen, um dem Erdgas den Status des “Übergangsbrennstoffes” zu sichern und so noch viele Jahrzehnte in Europa liefern zu können.

So würde, jedenfalls nach der Propaganda der Erdgaswirtschaft – im aktuellen Fall in Norwegen und Deutschland – der “blaue Wasserstoff” seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten und bliebe noch viele Jahrzehnte Energiequelle.

Doch: es ist unwiderlegbar richtig, dass die Erdgasnutzung schnellstmöglich beendet werden muss, wenn das Erdklima noch halbwegs stabil gehalten werden soll. Die von der Erdgaswirtschaft betriebene Politik und die dazu verbreitete Propaganda bedroht direkt die Pläne des Klima-Abkommens von Paris 2015.

Die hohen Vorkettenemissionen unverbrannt entweichenden Methans bilden eine erhöhte Gefährdung für das Erdklima und beschleunigen schon jetzt die Erderwärmung ganz erheblich. Der von der Erdgaswirtschaft propagierte verlängerte und gar noch vermehrte Einsatz fossilen Erdgases ist eine direkte Gefährdung der Zukunft von uns Menschen auf der Erde.

Und nach vielen Jahrzehnten Übergangszeit soll dann der “grüne Wasserstoff” in der dann aufgebauten Wasserstoff-Infrastruktur den “blauen Wasserstoff” ersetzen. Und so würde für zumindest die nächsten 30 bis 40 Jahre der Erdgasabsatz gesichert und ein wichtiger Beitrag zur Beschleunigung der Erderwärmung durch den Menschen geleistet.

Aber wen interessiert das schon? Die Gasindustrie nicht! Das Klima ist doch egal, das ist doch sowieso schon nicht mehr zu retten – oder?

Ja, da ist die Erdgasindustrie ein total verlässlicher Partner, bei ihr steht immer der Profit der Anteilseigner höher als etwa Gewässerschutz, Gesundheitsschutz oder gar Klimaschutz.

Darauf können wir uns absolut verlassen.

Wann begreift das unsere politische Führungsmannschaft endlich?

Volker Fritz, 24.10.2019

[1] https://bizz-energy.com/wasserstoff_aus_erdgas_soll_industrie_dekarbonisieren

[2] https://www.pv-magazine.de/2019/10/18/blauer-wasserstoff-das-neue-taeuschungsmanoever-der-klimaschaedlichen-erdgasindustrie/

 Veröffentlicht von am 24. Oktober 2019

Hintergrund-Informationen zur Erhöhung der EEG-Umlage

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Okt 212019
 

Im kommenden Jahr wird die EEG-Umlage von 6,405 auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Sinn und Zweck der EEG-Umlage ist es, die Differenz zwischen den an der Strombörse erzielbaren Preisen und der Einspeisevergütung für die Betreiber von Grünstrom-Erzeugungsanlagen auszugleichen.

Dass die Börsenpreise in der Regel unterhalb der Erzeugungskosten erneuerbaren Stroms liegen, kommt nicht daher, dass konventioneller Strom preisgünstig wäre. Vielmehr davon, dass die tatsächlichen Kosten, die durch Kohle- oder Atomstrom verursacht werden, nicht auf der Stromrechnung erscheinen, von uns allen aber an ganz anderen Stellen sehr wohl bezahlt werden.

So kommen bei der Braunkohle zum Börsenpreis von 3,85 Cent hinzu:

  • 1,1 Cent (staatliche Förderungen) und
  • 17,92 Cent („externe Kosten“ durch Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschäden)

so dass sich die gesamtgesellschaftlichen Kosten einer Kilowattstunde Braunkohlestrom auf 22,87 Cent belaufen.

Demgegenüber betragen die Komplettkosten von Sonnen- und Windstrom 7,5 Cent pro Kilowattstunde. (Vgl. Schrems und Fiedler 20.2019 [1])

Der Strommarkt ist so konstruiert, dass Fossil- und Atomstrom billig erscheinen und Grünstrom teuer. Wenn die Realkosten des Stroms auf der Börse abgebildet würden, wäre die konventionelle Stromerzeugung längst weg vom Fenster, da sie von den Erneuerbaren hoffnungslos unterboten würde. (Mit entsprechender CO2-Bepreisung könnten die realen Kosten in den Preis hereingeholt werden. Die von der Bundesregierung vorgesehene Größenordnung ist aber so gut wie bedeutungslos.)

Zu der grundsätzlichen Fehlkonstruktion des Strommarktes kommen weitere Faktoren hinzu, die die EEG-Umlage steigen lassen:

  • In der Mittagszeit ist die Stromnachfrage und somit der Strompreis am höchsten. Da die Erneuerbaren aber gerade mittags ihre Produktionsspitzen haben, erhöht das das Angebot und wirkt senkend auf den Börsenpreis. Folge: die Differenz zwischen Börsenpreis und Einspeisevergütungen wird größer und wirkt erhöhend auf die EEG-Umlage. – Die Großabnehmer an der Börse erhalten den Strom billiger, denken aber nicht im Traum daran, ihren Preisvorteil an den Kunden weiterzugeben. Der Kunde sieht nur: „Die EEG-Umlage steigt schon wieder!“ – Schon stehen die Erneuerbaren als Preistreiber da, was letztlich auch Sinn und Zweck der ganzen Strommarktordnung ist.
  • Im Lauf der Zeit sind immer mehr Großunternehmen mit hohem Stromverbrauch „privilegiert“ worden. Die EEG-Umlage wird ihnen ganz oder teilweise erlassen. Folge: Privathaushalte und Mittelstand werden entsprechend verstärkt zur Kasse gebeten, da sie den Anteil der Privilegierten mit bezahlen müssen.

Der gegenwärtig vorgesehene Anstieg der EEG-Umlage um 0,351 Cent ist nun nicht die Welt. Durch Wechsel auf einen preisgünstigen Ökostrom-Anbieter dürfte eine Erhöhung des Stromendpreises zu vermeiden sein.

Ich persönlich – auch wenn ich mir die Mühe mache, dies alles zu schreiben – bin davon überhaupt nicht betroffen, da ich mir meinen Strom zu 100% von der Sonne schenken lasse. Jeder glückliche Besitzer eines eigenen Daches hat diese Möglichkeit auch, muss sie jedoch beim Schopfe packen!

Viele Grüße,
Dr. Christfried Lenz.

[1] https://www.greenpeace-energy.de/fileadmin/docs/publikationen/20191015_F%C3%96S-Analyse_EEsparenKosten_FINAL.pdf
 Veröffentlicht von am 21. Oktober 2019

Bericht zum September 2019 – Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Okt 142019
 

Berichtszeitraum 14.09. bis 11.10.2019

Foto: pixabay

Bericht von Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 11.10.2019

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme weiter leicht ab. Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme, einer Abnahme um 3 Türme im Juni und um 1 Turm im Juli nahm sie im August um 54 Türme und im September um weitere 18 ab.

Diese Abnahme ergab sich durch eine weitere kräftige Stilllegung von Ölbohrtürmen und in geringerem Maß von Gasbohrtürmen in den USA bei gleichzeitig leichter Zunahme in Kanada.

Die Zahl der Türme in den USA sank auf 856 und stieg in Kanada auf 146 Stück. In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Februar auf 58,34 USD/barrel. Zur Zeit werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von ca. 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.

Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den Juniwochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12.07.2019. Danach jedoch sackte der Preis wieder ab und stand am 10.08.bei 52,31 USD/barrel. Nach lebhaften zwischenzeitlichen Sprüngen lag er am 13.09. bei 55 USD/barrel und am 11.10. bei 54,60 USD/barrel.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18.01.2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Je nach dem Agieren Russlands auf der Rohölangebotsseite kann die OPEC-Politik wirkungslos werden. Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost.

Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen. Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben.

Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.

Seit Anfang Oktober haben die USA ihre in Nord-Syrien noch vorhandenen geringen Truppen-Kontingente gänzlich abgezogen und damit den Weg für die Türkei frei gemacht, die Kurdengebiete im Südwesten hinter der Staatsgrenze anzugreifen, was ein alter Plan Erdogans ist. Auch die Russen haben sich nicht gerührt, als die Angriffe der türkischen Armee zu Beginn dieser Woche begannen. Damit haben die USA aber den einzigen kampfbereiten Verbündeten am Boden in der Region verraten und jedermann weiss nun, dass man sich auf die USA als Partner bei Konflikten nicht mehr verlassen kann.

Der verschärfte Öl-Konflikt zwischen den USA und Persien, mit den Zwischenfällen am Persischen Golf in der Straße von Hormuz ist unberechenbar in seiner weiteren Entwicklung. Der Angriff auf die saudische Ölproduktion wird den Iranern in die Schuhe geschoben, die aber bestreiten das vehement.

US-Präsident Trump will den Persern den Öl-Exporthahn völlig zudrehen . Das kann sehr schnell zu Lieferengpässen führen, wenn Persien die Passage „dicht“ macht, um sich gegen die Aggression der USA zu wehren.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im September wieder unterschiedlich. In den USA nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Ölbohrtürme um 30 ab, in Kanada um 12 zu.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019:

Monat gesamt im USA Kanada US Rohölpreis WTI
Einsatz USD/barrel ____

Ende 7.17 1.178 958 220 46,00 insgesamt sind jetzt in

Ende 9 1.155 935 220 52,13 Nordamerika

Ende 10 1.115 913 202 51,94 814 Ölbohrtürme

Mitte 11 1.090 889 192 54,27 und

4.Wo 11 1.123 915 208 56,18 187 Gasbohrtürme

15.12.17 1.168 930 238 56,64 aktiv

19.01.18 1.261 936 325 63,72

16.02.18 1.293 975 318 60,74

16.03.18 1.209 990 219 60,85

13.04.18 1.110 1.008 117 66,74

15.06.18 1.198 1.059 139 66,60

13.07.18 1.251 1.054 197 70,60

14.09.18 1.281 1.055 226 70,30

12.10.18 1.258 1.063 195 71,31

09.11.18 1.277 1.081 196 61,59

14.12.18 1.245 1.071 174 51,20

18.01.19 1.259 1.050 209 52,32

15.02.19 1.275 1.051 224 53,34

15.03.19 1.187 1.026 161 58,34

12.04.19 1.088 1.022 66 64,47

10.05.19 1.051 988 63 61,99

07.06.19 1.078 975 103 51,70

12.07.19 1.075 958 117 60,27

09.08.19 1.074 934 140 52,31

13.09.19 1.020 886 134 55,00

11.10.19 1.002 856 146 54,60

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas(420), New Mexico(112), Oklahoma(62), Louisiana (57), North Dakota(54), Pennsylvania(32), Wyoming (33), Colorado(24), Kalifornien (14), West Virginia(17) u. Ohio(10).

Den etwa 20%igen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu. Am 13.09. stand er bei 2,614 USD/mmBtu und zur Zeit liegt er bei 2,2118 USD/mmBtu.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 7 Türme. 1.131 Bohrtürme werden weltweit im September im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand.

Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverhohlen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Er hat den Heißsporn John Bolton, der ständig drängte, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren, aus dem Amt des obersten Militärberaters entlassen. Dennoch ist Lage so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht, zumal nach dem Ausfall von etwa 40% der saudischen Ölproduktion, ausgelöst durch die Anschläge mit Lenkkörpern. Die Urheber dieser Angriffe werden von den Saudis und von den USA den Iranern in die Schuhe geschoben, diese wiederum weisen derartige Vorwürfe entschieden zurück.

Und es zündelt weiter (Heißsporne auf allen Seiten wünschen sich kriegerische Auseinandersetzung). Am 11.10.2019 erfolgte der neueste „Zwischenfall“, dieses Mal im Roten Meer vor der saudischen Küste, nahe Dschidda. Ein iranischer Tanker wurde, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von 2 Raketen getroffen und 2 Laderäume wurden beschädigt. Das Schiff blieb aber manövrierfähig und wird nun mit geändertem Kurs das Rote Meer verlassen.

Die Rohölspekulanten warten nur auf den ersten Schuss, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keine Ölknappheit gibt. Russland wird mit seinem Rohöl-Angebotsvolumen zum Schlüsselanbieter, erst recht, da der Iran seine großen Kapazitäten nicht in den Markt bringen kann, wie die neuesten Analysen zeigen und nun noch der 40%-ige Ausfall der saudischen Produktion für zumindest einige Zeit hinzu kommt. Der aktuelle Rohölpreis in den USA mit 54,60 UDS/barrel zeigt, dass es noch keine wirkliche Verknappung gibt. Dieses Preisniveau war schon im Februar 2019 erreicht.

Herr Trump zündelt weiter und wir alle können nur hoffen, das niemand die Nerven verliert. Und kürzlich kam noch Indien mit seiner geänderten Kaschmirpolitik dazu, die Pakistan herausfordert. 2 Atommächte in Asien stehen sich gegenüber, deren Führungen beide mit Heißspornen und Fanatikern durchsetzt sind.

Und Herr Erdogan droht der EU und Deutschland unverhohlen damit, die über 3 Mio Flüchtlinge in seinen Lagern nach Europa in Bewegung zu setzen, falls die EU in seine Machtinteressen und seinen Plan die Kurden in Nord-Syrien „auszuräuchern“ eingreift.

Volker Fritz

im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 14. Oktober 2019

Bericht zum August 2019: Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Sep 172019
 

Berichtszeitraum 10. August bis 13. September 2019

Foto: pixabay

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme deutlich ab.
Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme, einer Abnahme um 3 Türme im Juni und um 1 Turm im Juli nahm sie im August in dem 5-wöchigen Zeitraum um 54 Türme ab.
Diese Abnahme ergab sich durch eine weitere kräftige Stilllegung von Ölbohrtürmen und in geringerem Maß von Gasbohrtürmen in den USA bei nur geringer Abnahme in Kanada.
Die Zahl der Türme in den USA sank auf 886 und in Kanada auf 134 Stück.

In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika zunehmend deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Frbruar auf 58,34 USD/barrel. Zur Zeit werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von ca. 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.
Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den Juniwochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12.07.2019. Danach jedoch sackte der Preis wieder ab und stand am 10.08. bei 52,31 USD/barrel. Nach lebhaften zwischenzeitlichen Sprüngen lag er am 13.09. bei 55 USD/barrel.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18.01.2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Je nach dem Agieren Russlands auf der Rohölangebotsseite kann die OPEC-Politik wirkungslos werden. Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost.
Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen.
Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben.
Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.
Der verschärfte Öl-Konflikt zwischen den USA und Persien, mit den Zwischenfällen am Persischen Golf in der Straße von Hormuz ist unberechenbar in seiner weiteren Entwicklung, da US-Präsident Trump den Persern den Öl-Exporthahn völlig zudrehen will. Das kann sehr schnell zu Lieferengpässen führen, wenn Persien die Passage „dicht“ macht, um sich gegen die Aggression der USA zu wehren.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im August wieder unterschiedlich. In den USA nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Ölbohrtürme um 54 ab, in Kanada nur um 6.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn 2019:

Monat
gesamt im Einsatz USA
Kanada
USA Rohölpreis WTI USD/barrel
Ende 71.17895822046,00

Ende 8
1.15794021746,81
Ende 91.15593522052,13

Ende 10
1.11591320251,94

Mitte 11
1.09088919254,27

3. Wo 11
1.11090720357,03
4. Wo 111.12391520856,18

15.12.17
1.16893023856,64

19.01.18
1.26193632563,72

16.02.18
1.29397531860,74

16.03.18
1.20999021960,85

13.04.18
1.1101.00811766,74

18.05.18
1.1291.0468371,50

15.06.18
1.1981.05913966,60

13.07.18
1.2511.05419770,60

17.08.18
1.2691.05721265,00

14.09.18
1.2811.05522670,30

12.10.18
1.2581.06319571,31

09.11.18
1.2771.08119661,59

14.12.18
1.2451.07117451,20
18.01.191.2591.05020952,32

15.02.19
1.2751.05122453,34
15.03.191.1871.02618158,34
12.04.191.0881.02266
64,47
10.05.191.051
988
6361,99
07.06.19 1.078 975 103
51,70
12.07.19 1.075 958 117
60,27
09.08.19 1.074 934
140
52,31
13.09.19 1.020 886
134
55,00

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 826 Bohrtürme und 194 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (430), Oklahoma (76), New Mexico (108), Louisiana (58), North Dakota (55), Pennsylvania (36), Wyoming (36), Colorado (26), West Virginia (16) Kalfornien (17) und Ohio (11).

Den etwa 20-prozentigen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück und auf die hohen Förderquoten der USA. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember 2018 deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu.
Zurzeit steht er bei 2,614 USD/mmBtu.

Die internationalen Bohraktivitäten verringerten sich um 24 Türme. 1.138 Bohrtürme werden weltweit im August im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand.
Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverholen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Er hat den Heißsporn John Bolton, der ständig drängte, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren, aus dem Amt des obersten Militärberaters entlassen. Dennoch ist Lage so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht.

Volker Fritz

im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 17. September 2019

Erdgasförderung wird in den Niederlanden gestoppt

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Sep 142019
 

Wie in der SZ berichtet wird, wollen die Niederlande die Förderung von Gas in dem ehemals größten Erdgasfeld Europas bei Groningen drastisch einschränken.

Durch die Entnahme des Gases sinkt der Boden stetig weiter ab und die dadurch ausgelösten Erdbeben verursachen große Schäden. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst.

Warnungen, die schon vor mehr als 20 Jahren ausgesprochen wurden, beginnt man jetzt langsam ernst zunehmen. In Zukunft sollen Norwegen und Russland den Gasbedarf der Niederlande decken.

Leider ist nicht zu erkennen, ob und wie weit die Niederlande diese Umstrukturierung nutzen wollen bzw. vor dem Hintergrund des Klimawandels überhaupt daran denken, sich von den fossilen Brennstoffen zu verabschieden.

… zum Artikel: https://sz.de/1.4596360

 Veröffentlicht von am 14. September 2019

Glückwünsche der etwas anderen Art

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Aug 302019
 

In Steinitz in der Altmark feierte man mit einem Festakt 50 Jahre Gasförderung in diese Region. Neben lobenden Worten über die gelungene Zusammenarbeit zwischen Förderfirma (jetzt Neptune Energy) und den Bürgern erklärte man, dass man hier trotz rückläufiger Vorkommen an der Erdgasförderung weiterhin festhalten wolle. Zu Zeiten der DDR hat diese Region einen großen Teil des Energiebedarf der gesamten DDR abgedeckt.

Neptune Energy zeigt sich heute verantwortlich für den geordneten Rückbau der aufgegebenen Förderstellen und der Giftmüllgrube in Brüchau. Großzügig wurde eine Geldspende in Höhe von 2.500 Euro der Kinder- und Jugendfeuerwehr Salzwedels übergeben – 2.500 Euro nach mehr als 25 Jahren förderabgabenfreier Gasförderung – dass man sich nicht schämt, dies überhaupt bekannt zu machen!

https://www.volksstimme.de/lokal/salzwedel/rueckblick-erdgas-sorgt-fuer-aufschwung/

übernimmt überwiegend den PM-Text von Neptune Energy, hier zu vergleichen

https://www.neptuneenergy.de/en/news/50-jahre-erdgasforderung-in-der-altmark/

Die Veranstaltung von Neptune Energy sollte Harmonie und freundliches Miteinander vermitteln und man blendete naturgemäß alle negativen Begleiterscheinungen aus.

Dies veranlasste die Bürgerinitiative

Saubere Umwelt & Energie Altmark

Glückwünsche der etwas anderen Art öffentlich zu überbringen, in denen das, was Neptune ausblendet, sichtbar wird.

Der Offene Brief an Neptune Energy und die Presse:

Glückwunsch den Ingenieuren zu ihrer Pionierleistung!

Glückwunsch den Arbeitern auf der Bohrstelle, die beim Rohrewechseln im Quecksilber standen und mit Gehirn- und Nervenschäden bis heute überlebt haben.

Glückwunsch GdF-Suez und Neptune-Energy, die deren Ansprüche auf Anerkennung und Entschädigung für toxische Erkrankungen bis auf ganz wenige Ausnahmen 50 Jahre lang abwimmeln konnten.

Glückwunsch, dass Sie es 30 Jahre lang geschafft haben, die Sanierung der mit Giften gefüllten über 600 Bohrschlammgruben, die bis zur „Wende“ einfach nur zugeschoben wurden, zu vergessen. 

Gottseidank kümmert sich seit kurzem ein Arbeitskreis von LAF (Landesamt für Altlastenfreistellung), BI (Bürgerinitiative -Saubere Umwelt und Energie -Altmark), Bauernverband und Umweltamt um deren Sanierung, die Sie dann mit nur 10% mitfinanzieren werden. 

Glückwunsch, dass Sie auch den „Silbersee“ bei Brüchau trotz Entzugs der wasserrechtlichen Erlaubnis im Jahr 2001 noch bis 2012 mit hochtoxischen Stoffen befüllt und es bis heute geschafft haben, seine Sanierung hinauszuzögern. 

Glückwunsch, dass Sie sich beim Aufspüren von Havarien der inzwischen maroden Leitungen für Lagerstättenwasser auf aufmerksame Altmärker verlassen können, bevor Ihr Leitungsüberwachungssystem den Druckabfall anzeigt. 

Glückwunsch, dass Sie die Pläne zur CO2-Verpressung nach öffentlichem Druck aufgegeben haben. 

Glückwunsch, dass Sie durch das bis vor einigen Jahren angewandte Fracking praktisch dessen Verbot durch die Landesregierung wegen unabwägbarer Umweltschäden erwirkt haben. 

Ja, zur DDR-Zeit haben Sie Tausenden Arbeit gegeben, aber auch unter Inkaufnahme vieler Schädigungen für Menschen und Umwelt. Heute beschäftigen Sie noch 70 Personen. 

Bei einer Jubiläumsfeier sollte man auch den Mut haben, die Schattenseiten klar zu benennen. Doch Ihren Geldgebern 

  • China Investment Corporation (49%)
  • The Carlyle Group (30,6%)
  • CVC Capital Partners (20,4%)

hätte das wahrscheinlich nicht gepasst. Diese sind an Gewinnzahlen, nicht an Aufrichtigkeit interessiert.

Feiern Sie sich, rückwärtsgewandt, weiter, bis die Zukunft Sie mit sauberen erneuerbaren Energien einholen wird! 

Oder: Nehmen Sie sich Usedom und Märkisch Buchholz zum Vorbild auch für die Altmark. Dort haben Sie Ihre Gas- und Ölförderabsichten nach heftigem Widerstand der Bevölkerung aufgegeben. Beseitigen Sie in der Altmark die von Ihnen erzeugten Altlasten und lassen Sie die 20% Restgas im Boden!

Mit nachdenklichem Gruß

i. A. Dr. Ernst Allhoff 

 Veröffentlicht von am 30. August 2019

Muss Bundesregierung Fehler der Fracking-Kommission einräumen?

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Aug 262019
 

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der LINKEN, ist dieser Frage nachgegangen und schreibt dazu:
„Mein Nachhaken in Sachen Arbeit der Fracking-Kommision hat sich gelohnt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung musste nach meiner Beschwerde über die Beantwortung von Schriftlichen Fragen sowie einer weiteren Frage von mir einen erheblichen Fehler der Fracking-Kommission einräumen“, erklärt Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der LINKEN. „So wurde die Öffentlichkeit bei der Angabe des Termins für die Abgabe von Stellungnahmen zum Jahresbericht der Fracking-Kommission in die Irre geführt.“


Zdebel weiter:
„Statt alle Stellungnahmen, die am letzten Tag der Einreichungsfrist eingingen, zu berücksichtigen, hat die Kommission den Redaktionsschluss an diesem Tag vorverlegt. Auf meine Fragen hin musste die Bundesregierung die Fracking-Kommission nun darauf hinweisen, ,den Redaktionsschluss zukünftig genauer zu definieren, um Unklarheiten in Bezug auf die Abgabefrist zu vermeiden‘. Das ist eine schallende Ohrfeige für die Fracking-Kommission und wirft erhebliche Fragen zu ihrer Kompetenz auf. Wenn die Fracking-Kommission noch nicht einmal in der Lage ist, Fristen korrekt anzugeben und einzuhalten, ist das Schlimmste für eine ernsthafte Beteiligung der Öffentlichkeit und eine seriöse Bewertung der mit der Fracking-Technik verbundenen Probleme zu erwarten.

Allerdings bleibt auch die Rolle der Bundesregierung bei diesem Vorgang undurchsichtig. So stellt sich die Frage, warum die auf der Sitzung der Fracking-Kommission anwesenden Vertreter des Bundesforschungsministeriums und des Bundeswirtschaftsministeriums diesen Hinweis nicht bereits dort gegeben haben. Und warum war die Bundesregierung so schlecht über die am Abgabetag eingereichten Stellungnahmen informiert, dass sie diese in ihren Antworten auf meine Fragen erst bestritt und nur auf meine Beschwerde hin eingestehen musste? Und warum zeigt die Bundesregierung demonstratives Desinteresse an der Arbeit der Fracking-Kommission? Dies zeigt sich daran, dass sie beständig Fragen nach ihrer Arbeit mit der schematischen Aussage abblockt, die Kommission sei unabhängig. Dabei verwechselt sie bewusst die Erteilung von Weisungen an die Kommission mit Nachfragen an diese. Hier drängt sich der Eindruck auf, dass die Bundesregierung das falsche Spiel der Fracking-Kommission gegenüber der Öffentlichkeit deckt und nur das zugibt, was bereits offenkundig ist.“ 

Meine drei Fragen an die Bundesregierung und die Antwort, meine Beschwerde und die Antwort auf die Beschwerde sind dokumentiert unter
http://www.hubertus-zdebel.de/wp-content/uploads/2019/08/Antwort-Korrektur-Schriftliche-Fragen-7252-bis-254.pdf

Meine weitere Frage an die Bundesregierung und die Antwort sind dokumentiert unter
http://www.hubertus-zdebel.de/wp-content/uploads/2019/08/SF_8_28_Zdebel.pdf

 Veröffentlicht von am 26. August 2019
Aug 162019
 

Am 29. Juli 2019 informierte die niedersächsische Landesregierung die Bevölkerung darüber, dass im Landkreis Grafschaft Bentheim seit Anfang 2014 möglicherweise bis zu 220.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser (LAWA) in den Untergrund gelangt sind. Ursache sollen Leckagen an der Einpressbohrung Emlichheim 132 der Firma Wintershall DEA sein. Dabei soll das stark salzhaltige Lagerstättenwasser nach Einschätzung von Wintershall Dea einen oberen Grundwassereinleiter erreicht haben. Dieser Grundwasserschaden ist vermutlich einer der größten Umweltschäden in der Geschicht der deutschen Erdölförderung. (Wir berichteten bereits hier.)

Wintershall DEA hat zum großen Grundwasserschaden von Emlichheim inzwischen das hier verlinkte „Factsheet“ – besser: „alternative Faktenblatt“ – auf seiner Website bereitgestellt.

Wintershall DEA stellt darin auf Seite 3 dar, dass ab 36 m Tiefe bereits natürlich versalztes Grundwasser anfängt. LAWA wurde im Bereich 99-109 m Tiefe festgestellt. Weiter schreibt Wintershall DEA: „Das Lagerstättenwasser weist Chloridkonzentrationen in einer Größenordnung von ca. 30 bis 50 g/l auf. Damit ist der Chloridgehalt des Lagerstättenwassers etwa doppelt so hoch wie im Meerwasser der Nordsee.“

Das ist eine für Wintershall typische Verharmlosung. Das Nordseewasser mit einem Chloridgehalt von 19,3 g/l würde niemand trinken und auch nicht zur Bewässerung in Gärten und Landwirtschaft verwenden, da boden-, pflanzen und wasserschädlich. Diese Argumentation hatte Wintershall bereits früher versucht im Zusammenhang mit der Bohrschlammgrube Bohlsen/Lk. Uelzen.

Die Angaben im Factsheet zum natürlich versalzten Grundwasser widersprechen den hier verlinkten Angaben im Nibis-Kartenserver des LBEG.

Für den Bereich bei der Em 132 ist kein versalzter Grundwasserkörper angegeben, wohl aber für einen Bereich südlich von Emlichheim. Bei Klick auf die blaue Fläche erscheint folgender Text:

„Unterer Teil des Grundwasserleiters versalzt (>250 mg/l Chlorid). Einschränkungen der Trinkwassergewinnung möglich.“

Nachfolgend das Verhältnis Salzgehalt, hier als Parameter Chlorid, von Lagerstättenwasser in Emlichheim zu unbelastetem Grundwasser:

Chlorid-Gehalt
52.100 mg Cl/l          Eingepresste Lagerstättenwasser (Quelle: Schreiben des Wirtschaftsministeriums von 2. August 2019)

24 mg Cl/l           NLWKN-Grundwassermessstellen Kleinringerwösten I (3,5 km südöstlich von EM 132) und Volzel I, Zeitraum 2006 bis 2017  (Quelle: Wasserbuch des Landes Niedersachsen)

Das hochsaline Lagestättenwasser ist ca. 2.100 fach höher mit Chlorid verschmutzt als das vorhandene obere Grundwasser in ca. 10 m Tiefe.

Die nächste Grundwassermessstelle bei der EM 132 ist hier.

Forderungen an Wintershall DEA/LBEG/Wirtschaftsministerium sind:

1. Zur Transparenz sind die Daten der gemessenen Grundwasseranalysen zu veröffentlichen, insbesondere die Daten der zur Zeit abgeteuften Grundwassermessstelle und in den Tiefen zwischen 100 bis 10 m unter Gelände.
2. Veröffentlichung der Komplettanalyse des LAWA
3. Daten der neuen (in April 2019 hergestellten) Grundwassermessstellen, welche alle max. 10,0 m tief sind.
4. Steigen die im LAWA enthaltenen Kohlenwasserstoffe wie z.B. Benzol, MKWs in flüssiger oder gasförmiger Form nach oben auf im Grundwasserkörper, da sie ja leichter sind als das Grundwasser?
5. In der Pressekonferenz, bei 12.10 min im Video nannte Klaus Sönthgerath/LBEG kurz die Em 121, korrigierte aber gleich zu EM 132. Die Em 121 (ebenfalls 1954 gebohrt) befindet sich auf dem gleichen Gelände wie die Einpressbohrung Em 132 und ist verfüllt. Gab es an der Bohrung Em 121 ebenfalls Korrosionsschäden oder andere Schäden?

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Bernd Ebeling (15.08.2019). Vielen Dank für die Veröffentlichung.

 Veröffentlicht von am 16. August 2019

Bericht zum Juli 2019 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Aug 142019
 

Berichtszeitraum 13. Juli bis 9. August 2019

Foto: pixabay

Im Berichtszeitraum stagnierte die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme.
Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme, einer Abnahme um 3 Türme im Juni, nahm im Juli ihre Zahl nur um 1 Turm ab.
.
Diese Abnahme ergab sich durch eine kräftige Stilllegung von Ölbohrtürmen in den USA und einer deutlichen Zunahme von Gas- und Ölbohrtürmen in Kanada.
Die Zahl der Türme in den USA sank auf 934, während die in Kanada auf 140 stiegen.

In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiter deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14.12.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Frbruar auf 58,34 USD/barrel. Zur Zeit werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von circa 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.
Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den Juniwochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12.07.2019. Danach jedoch sackte der Preis wieder ab und steht zur Zeit bei 52,31 USD/barrel.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18.01.2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Je nach dem Agieren Russlands auf der Rohölangebotsseite kann die OPEC-Politik wirkungslos werden. Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost.
Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen.
Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben.
Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Juli wieder unterschiedlich. In den USA nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Ölbohrtürme um 24 ab, in Kanada dagegen um 23 Türme zu.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn:

Monat
gesamt im Einsatz USA
Kanada
USA Rohölpreis WTI USD/barrel
Ende 71.17895822046,00

Ende 8
1.15794021746,81
Ende 91.15593522052,13

Ende 10
1.11591320251,94

Mitte 11
1.09088919254,27

3. Wo 11
1.11090720357,03
4. Wo 111.12391520856,18

15.12.17
1.16893023856,64

19.01.18
1.26193632563,72

16.02.18
1.29397531860,74

16.03.18
1.20999021960,85

13.04.18
1.1101.00811766,74

18.05.18
1.1291.0468371,50

15.06.18
1.1981.05913966,60

13.07.18
1.2511.05419770,60

17.08.18
1.2691.05721265,00

14.09.18
1.2811.05522670,30

12.10.18
1.2581.06319571,31

09.11.18
1.2771.08119661,59

14.12.18
1.2451.07117451,20
18.01.191.2591.05020952,32

15.02.19
1.2751.05122453,34
15.03.191.1871.02618158,34
12.04.191.0881.02266
64,47
10.05.191.051
988
6361,99
07.06.19 1.078 975 103
51,70
12.07.19 1.075 958 117
60,27
09.08.19 1.074 934
140
52,31

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 858 Bohrtürme und 215 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (454), Oklahoma (86), New Mexico (109), Louisiana (59), North Dakota (47), Pennsylvania (37), Wyoming (36), Colorado (32), West Virginia (20) Kalfornien (18) und Ohio (15).

Den mehr als 20-prozentiigen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 07.06.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20.06. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12.07.19 und bis zum 09.08.19 ein kontinuierlicher Rückgang bis auf 2,083 USD/mmBtu.

Die internationalen Bohraktivitäten veränderten sich um 24 Türme. 1.162 Bohrtürme werden weltweit im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18.01.2019 haben weiter Bestand.
Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverholen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Doch er hat den Heißsporn John Bolton an seiner Seite, der ständig drängt, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren. Die Lage ist also so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht.

Die Rohölspekulanten warten nur auf den ersten Schuss, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keinerlei Ölknappheit gibt. (vor Rotterdam liegen wie eh und je mindestens 40 mit 350.000 Tonnen Rohöl beladene Tanker auf Reede und warten auf günstige Preise) Russland wird mit seinem Rohöl-Angebotsvolumen zum Schlüsselanbieter werden, erst recht, da der Iran seine großen Kapazitäten nicht in den Markt bringen kann, wie die neuesten Analysen zeigen.
Donald Trump zündelt weiter und wir alle können nur hoffen, das niemand die Nerven verliert.
Und nun kommt noch Indien mit seiner geänderten Kaschmirpolitik dazu, die Pakistan herausfordert.


Volker Fritz

im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 14. August 2019

„Sonderbericht“ des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), 08.08.2019

 International, Klima, Risiko: Klimaerwärmung, Verbände und NGOs  Kommentare deaktiviert für „Sonderbericht“ des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), 08.08.2019
Aug 132019
 

Vorläufiger „Sonderbericht“ des IPCC ( Intergovernmental Panel on Climate Change) vom 08.08.2019

Das IPCC wird in seinen Aussagen zu Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltigem Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse jetzt immer deutlicher.

Weitere „Zwischenberichte“ sollen in kurzen Abständen folgen.
Es bleibt abzuwarten, wie unsere Politiker zukünftig in Bezug auf den Klimawandel entscheiden werden.

https://www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_SRCCL.pdf

 Veröffentlicht von am 13. August 2019
Aug 132019
 

Ärzte sorgen sich über die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit

Im Ärzteblatt vom 05.08.2019 sind Artikel zum Thema Erderwärmung erschienen: Für Interessierte nachfolgende Links.

Editorial und drei Originalarbeiten aus Deutschland:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/209068/Erderwaermung-ein-Blick-auf-Deutschland

https://www.aerzteblatt.de/archiv/209065/Zukuenftige-Haeufigkeit-temperaturbedingter-Herzinfarkte-in-der-Region-Augsburg

https://www.aerzteblatt.de/archiv/209075/Assoziation-von-Klimafaktoren-mit-Wundinfektionsraten

https://www.aerzteblatt.de/archiv/209069/Gesundheitsgefahren-und-Interventionen-bei-anstrengungsbedingter-Ueberhitzung

Bericht über Amerikas Ärzte:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/209129/Klimawandel-Amerikas-Aerzte-schalten-sich-in-Debatte-um-Klimawandel-ein

 Veröffentlicht von am 13. August 2019

Pressemitteilung BBU: Große Defizite im Entwurf des Rahmenbetriebsplans für Kavernenanlage Etzel

 Pressemitteilung BBU  Kommentare deaktiviert für Pressemitteilung BBU: Große Defizite im Entwurf des Rahmenbetriebsplans für Kavernenanlage Etzel
Aug 112019
 

BBU legt umfangreiche Stellungnahme zum Entwurf des Rahmenbetriebsplans für die Kavernenanlage Etzel vor
(Bonn, Hannover, 23.07.2019) Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU e.V.) hat im Beteiligungsverfahren des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) zum Rahmenbetriebsplan der Storag Etzel GmbH für die Kavernenanlage Etzel eine umfangreiche Stellungnahme (pdf) vorgelegt. Die Kavernenanlage Etzel ist ein in der ostfriesischen Gemeinde Friedeburg liegender Untergrundspeicher für Erdöl und Erdgas. In der am 19.7.2019 an das LBEG übermittelten Stellungnahme werden zahlreiche Defizite des Rahmenbetriebsplans dargestellt. Der BBU fordert daher die Überarbeitung des Entwurfs des Rahmenbetriebsplans und eine erneute Auslegung im Rahmen eines bergrechtlichen Planfeststellungverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt hierzu: „Die Defizite ziehen sich durch den gesamten Entwurf des Rahmenbetriebsplans. So fehlt bereits eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Gebirgsmechanik und seismische Ereignisse werden nur unzureichend berücksichtigt. Zudem ist das Wasserschutzgebiet Klein Horsten bei möglichen Leckagen gefährdet. Auch fehlen im Rahmenbetriebsplan eine hinreichende Berücksichtigung und Überarbeitung des Sicherheitsberichts nach der Störfall-Verordnung für die Kavernenanlage und eine Überprüfung der Modellierungen für Störfallauswirkungen. Dadurch werden die Gefahren durch Gaswolkenexplosionen und der entstehenden Wärmestrahlung unterschätzt. Die Unterlagen sind daher von Grund auf zu ergänzen und überarbeiten.“

Besonders entsetzt den BBU der kürzlich vorgestellte Sicherheitsbericht, der im Zusammenhang mit dem Rahmenbetriebsplan zu betrachten ist. Hier werden etablierte Standards zum Schutz Dritter weitgehend missachtet. So wollen Betreiber und LBEG kein Problem darin sehen, dass im Brandfall 12 kW/m2 an Wärmestrahlung auf die Nachbarschaft einwirken. – Eine Hitze, die innerhalb von Sekunden zu schwerwiegenden Verbrennungen führt.

Die Stellungnahme des BBU ist abrufbar unter https://bbu-online.de

Direktlink: https://bbu-online.de/Stellungnahmen/BBU%20Stellungnahme_BBU_Etzel.pdf

Wasserstress. Frage an Niedersachsens Minister Olaf Lies (SPD)

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Aug 102019
 

Wolfenbüttel, den 07.08.2019
An Herrn Minister Olaf Lies, Umweltministerium Niedersachsen

Betreff: Ihr Interview mit REPORT München im Rahmen der Sendung „Der Kampf ums Wasser beginnt“ vom 06.08.2019 – Kontingentierung des Grundwassers für die Landwirte begrenzt, um genug Wasser für die Trinkwasserversorgung zu sichern.

Sehr geehrter Herr Minister Lies,

wir stellen uns die Frage, ob Ihre Kontingentierungsmaßnahme – zum Schutz des trinkbaren Grundwassers, das ja in Niedersachsen für das Trinkwasser von herausragender Bedeutung ist, von Ihnen auch an das Wirtschaftsministerium in NDS geleitet wurde – mit der Maßgabe, dass das LBEG sofort darüber zu informieren sei. Denn die Aktivitäten des LBEG und der von diesem als Aufsichtsbehörde zu überwachenden Öl- und Erdgas-Förderunternehmen in NDS stellen eine permanente Bedrohung des trinkbaren Grundwassers in NDS dar. In der Vergangenheit wurde recht leichtfertig mit eben dieser Schutzverpflichtung zur Erhaltung der Trinkbarkeit des Grundwassers umgegangen, bis hin zur Genehmigung zahlreicher Förder- und Verpressbohrungen in ausgewiesenen Wasserschutzgebieten und selbst auch in Wassereinzugsgebieten zur Gewinnung von Trinkwasser.

Nun ist – erstmals – eine bedenkliche Situation hinsichtlich der entnehmbaren Grundwassermengen eingetreten. Doch durch den Klimawandel werden sich die verfügbaren Grundwassermengen in NDS künftig verringern, weil weniger Regenfälle zur Grundwasser-Neubildung durch Versickern zu erwarten sind. Die Kohlenwasserstoff-Förderung – samt der Verpressung giftiger Abfallflüssigkeiten in den tiefen Untergrund – ist eine große Bedrohung für das trinkbare Grundwasser. Das Allermindeste sollte die schnellstmögliche Beendigung der Verpressung der Abfallflüssigkeiten aus der Förderung und Aufbereitung sein, um weiteren Schadensquellen vorzubeugen. Viele Millionen m3 Giftbrühe sind schon in den über 200 Verpressbohrungen in Niedersachsen „verschwunden“ – nur „weg“ sind sie nicht, sie vagabundieren im Untergrund und werden zu Zeitbomben, wie die Erfahrung in den USA gezeigt hat.

Oder, sehr geehrter Herr Minister, bewerten Sie im Vergleich KW-Förderung zur Trinkwasser-Sicherung anders als bei den Beregnungswünschen der Agrarproduzenten?

Gern würde ich von Ihnen dazu hören.


Mit freundlichen Grüßen
Volker Fritz

im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 10. August 2019

Pressemitteilung Hubertus Zdebel (MdB, DIE LINKE): Skandalserie um die Fracking-Kommission setzt sich fort (2. August 2019)

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Aug 052019
 

Zunächst „Gegen Gasbohren“ in eigener Sache:

Wir von „Gegen Gasbohren“ sind ein bundesweiter loser Zusammenschluss von Bürgernitiativen bzw. Interessengemeinschaften. Wir sind unabhängig und frei und keiner Partei angeschlossen. Jede Initiative spricht für sich, aber im Sinne der Korbacher und Loccumer Erklärungen.

Vermehrt haben wir in der letzten Zeit auf unserer Homepage Pressemitteilungen von Hubertus Zdebel (DIE LINKE) veröffentlicht, weil der Bundestagsabgeordnete gezielt das Thema Fracking mit all seinen Facetten anspricht, das Thema, mit dem sich „Gegen Gasbohren“ intensiv beschäftigt. Natürlich würden wir auch gern Pressemitteilungen anderer demokratischer Parteien veröffentlichen, wenn sie der Zielsetzung von „Gegen Gasbohren“ entsprechen.


Hier die Pressemitteilung von Hubertus Zdebel (MdB, DIE LINKE) vom 2. August 2019

Skandalserie um die Fracking-Kommission setzt sich fort
„Es ist ein Stück aus dem Tollhaus“, erklärt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) zu den Antworten der Bundesregierung auf seine Schriftlichen Fragen zur von der Bundesregierung eingesetzte Fracking-Expertenkommission. „Das Forschungsministerium behauptet, bei der Fracking-Kommission seien keine Stellungnahmen zu ihrem Jahresberichtsentwurf eingegangen. Das entspricht aber nachweislich nicht der Wahrheit.“

Zdebel weiter: „Zumindest der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz hat eine Stellungnahme [pdf] abgegeben, die auch auf seiner Homepage dokumentiert ist. Und auf meine weiteren Fragen zur Fracking-Kommission gab es nur eine nichtssagende Antwort. Das lässt befürchten, dass auch die weitere Arbeit der Kommission, insbesondere in Hinblick auf Empfehlungen zur Überprüfung des Fracking-Verbots in bestimmten Gesteinsarten, weitgehend im Dunkeln geschehen soll. Die undurchsichtige Praxis der Fracking-Kommission muss sich unverzüglich ändern. Ich fordere die Bundesregierung auf, endlich die Karten auf den Tisch zu legen und Transparenz zu schaffen. Daher habe ich die Bundesministerium für Bildung und Forschung in einem förmlichen Schreiben aufgefordert, seine Antworten zu korrigieren.

Die von mir gestellte Anfrage und kritische Nachfragen der ‚tageszeitung‘ (taz) haben zudem bereits Wirkung erzielt. So ist inzwischen das Protokoll der letzten Sitzung der Fracking-Kommission auf ihrer Homepage abrufbar. Das Protokoll dieser Sitzung [pdf] hat es in sich: Denn die Sitzung wurde am 25.6.2019 durchgeführt – dem letzten Tag, an dem die Öffentlichkeit Stellung zum Berichtsentwurf nehmen konnte. An diesem Tag hat die Fracking-Kommission die Endfassung des Berichts verabschiedet, ohne abzuwarten, welche Stellungnahmen der Öffentlichkeit bis 24.00 Uhr bei ihr eingehen. Die Öffentlichkeit kann demzufolge zwar Stellungnahmen abgeben, für die Formulierung der Endfassung des Jahresberichts sind sie offensichtlich ohne Bedeutung. Damit hat die Kommission gezeigt, dass für sie Öffentlichkeitsbeteiligung eine leere Worthülse ist und sie problemlos bereit ist, selbst gesetzte Regeln zu Lasten der Öffentlichkeit zu brechen. Hinsichtlich der Nichteinbeziehung von Stellungnahmen der Öffentlichkeit in den Kommissionsbericht habe ich am 1.8. eine weitere Schriftliche Frage an die Bundesregierung [pdf] gestellt.“

Auch die Berliner tageszeitung hat in ihrer Ausgabe vom 2.8.2019 die Vorgänge um die Fracking-Kommission zum Thema gemacht:
https://taz.de/ExpertInnenkommission-Fracking/!5610506/

Die Skandalserie um die Fracking-Kommission ist dokumentiert unter:
http://www.hubertus-zdebel.de/wp-content/uploads/2019/08/2019-08-02-Skandalserie-um-die-Fracking-Kommission-Zdebel.pdf

Die Antworten der Bundesregierung auf die Schriftlichen Fragen ist dokumentiert unter:
http://www.hubertus-zdebel.de/wp-content/uploads/2019/08/SF_07_252_253_254_Fracking-Kommission-Bericht-Zdebel.pdf

Der Beschwerdebrief an das BMBF ist dokumentiert unter:
http://www.hubertus-zdebel.de/wp-content/uploads/2019/08/2019-08-01-Bitte-um-Korrektur-Antworten-Einzelfragen-Expertenkommission-Fracking_Zdebel.pdf

Die schriftliche Frage an die Bundesregierung vom 1.8.2019 ist dokumentiert unter:
http://www.hubertus-zdebel.de/wp-content/uploads/2019/08/2019-08-01-schriftl-Fragen-Stellungnahmen-Berichtsentwurf-Expertenkommission-Fracking.pdf

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Vermutlich größter Grundwasserschaden in der Geschichte der deutschen Erdölförderung – Lagerstättenwasser-Skandal in Niedersachsen. Wintershall Dea verunreinigt Grundwasser

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Jul 312019
 

Pressemitteilung vom 31.07.2019

Am 29. Juli 2019 informierte die niedersächsische Landesregierung die Bevölkerung darüber, dass im Landkreis Grafschaft Bentheim seit Anfang 2014 möglicherweise bis zu 220 000 Kubikmeter Lagerstättenwasser in den Untergrund gelangt sind. Ursache sollen Leckagen an der Einpressbohrung Emlichheim 132 der Firma Wintershall DEA sein. Dabei soll das stark salzhaltige Lagerstättenwasser nach Einschätzung von Wintershall Dea einen oberen Grundwassereinleiter erreicht haben.

Dr. Reinhard Knof (Kein CO2-Endlager e.V., Schleswig-Holstein): „Wie kann es sein, dass solche extremen Verunreinigungen über vier Jahre hinweg unbemerkt erfolgen können und weder der Betreiber noch das für die Aufsicht zuständige Bergamt etwas bemerkt haben? Seit Anfang 2019 weiß die Regierung über den Skandal Bescheid. Warum wird die Bevölkerung nicht informiert? Wie viele Bohrungen sind eigentlich noch undicht? Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit unseres am 2. September startenden Volksbegehrens zum Schutz des Wassers in Schleswig-Holstein noch einmal deutlich. Mit den Gesetzesinitiativen soll der Schutz des Wassers bei Bergbauvorhaben verbessert und Behörden und Gemeinden Transparenz im Umgang mit brisanten Unternehmensinformationen möglich werden.“

Bernd Ebeling, Wasserwirtschaftsingenieur aus Niedersachsen: „Über einen langen Zeitraum gelangten hoch saline Lagerstättenwässer aus der Erdölproduktion in unbelastetes Grundwasser. Das eingepresste Lagerstättenwasser mit einem Salzgehalt von 200 bis 300 g pro Liter ist ca. 10.000 mal höher mit Salzen belastet als unbelastetes Grundwasser. Bei kompletter Vermischung des ausgeströmten Lagerstättenwassers mit dem anstehenden unbelastetem Grundwasser wären bis zu 220 Mio. m³ versalzen und somit für eine Trinkwassergewinnung oder Verwendung für die Landwirtschaft unbrauchbar.“

Sigrun Franzen (Berliner Wassertisch): „Der größte deutsche Erdölförderer Wintershall DEA hat vermutlich einen der größten Grundwasserschäden in der Geschichte der deutschen Ölförderung verursacht. Die Öl- und Gasförderung gefährdet unser immer knapper werdendes Grundwasser und damit unsere Trinkwasserversorgung. Damit muss endlich Schluss sein!“

Weder Betreiber noch Bergamt scheinen diesem Schaden Beachtung zu schenken, denn am 26. Juli 2019, also genau drei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe des Lagerstättenwasseraustritts, wurde mitgeteilt, dass die Wintershall Dea Deutschland AG im Erlaubnisfeld Unterweser bis zum 31. Juli 2021 weiter nach Kohlenwasserstoffen suchen darf.

Hintergrund:
Bei der Erdgas- und Erdölförderung fällt Lagerstättenwasser an. Es gelangt bei der Förderung automatisch an die Tagesoberfläche. Die Zusammensetzung variiert je nach Lagerstätte. Es besteht aus Wasser, gelösten Salzen, Kohlenwasserstoffen und kann Schwermetalle und natürliche radioaktive Stoffe enthalten. Im vorliegenden Fall soll das Lagerstättenwasser u.a. Strontium und Barium enthalten. Bei einer Einpressbohrung wird das Lagerstättenwasser wieder zurück in die Öl- oder Gaslagerstätte geleitet. Undichte Leitungen und Verrohrungen sind bei der Öl- und Gasförderung keine Ausnahme, sondern treten regelmäßig auf, auch in Deutschland. In Schleswig-Holstein beispielsweise sind 98 Schadensfälle im Zusammenhang mit der Ölförderung bekannt geworden. Die meisten dieser Schäden sind der Wintershall DEA, bzw. deren Vorgängerunternehmen zur Last zu legen.

Bericht zum Juni 2019 Bohrtürme im Einsatz für die Öl- und Erdgasförderung in Nordamerika

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Jul 172019
 

Berichtszeitraum 8. Juni bis 12. Juli 2019

Foto: pixabay

Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Bohrtürme wieder leicht ab, allerdings in sehr bescheidenem Rahmen.
Nach insgesamt 88 stillgelegten Bohrtürmen im Februar, 99 im März, 37 im April und einer leichten Zunahme im Mai um 27 Türme erfolgte jetzt im Verlauf der 5 Wochen eine Abnahme um 3 Türme.
Diese Abnahme ergab sich durch eine kräftige Stilllegung von Gasbohrtürmen in den USA und in Kanada, die durch die gleichzeitige Zunahme der in Kanada im Einsatz befindlichen Ölbohrtürme nicht ausgeglichen werden konnte.
Die Zahl der Türme in den USA sank auf 958, während die in Kanada auf 117 stiegen.

In Summe bleibt damit das Einsatzvolumen in Nordamerika weiter deutlich unter der bereits im Februar 2018 erreichten Zahl von insgesamt 1.293 Türmen.

Die Rohölpreise auf WTI-Basis notierten am 14. Dezember.2018 bei 51,20, sackten dann bis zum Jahreswechsel auf 46,32 USD/barrel ab und stiegen danach wieder kontinuierlich bis auf 53,34 USD/barrel an und bis Ende Ferbruar auf 58,34 USD/barrel. Zurzeot werden 64,47 USD/barrel gehandelt. Damit lagen die erzielbaren Marktpreise für US-Fracking-Öl wieder über der Rentabilitätsschwelle von circa 60 USD/barrel für US-Fracking-Öl. Im Verlauf des April gaben die WTI-Notierungen aber wieder leicht nach auf 61,99 USD/barrel und auch im Mai fielen die Notierungen für WTI weiter auf 51,70 USD/barrel.
Die politisch bedingten Preiswetten auf Rohöl in den letzten Wochen führten zum Preisanstieg für WTI-Rohöl auf 60,27 USD/barrel per 12. Juli 2019.

Meine Kommentare zu den möglichen Markthintergründen sind dem Bericht zum Jahreswechsel vom 18. Januar 2019 zu entnehmen. Hinzu kommt, dass Russland jetzt einen sehr starken Einfluss auf die OPEC-Länder hat, obwohl es kein OPEC-Mitglied ist. Je nach dem Agieren Russlands auf der Rohölangebotsseite kann die OPEC-Politik wirkungslos werden. Entsprechend groß ist jetzt der Einfluss Präsident Putins auf die OPEC-Länder – besonders in Nah- und Mittelost.
Der weitgehende Rückzug der USA aus diesem Gebiet kommt Putin sehr gelegen.
Ein erster sichtbarer Erfolg ist Putin in der Türkei gelungen, indem Erdogan – gegen den ausdrücklichen Wunsch der NATO-Partner und besonders der USA, ein modernes russisches Raktenabwehrsystem beschafft, anstatt im NATO-System zu bleiben.
Die Türkei ist auf dem Weg, sich als NATO-Partner zu verabschieden, wodurch neue Konflikte heraufbeschworen werden dürften und die US-Stützpunkte in der Region nicht mehr sicher sein werden.

Die Entwicklung in den USA und in Kanada verlief im Juni wieder unterschiedlich. In den USA nahm die Zahl der im Einsatz befindlichen Ölbohrtürme um 17 ab, in Kanada dagegen um 14 Türme zu.

Nachfolgend noch einmal die Entwicklung, nachdem es in den Monaten vor Juli 2017 eine stete Zunahme der im Einsatz befindlichen Bohrtürme gegeben hatte und im Juli Stillstand und danach einen Rückgang – mit erneuter Belebung zum Jahresbeginn:

Monat
gesamt im Einsatz USA
Kanada
USA Rohölpreis WTI USD/barrel
Ende 71.17895822046,00

Ende 8
1.15794021746,81
Ende 91.15593522052,13

Ende 10
1.11591320251,94

Mitte 11
1.09088919254,27

3. Wo 11
1.11090720357,03
4. Wo 111.12391520856,18

15.12.17
1.16893023856,64

19.01.18
1.26193632563,72

16.02.18
1.29397531860,74

16.03.18
1.20999021960,85

13.04.18
1.1101.00811766,74

18.05.18
1.1291.0468371,50

15.06.18
1.1981.05913966,60

13.07.18
1.2511.05419770,60

17.08.18
1.2691.05721265,00

14.09.18
1.2811.05522670,30

12.10.18
1.2581.06319571,31

09.11.18
1.2771.08119661,59

14.12.18
1.2451.07117451,20
18.01.191.2591.05020952,32

15.02.19
1.2751.05122453,34
15.03.191.1871.02618158,34
12.04.191.0881.02266
64,47
10.05.191.051988
6361,99
07.06.19 1.078 975 103
51,70
12.07.19 1.075 958 117
60,27

Insgesamt sind jetzt in Nordamerika 896 Bohrtürme und 205 Gasbohrtürme aktiv.

Die Gebiete der Hauptaktivitäten sind in USA: Texas (456), Oklahoma (98), New Mexico (102). Louisiana (69), North Dakota (55), Pennsylvania (37), Wyoming (32), Colorado (31), West Virginia (22) und Ohio (18).

Den mehr als 20-prozentigen Rückgang der Rohölpreise seit Mitte Oktober 2018 führen die Länder der OPEC-Gruppe auf das erhöhte Angebot in den Monaten ab Juli 2018 zurück. Auch die Entwicklung der Erdgaspreise auf der Basis Henry Hub spiegelt diese Entwicklung wider. Der Henry Hub Gaspreis ist nach zwischenzeitlich mehr als 4,60 USD/mmBtu und 2,811 USD/mmBtu Mitte Mai auf 2,94 USD/mmBtu stabil auf niedrigem Niveau, Mitte Juli Stand 2,88 USD/mmBtu. Seit Oktober stieg der Preis dann schrittweise bis 4,40 USD und fiel dann ab Mitte Dezember deutlich bis auf unter 3,00 USD. Am 7. Juni.2019 lag er bei 2,324 USD/mmBtu und fiel bis zum 20. Juni. auf unter 2,20 USD. Danach erfolgte ein leichter Anstieg bis auf 2,453 USD am 12. Juli 2019.

Die internationalen Bohraktivitäten veränderten sich um 12 Türme. 1.138 Bohrtürme werden weltweit im Einsatz außerhalb Nordamerika gemeldet.

Meine Kommentare zur gesamten politisch/strategischen Lage rund um die weltweite Kohlenwasserstoff-Förderung aus dem Bericht vom 18. Januar.2019 haben weiter Bestand.
Der Nachdruck, mit dem Präsident Trump persische Öllieferungen verhindern will und Persien unverholen wiederholt droht, kann jedoch noch allerhand Überraschungen in den nächsten Monaten auslösen. Die Perser haben erkennen lassen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. Wenn Trump dort etwas „vom Zaune bricht“, könnte das seiner Wiederwahl sehr schaden. Doch er hat den Heißsporn John Bolton an seiner Seite, der ständig drängt, gegen den Iran militärische Aktionen zu fahren. Die Lage ist also so unsicher wie schon Jahrzehnte nicht.

Die Rohölspekulanten warten nur auf den ersten Schuss, um die Preise massiv anzuheben, obwohl es noch keinerlei Ölknappheit gibt. (vor Rotterdam liegen wie eh und je mindestens 40 mit 350.000 Tonnen beladene Tanker auf Reede und warten auf günstige Preise) Russland wird mit seinem Rohöl-Angebotsvolumen zum Schlüsselanbieter werden, erst recht, wenn der Iran seine großen Kapazitäten nicht in den Markt bringen kann.
Donald Trump tut den USA mit seiner Politik keinen Gefallen, denn die weltweite Hegemonie wird durch die flatterhafte Vorgehensweise untergraben. Wer will denn einem solcherart geführten Land noch vertrauen?

Volker Fritz

im AK Fracking Braunschweiger Land

 Veröffentlicht von am 17. Juli 2019

BBU: Endfassung des Jahresberichts der Fracking-Kommission entlarvt Öffentlichkeitsbeteiligung endgültig als Farce

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Jul 122019
 

 
(Bonn, Berlin, 10.07.2019) Für den Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU e.V.) zeigt die nun veröffentlichte Endfassung des Jahresberichts der Fracking-Kommission deutlich, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bericht eine Farce war. Der Jahresbericht blieb trotz massiver Kritik fast unverändert. Eine konkrete Darstellung der Kritikpunkte der Öffentlichkeit und aussagekräftige Antworten darauf fehlen auf der Homepage der Kommission fast völlig. Das ist das genaue Gegenteil eines Dialogs auf Augenhöhe. Der BBU fordert, die Kritik der Öffentlichkeit im Original auf der Homepage der Kommission zu veröffentlichen und verlangt von ihr, dazu konkret Stellung zu beziehen. 
Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt hierzu: „Dass die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ein Desaster war, hat die Fracking-Kommission anscheinend selbst gemerkt. Denn nun will sie gemeinsam mit den Bundesministerien für Forschung, Umwelt und Wirtschaft ein Konzept für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erarbeiten. Doch es ist nicht zu erwarten, dass Verbesserungen für Umweltschützer eintreten. Denn in welche Richtung die Kommunikation mit der Öffentlichkeit geht, lässt sich angesichts des Umgangs mit der eingereichten Kritik am Jahresbericht bereits jetzt erahnen. 
So wurde der Entwurf des Jahresberichts fast unverändert als Endfassung übernommen. Die Kritik der Öffentlichkeit und die Reaktion der Kommission werden im Jahresbericht in keiner Weise dargestellt. Stattdessen sollen Kommentare nun in einem Dokument zu regelmäßig gestellten Fragen (FAQ) auf der Kommissions-Homepage behandelt werden. Damit werden Kritikpunkte einfach zu Fragen umdefiniert. Doch auch in dieser Form wird die Kritik des BBU in diesem Dokument kaum aufgegriffen, wie ein Beispiel von vielen zeigt. So hatte der BBU die Möglichkeit der Abgabe von Stellungnahmen angesichts der fehlenden Bekanntmachung als völlig unzureichend kritisiert. Darauf gibt es keine befriedigende Reaktion .Stattdessen findet man die Frage: ‚Wie wurde die Öffentlichkeit über die Webseite der Expertenkommission Fracking informiert?‘. In der Antwort wird insbesondere auf Presseerklärungen der drei betroffenen Ministerien verwiesen, die nach Ablauf der Abgabefrist für Stellungnahmen zum Entwurf des Jahresberichts veröffentlicht wurden und so gar nicht zur Abgabe von Stellungnahme motivieren konnten. So werden Kritikpunkte unsichtbar gemacht und Nebelkerzen geworfen. Auch ansonsten sind die Ausführungen im FAQ-Dokument von einem ‚Weiter so‘ geprägt. Das ist nicht akzeptabel.“ 
Der BBU fordert die Fracking-Kommission auf, ein Dokument zu veröffentlichen, in dem die Kritik der Öffentlichkeit im Original dargestellt wird. Zu diesen Kritikpunkten muss die Fracking-Kommission konkret Stellung beziehen. 
Link zum BBU – Presseerklärungen  https://www.bbu-online.de/Presse.htm

 Veröffentlicht von am 12. Juli 2019

Ernste Sorgen der Wasserverbände um das Wasser

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Jul 052019
 

Positionspapier der Wasserversorger (Mai 2019)
Wasserverbände, vor allem auch in Norddeutschland, machen sich ernste Sorgen um unser Wasser. Es wird zunehmend durch wirtschaftliche Interessen gefährdet und benötigt daher unsere Aufmerksamkeit und unseren besonderen Schutz. Besonders kritisch wird in dem Positionspapier die Erdgas- und Erdölförderung in Wasserschutzgebieten gesehen.
Zitat: „Trinkwasser ist eine unverzichtbare Ressource für denMenschen. In letzter Zeit mehren sich die Ansprüche auf mögliche Nutzungsformen für die oberirdischen Flächen und den unterirdischen Raum von Trinkwassereinzugsgebieten. Die Wasserwirtschaft beobachtetdies mit Sorge, da häufig mögliche Gefahren für das Grundwasser nicht berücksichtigt werden. Bei der Nutzung der Flächen und des Untergrundes muss der Trinkwassergewinnung der Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen eingeräumt werden […]“
Den gesamten Text der Wasserversorger als pdf

 Veröffentlicht von am 5. Juli 2019

BBU: Jahresbericht der Fracking-Kommission – falsche Ziele, unbestimmte Angaben und eine katastrophale Öffentlichkeitsbeteiligung

 Pressemitteilung BBU  Kommentare deaktiviert für BBU: Jahresbericht der Fracking-Kommission – falsche Ziele, unbestimmte Angaben und eine katastrophale Öffentlichkeitsbeteiligung
Jun 282019
 



(Bonn, Berlin, 27.06.2019) Der Jahresbericht 2019 der Expertenkommission Fracking stößt auf deutliche Kritik des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU). Diese Kritik hat der Umweltverband der Fracking-Kommission innerhalb der von ihr gesetzten Frist für die Öffentlichkeitsbeteiligung in einer Stellungnahme (pdf) zum Jahresbericht übermittelt. Die vagen Aussagen über die zukünftige Arbeit der Kommission, die deutlich von ihrem Arbeitsauftrag abweicht, schaffen dabei keine Transparenz, sondern werfen immer neue Fragen auf. Die angesichts fehlender Erprobungsbohrungen notwendige Schlussfolgerung, dass es keinen Gefahrenausschluss für Fracking geben kann, zieht die Kommission nicht. Empörend findet der BBU auch, dass die Art der Öffentlichkeitsbeteiligung durch die Kommission anscheinend das Ziel hatte, die Abgabe von Stellungnahmen zu verhindern. Der BBU fordert eine Überarbeitung des Jahresberichts und eine erneute Öffentlichkeitsbeteiligung.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt: „Aufgabe der Kommission ist die wissenschaftliche Begleitung von Erprobungsbohrungen für Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel und Kohleflözgestein sowie die Ermittlung des Standes der Technik. Damit soll sie die wesentlichen Grundlagen für die in 2021 vorgesehen Überprüfung des Moratoriums von Fracking in diesen Gesteinsschichten schaffen. Da weder Anträge auf derartige Erprobungsbohrungen vorliegen noch Bundesländer in Aussicht gestellt haben, derartige Bohrungen zuzulassen, wird die Kommission ihren zentralen Auftrag nicht erfüllen können. Daher hätte sie bereits jetzt der Bundesregierung mitteilen müssen, dass kein Gefahrenausschluss für Fracking in diesen Gesteinsschichten möglich ist. Aus dem Moratorium hätte so ein unbefristetes Verbot werden müssen.“

Der BBU stellt zudem fest, dass auch der Stand der Technik des Bohr- und Frackingprozesses anhand internationaler Erkenntnisse und Studien von der Kommission nicht ermittelt wird. Stattdessen sollen Fragen für Schritt beantwortet werden, die dem Fracking nachgelagert oder bestenfalls begleitend sind. Damit hat die Kommission endgültig ihren im Wasserhaushaltsgesetz festgelegten Arbeitsauftrag aufgegeben. Die Gefahren des Bohr- und Frackingprozesses für die Umwelt und die Bevölkerung können so gerade nicht ermittelt werden.

Weiter erklärt Oliver Kalusch: „Die von der Kommission nun zur Bearbeitung vorgesehenen vier Fragenkomplexe sind zudem unbestimmt. Es ist nicht ersichtlich, welche Aspekte genau behandelt werden sollen. Damit ist das weitere Vorgehen der Kommission intransparent. Dies gilt auch für weitere Teile des Berichts. So fehlen beispielsweise die Zeitmarken für die einzelnen Ziele, die sich die Kommission gesetzt hat.“

Zu scharfer Kritik des BBU führt auch die Art und Weise, in der die Kommission die gesetzlich vorgeschriebene Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt hat. So befand sich der Jahresbericht auf einer Homepage, deren Existenz nicht an zentraler Stelle bekannt gemacht wurde und nur durch Zufall zu finden war. Die Zeit zur Abgabe von Stellungnahmen von etwa drei Wochen reduzierte sich so faktisch auf wenige Tage bis Stunden. Für die Abgabe von Stellungnahmen war nur ein Kontaktformular vorgesehen. Als der BBU seine detaillierte Stellungnahme in das Kontaktformular eingab, bekam er eine Fehlermeldung: „Die Maximallänge ist überschritten. Bitte geben Sie maximal 3999 Zeichen ein.“ Detaillierte Stellungnahmen waren offensichtlich gar nicht erwünscht. Die Stellungnahme des BBU musste gestückelt werden.

Die Stellungnahme des BBUs hier als pdf

Informationen über den BBU und seine Aktivitäten gibt es im Internet unter: https://www.bbu-online.de/

und telefonisch unter 0228-214032.

Postanschrift: BBU, Prinz-Albert-Str. 55, 53113 Bonn.

 Veröffentlicht von am 28. Juni 2019

Kurzstellungnahme und Forderungen des BBU zum Entwurf des Berichts der Expertenkommission Fracking im Jahr 2019

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Jun 272019
 

(26. Juni 2019) Die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Entwurf des Berichts der Expertenkommission Fracking ist zu wiederholen. Vorab ist die Existenz der Homepage der Expertenkommission und ihres Jahresberichts an zentralen Stellen der Internetseiten von Bundes-Forschungsministerium, Bundes-Umweltministerium, Bundes-Wirtschaftsministerium und Umweltbundesamt bekannt zu geben. Die neue Frist zur Stellungnahme sollte zwei Monate betragen.

Der Bericht der Kommission ist in weiten Teilen vage und unbestimmt und daher grundlegend zu überarbeiten. So fehlen beispielsweise die Zeitmarken für die einzelnen Ziele, die sich die Kommission gesetzt hat.

Aufgabe der Kommission ist die wissenschaftliche Begleitung von Erprobungsbohrungen für Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel und Kohleflözgestein sowie die Ermittlung des Standes der Technik. Da weder Anträge auf derartige Erprobungsbohrungen vorliegen noch Bundesländer in Aussicht gestellt haben, derartige Bohrungen zuzulassen, wird die Kommission ihren zentralen Auftrag nicht erfüllen können. Sie sollte daher bereits jetzt der Bundesregierung mitteilen, dass kein Gefahrenausschluss für Fracking in diesen Gesteinsschichten vorgenommen werden kann und dass das bis 2021 geltende Moratorium für Fracking in diesen Gesteinsschichten zeitlich unbegrenzt verlängert werden sollte.

Auch die Ermittlung des Standes der Technik des Bohr- und Frackingprozesses anhand internationaler Erkenntnisse und Studien wird von der Kommission nicht ermittelt. Stattdessen sollen Fragen für Schritte beantwortet werden, die dem Fracking nachgelagert oder bestenfalls begleitend sind. Dadurch drängt sich der Eindruck auf, dass sich die Kommission hinsichtlich der Unbedenklichkeit des Bohr- und Frackingprozesses bereits inhaltlich festgelegt hat. Dies ist nicht akzeptabel.

Die von der Kommission vorgesehenen vier zu bearbeitenden Fragenkomplexe sind unbestimmt. Es ist nicht ersichtlich, welche Aspekte genau behandelt werden sollen. Damit ist das weitere Vorgehen der Kommission intransparent.

Der Bericht der Kommission ist daher grundlegend zu überarbeiten und der Öffentlichkeit zur Stellungnahme zur Verfügung zu stellen.

Pressemitteilung folgt

BBU e.V. , Prinz-Albert-Str. 55, 53113 Bonn
Anerkannt nach § 3 Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz (UmwRG)

https://www.bbu-online.de/

BBU: Fracking-Kommission führt Öffentlichkeitsbeteiligung zum Entwurf ihres Jahresberichts ad absurdum

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Jun 182019
 

BBU-Pressemitteilung, 18.06.2019 (Bonn, Berlin, 18.06.2019)

Auf scharfe Kritik des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU e.V.) ist die Art und Weise gestoßen, mit der die angeblich „unabhängige“ Expertenkommission zu Fracking die Öffentlichkeit über ihren Jahresbericht informiert und der Bevölkerung Gelegenheit zur Stellungnahme zum Bericht gibt. Gemäß § 13a des Wasserhaushaltsgesetzes soll sich diese Fracking-Kommission mit der Ermittlung des Standes der Technik bei Fracking in bestimmten Gesteinsarten befassen. Ihre Vorgehensweise zeigt jedoch, dass Stellungnahmen aus der Bevölkerung unerwünscht sind. Auf ihrer weithin unbekannten Homepage findet sich lediglich im Berichtsentwurf gut versteckt ein Hinweis auf die derzeit laufende Öffentlichkeitsbeteiligung. Für den BBU ist dies ein Skandal, durch den die Öffentlichkeitsbeteiligung zur Farce wird.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU erklärt hierzu:
„Was als Musterbeispiel von Transparenz gelten sollte, ist hier zu einer Öffentlichkeitsbeteiligung ohne Öffentlichkeitsinformation mutiert. Nur zufällig erfahren diejenigen, die sich durch die Dokumente der Homepage der Fracking-Kommission arbeiten, dass sie vom 3.6.2019 bis zum 25.6.2019 Anmerkungen zum Berichtsentwurf abgeben können. Und ganz offensichtlich wurde es auch unterlassen, die üblicherweise beteiligten Kreise zu informieren. Eine Email mit der Bitte um Stellungnahme, wie sie bei Gesetzes- und Verordnungsvorhaben üblich ist, hat der BBU nicht erhalten. Dies ist besonders befremdlich, da der BBU in der Vergangenheit zahlreiche Stellungnahmen zu Änderungen des Bergrechts und zur Fracking-Gesetzgebung abgegeben hat. Es drängt sich der Verdacht auf, dass diese Art der Bekanntmachung lediglich ein Feigenblatt darstellt, mit dem die Pflicht zur Öffentlichkeitsbeteiligung faktisch umgangen werden soll. Hinzu kommt, dass mit drei Wochen die Frist zur Stellungnahme viel zu kurz bemessen ist.“

Der BBU fordert daher: „Der Abgabetermin zur Stellungnahme muss aufgehoben werden und nach einer Neubekanntmachung stattdessen ein Zeitraum von zwei Monaten zur Äußerung eingeräumt werden. Die Öffentlichkeit muss angemessen informiert werden, insbesondere durch Bekanntmachungen auf zentralen Stellen der Internetseiten des Bundes-Umweltministeriums, des Bundes-Wirtschaftsministeriums und des Bundes-Forschungsministeriums. Und die üblicherweise beteiligten Kreise müssen separat per Email informiert werden.“

Die Homepage der Fracking-Kommission findet man unter
https://expkom-fracking-whg.de/start

Der Entwurf des Jahresberichts 2019der Fracking-Kommission findet man unter
https://expkom-fracking-whg.de/bericht und dort auf Seite 7 der unzureichende Hinweis auf die Öffentlichkeitsbeteiligung.

Kontaktformular für Stellungnahmen (nur noch bis zum 25.06.2019 zulässig): https://expkom-fracking-whg.de/kontakt

 Veröffentlicht von am 18. Juni 2019

Weitere Kommentare zur Entscheidung des Bundesrates zu LNG am 7.6.19

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Jun 132019
 

Pressemitteilung von MdB Hubertus Zdebel

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit vom 7. Juni 2019

Bundesrat setzt durch LNG-Förderung fatales Signal für Fracking-Gas und gegen Klimaschutz

„Mit seiner heutigen Entscheidung für die ‚Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland‘ hat der Bundesrat ein fatales Signal gesetzt. Statt auf Klimaschutz und erneuerbare Energien zu setzen, hat sich der Bundesrat für den Import von dreckigem Fracking-Gas aus den USA und einen extrem klimaschädlichen fossilen Energieträger ausgesprochen“, erklärt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (LINKE), Mitglied seiner Fraktion im Umweltausschuss.

„Wenig überraschend war, dass es wieder einmal der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies war, der versuchte, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen und die Subventionierung von LNG-Terminals sogar als Beitrag zur Energiewende zu verkaufen. Bereits in seiner Amtszeit als niedersächsischer Wirtschaftsminister hatte er die Interessen der Gaskonzerne vertreten und sich massiv für das Fracking-Erlaubnisgesetz der Bundesregierung eingesetzt, mit dem Fracking in Tight-Gas-Reservoirs gesetzlich erlaubt wurde.

Keine zwei Wochen nach der Europawahl, bei der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN den Klimaschutz vollmundig zum bestimmenden Thema gemacht haben, ist die Partei der Klimaschutzbewegung in den Rücken gefallen. Gibt es unterschiedliche Ansichten über ein Gesetzesvorhaben in einer Landesregierung, enthält sich diese grundsätzlich im Bundesrat. Hätten sich alle Länder mit GRÜNER Regierungsbeteiligung enthalten, wäre die erforderliche Mehrheit für die LNG-Verordnung nicht zustande gekommen. Stattdessen verkündete Schleswig-Holstein in der Bundesratssitzung sogar, dass das Bundesland, in dem die GRÜNEN mitregieren, die Verordnung begrüßt. Von Klimaschutz reden und die Subventionierung von klimaschädlichen Projekten ermöglichen, scheint die neue Devise von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu sein.“

Quelle: Pressemitteilung von MdB Hubertus Zdebel vom 07.06.2019

 Veröffentlicht von am 13. Juni 2019

GRÜNE enttäuschen bei der LNG-Abstimmung im Bundesrat

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Jun 112019
 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben nicht Farbe bekannt, sondern klimaschädlich abgestimmt

Freitag, der 7. Juni 2019 war ein denkwürdiger Tag.
Die von Bundeskanzlerin Merkel vorgelegte Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland (pdf) wurde mehrheitlich – und leider mit Stimmen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – vom Bundesrat angenommen und kann damit in Kraft treten.

Damit ist für Frackinggas, hauptsächlich aus Amerika, Tür und Tor geöffnet.

Frackinggas, das durch seinen Methanschlupf von der Förderung bis zum Endverbraucher von seiner Klimabilanz mindestens genauso schädlich ist wie Kohle. Wenn man auch, wie vielfach angekündigt, auf bessere Produktionsverfahren hofft, ist nicht zu leugnen, dass Erdgas ein fossiler Brennstoff ist, den es in Zukunft weitestgehend auszuschalten gilt.

Betrachtet man dazu noch die Aufbereitung des Gases, Transportwege usw., zeigt sich, dass dafür ein hoher Energieaufwand betrieben werden muss. Davon ist in der Argumentation der Befürworter nichts zu vernehmen.
Und damit das Geschäft mit Flüssiggas (LNG) dennoch im Ganzen rentabel bleibt, wird durch diese neue Verordnung der Verbraucher zur Kasse gebeten.

Sehr viele Stimmen, auch das Bündnis Gegen Gasbohren, haben sich gegen den Import von LNG ausgesprochen.

Gegen Gasbohren hat im Vorfeld alle Bundestags-und Bundesratsmitglieder einzeln angeschrieben und auf die verheerende Klimabilanz von LNG aufmerksam gemacht.

VERGEBLICH!

Unsere Erwartung, dass BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sich geschlossen gegen diese Verordnung stellen, wurde nicht erfüllt. Dass DIE GRÜNEN damit eine klimaschädliche Entscheidung getroffen haben, ruft bei uns großes Unverständnis hervor. Obwohl wir unsere Hoffnung auf BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gesetzt hatten, sind wir bitter enttäuscht worden. Trotz ihres guten Wahlergebnisses haben sie nicht die Kraft aufgebracht, sich geschlossen gegen diese Verordnung zu stellen.

Kann man einer Partei bei der Wahl sein Vertrauen schenken, die dann bei wichtigen Fragen, die das Klima betreffen, nicht „Flagge“ zeigt?
Wie wäre es gewesen, wenn alle GRÜNEN hier mutig die dringend notwendige Weichenstellung für eine zukunftsorientierte Klimapolitik aufgezeigt hätten?

Für politisches Taktieren bleibt keine Zeit mehr. Nach Aussage seriöser Wissenschaftler[1] bleiben uns allen nur noch rund 30 Jahre; dann werden sich ca. 1 Milliarde Menschen zu den letzten Plätzen aufmachen, an denen Überleben noch möglich ist.

[1] https://www.oekonews.at/?mdoc_id=1123082

Materialien:

Beschlussdrucksache: Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland (PDF, 93KB, nicht barrierefrei)

Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland zum Beratungsvorgang (DRS 138/19)

 Veröffentlicht von am 11. Juni 2019

Lackmustest für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN IM Bundesrat am 7. Juni 2019

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Jun 052019
 

Am kommenden Freitag, 07.06.2019 wird, wie hier schon angekündigt, im Bundesrat über die Pläne der Bundesregierung zur „Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland“abgestimmt werden. Geplant ist Fracking-Gas aus Nordamerika verflüssigt, als sogenanntes LNG nach Norddeutschland zu drei noch zu errichtenden Terminals zu verschiffen. Die Kosten für den Netzanschluss sollen auf den Endverbraucher abgewälzt werden.
Allen Beteiligten sollte spätestens seit dem Klimagipfel in Paris klargeworden sein, dass fossile Brennstoffe, dazu zählt auch Erdgas, hier vor allem LNG, ein „Auslaufmodell“ sind. Ergas ist in seiner Klimabilanz keinesfalls weniger schädlich als Kohle .Erdgas ist kein Brückenbrennstoff, wie vor nicht allzu langer Zeit u.a. von den Grünen, vor allem von Oliver Krischer, immer wieder verbreitet worden ist.
Wir fordern wie auch die fridays for future-Bewegung ein zukunftsorientiertes Umdenken, d.h. für uns den zügigen Ausbau von erneuerbaren Energien und weitere begleitende Maßnahmen. Gegen Gasbohren wird genau beobachten, wie sich BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN- Vertreter im Bundesrat positionieren, wie sie ihrem Auftrag, den sie bei der Europawahl von den Deutschen erhalten haben, gerecht werden. Erster Test wird ihr Abstimmungsverhalten am Freitag im Bundesrat sein.
(S. auch PM von Hubertus Zdebel, MdB)

 Veröffentlicht von am 5. Juni 2019

Die GRÜNEN geben uns mit ihrem Verhalten Rätsel auf!

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Mai 292019
 

Wir haben im Europawahlkampf oft genug gehört, wofür diese Partei einzustehen bereit steht und dafür wurde sie mit viel Vertrauensvorschuss bedacht.

Doch nun erleben wir zwei große Enttäuschungen.

Die GRÜNEN in der Hessischen Koalition mit der CDU werden sich nicht im Bundesrat gegen das CETA-Abkommen stellen und so dafür sorgen, dass CETA tatsächlich ratifiziert wird. Sie wollen sich nicht gegen den Koalitionspartner stellen, sagen sie.

Damit wird CETA tatsächlich doch noch voll ratifiziert werden, so wie SPD und CDU es mit trickreichen Aktionen in Deutschland und in Brüssel vorbereitet hatten.

Damit werden das deutsche Parlament und das deutsche Recht entmachtet und kann uns Bürger gegen die Machenschaften ausländischer Konzerne nicht mehr schützen.

Die GRÜNEN in einem Kreistag von Schleswig-Holstein haben, wenn auch zähneknirschend, dem Plan ihrer Landesregierung zugestimmt, in Brunsbüttel ein LNG-Terminal zu fördern, das überwiegend mit US- LNG aus Fracking-Gas beliefert werden wird.

Das ist die schlimmste denkbare Klimasünde der fossilen Brennstoffe, wegen hoher Emissionen in der Vorkette bis zur LNG-Umwandlung und wegen der zusätzlichen hohen Aufwände zur LNG-Herstellung, -Lagerung, -Schiffsbeladung und Transport und Rückvergasung am Anlandeort. Das Klima wird dadurch höchst geschädigt und die Inhalte des Pariser Abkommens von 2015 werden unterlaufen – und das unter Mitwirkung der GRÜNEN.

Werden denn die GRÜNEN ihre umweltpolitischen Überzeugungen immer dann „vergessen“, wenn sie Teilhabe an der Macht haben?

Das müssen wir bei unserem weiteren Kampf gegen die Fracking-Förderung in Deutschland im Kopf behalten!

Volker Fritz

im AK Fracking Braunschweiger Land

Anlagen:

http://zeitung.shz.de/husumernachrichten/2098/article/908680/14/4/render/?token=c3d95f6f67303df7ea4134b96720ff70

PM der BI Kein CO2-Endlager e.V.  vom 24.05.2019 zu der Kreistagsentscheidung:


http://www.keinco2endlager.de/steuermittel-fuer-fracking-gas-terminal-von-jamaika-kreis-nf-bestaetigt/

 Veröffentlicht von am 29. Mai 2019

Offener Brief an die Mitglieder des Deutschen Bundesrates anlässlich der Abstimmung über LNG-Infrastruktur

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Mai 152019
 

„Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland“

[„Nachdem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie am 14. März 2019 die Länder- und Verbändeanhörung zum Referentenentwurf eingeleitet hat, beschloss das Bundeskabinett die Verordnung am 27. März 2019. Sie bedarf jedoch noch der Zustimmung des Bundesrates. ] (Link)

Bitte lehnen Sie diesen TOP bei der anstehenden Abstimmung ab!

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Bewusstsein, dass wir uns in einer weltumspannenden Klimaerhitzung befinden und Deutschland bereits jetzt seine Verpflichtungen deutlich verfehlt, wollen wir keinerlei finanziellen Anreize, um zusätzliche fossile Infrastruktur aufzubauen.

Weder als Steuerzahler_innen, noch als zahlende Gas- und Stromkunden sind wir bereit, LNG-Terminals sowie die dazugehörige Infrastruktur zu finanzieren. All unsere Kraft, alle zur Verfügung stehenden Mittel müssen auf die Förderung der Erneuerbaren Energien und die dezentrale Energieversorgung konzentriert werden; nur so können die Pariser Klimaziele erfüllt werden.

Natural Gas – Fossiles Erdgas — ist kein sauberer Brennstoff! Bereits bei der Gasförderung ohne Fracking können im gesamten Lebenszyklus rund 4 % des Gases unkontrolliert freigesetzt werden. Methan ist als Treibhausgas erheblich klimawirksamer als Kohlendioxid (CO2), nämlich 87-fach auf 20 Jahre und 36-fach auf 100 Jahre gerechnet (IPCC 2013).

Bei der Gasförderung durch Fracking kann bis zu 12 % der geförderten Gasmenge in die Atmosphäre entweichen. Laut den aktuellen Zahlen des weltweit anerkannten Experten Prof. Howarth, Cornell Universität, Ithaca, New York, beträgt die durchschnittliche Leckagerate (gefrackt und nicht-gefrackt) rund 4,1 %. Damit ist Gas klimaschädlicher als Kohle.

Weiterer Methanschlupf tritt bei der Verflüssigung zu LNG, Transport und Rückvergasung auf und erhöht seine Schädlichkeit um ein Vielfaches. Allein der Verflüssigungsprozess verschlingt bis zu 25 % des Energiegehaltes des Gases. Diese extrem negative Klimabilanz und die Gefährdung der Anwohner auszublenden, wäre verantwortungslos und eine zusätzliche Gefährdung des Weltklimas.

Beginnen Sie jetzt mit der Kehrtwende und lehnen Sie die Abwälzung eines wesentlichen Teils der Kosten für die LNG-Infrastruktur auf die Gaskunden ab. Ebenso sollten Sie die Förderung des Baus von LNG-Terminals ablehnen. Die bisherigen LNG-Terminals in Europa sind noch nicht einmal zu einem Viertel ausgelastet und jeder zusätzliche Terminal wird absehbar eine Investitionsruine werden, die dem jeweiligen Standort schaden würde.

Statt Atom, Kohle und LNG müssen wir möglichst zügig die Energiewende zu 100 % Erneuerbare Energien umsetzen. Das ist billiger, sauberer und problemlos machbar.

Bitte beachten Sie auch die Stellungnahme des Klimabündnisses gegen LNG (KGL) zur Verbändeanhörung, die in der viel zu kurzen Anhörungszeit kaum wahrgenommen werden konnte. Hiergegen hat das KGL Widerspruch eingelegt.

Quellen:
http://www.keinco2endlager.de/bi/wp-content/uploads/2019/03/2019_19_M%C3%A4rz_Klimab%C3%BCndnis-gegen-LNG_Stellungnahme-gg-geplante-Rechts%C3%A4nderung.pdf
http://www.eeb.cornell.edu/howarth/summaries_CH4_2016_De.php
https://www.pnas.org/content/109/17/6435
https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/02/WG1AR5_Chapter08_FINAL.pdf

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Reinhard Knof – Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager e.V.
Andy Gheorghiu – Policy Advisor – Food & Water Europe
wir gegen fracking – Lüneburg
Berliner Wassertisch
BI Gemeinsam gegen Gas- und Probebohrungen am Niederrhein
BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“
Fracking freies Hessen n.e.V.
IG Fracking-freies Artland e.V.
Die BI FrackingFreies Hamburg
IGTL (Tecklenburger Land)
Gemeinnütziger Umweltschutzverein pro grün e.V. Paderborn
IG Schönes Lünne
AK Fracking Braunschweiger Land
GENUK e.V.
IG gegen Gasbohren Hamminkeln/Niederrhein
NaLaKiZu Bürgerstark, Aichstetten
Post Fossil A G
BürgerInneninitiative Umweltschutz Uelzen
NoFracking Bodensee-Oberschwaben
Fracking AG der BI Lüchow-Dannenberg
BI kein-frack-in-wf
BI für Gesundheit Hemslingen/Söhlingen
Abgefrackt Bündnis Weidener Becken gegen Fracking
BI LK-Oldenburg
IG „Gegen Gasbohren“ Nordwalde
BIGG Drensteinfurt e.V.
BI lebenswertes Korbach
FEBiD e.V., gemeinnütziger Verein Verein zur Erhaltung d. Biodiversität i. D.
Attac AG Stop Fracking Nienburg
BI Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe/Brunsbüttel
BI „No-Fracking-Völkersen“
BI „Wesermarsch ohne Bohrtürme“
BI „Flecken Langwedel gegen Gasbohren“
BI „Rote Hand Thedinghausen/Achim“
BI „Walle gegen GasBohren“
FRACK-loses Gasbohren im Landkreis Rotenburg
IG Gegen Frac in Borken
BIGG Hamm
Inofrack Inde-Rur-Wurm Aachen
WUG Wittorf (Wittorfer für Umwelt und Gesundheit) e.V.

 Veröffentlicht von am 15. Mai 2019

Gegen Gasbohren beschließt Loccumer Resolution für Klimaschutz und das Ende der Erdgasförderung

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Apr 182019
 
Teilnehmer*innen des Bundestreffens der Initiativen „Gegen Gasbohren“

Pressemitteilung


Gegen Gasbohren beschließt Loccumer Resolution für Klimaschutz und das Ende der Erdgasförderung

(Loccum, Hannover, Berlin, 18.04.2019) Auf seinem Bundestreffen am letzten Wochenende hat Gegen Gasbohren, der Zusammenschluss der bundesdeutschen Initiativen gegen Fracking, die Loccumer Resolution beschlossen. Die Initiativen betonen in dieser Resolution, dass Deutschland seine Verpflichtungen zum Klimaschutz, die aus dem Pariser Abkommen resultieren, bisher nicht in entsprechende Maßnahmen umgesetzt hat. Insbesondere wegen der äußerst hohen Klimaschädlichkeit von LNG (Liquefied Natural Gas) aus Fracking-Erdgas fordern die Initiativen, keine LNG-Projekte sowie die hierzu gehörende Infrastruktur in Deutschland zu verwirklichen und auch nicht anderswo zu unterstützen. Zudem fordert Gegen Gasbohren ein Ende der Erdgasförderung in Deutschland. Neue Aufsuchungserlaubnisse und Bewilligungen dürfen nicht mehr erteilt werden. Bestehende Erlaubnisse und Bewilligungen dürfen nicht mehr verlängert werden und müssen spätestens 2025 auslaufen. Alle existierenden Bohrungen sowie Altbohrungen müssen insbesondere auf die Emissionen des klimaschädlichen Methans überprüft werden. Die Kosten hierfür sind von den Erdgasförderunternehmen zu tragen.

Zum Thema „Klimaschutz“ ist Gegen Gasbohren auch in einen Gedankenaustausch mit „Fridays for Future“ eingetreten. Zwei Vertreterinnen der Schulstreikbewegung diskutierten mit den Initiativen in Loccum. Gegen Gasbohren beschloss in der Loccumer Resolution, die Ziele der neuen Bewegung für eine wirksame Dekarbonisierung zu unterstützen.

Auch lokale Aspekte wurden auf dem Treffen erörtert. So stieß das Verhalten des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) auf massive Kritik, einen Mini-Frac an der Bohrstelle Düste Z10 im niedersächsischen Barnstorf zuzulassen, ohne hierfür eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen und auch auf eine wasserrechtliche Erlaubnis zu verzichten. Bei diesem beschönigend als ‚Drucktest“ bezeichneten Vorgang wurde nach Auffassung der Initiativen das Fracking-Recht des Bundes missachtet.

Auch an anderer Stelle war ein Demokratiedefizit festzustellen. So hatte der niedersächsische Wirtschaftsminister Althusmann vor wenigen Wochen lediglich einen ausgewählten Kreis niedersächsischer Bürgerinitiativen zum Thema Erdgasförderung in sein Ministerium eingeladen. Gegen Gasbohren fordert, dass diese Runde bei ihren nächsten Treffen für alle Bürgerinitiativen in Niedersachsen geöffnet wird, die sich schwerpunktmäßig mit den Gefahren der Erdgasförderung und der daraus resultierenden Folgen beschäftigen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens in Loccum war die niedersächsische Abstandsstudie zu hämatologischen Krebserkrankungen im Umfeld von Erdöl- und Erdgasförderanlagen sowie Bohrschlammgruben. Hier waren sich die Initiativen einig, dass diese Studie nur ein Anfang sein kann. Es sind weitere und gerade im Studiendesign weitergehende Studien erforderlich.

Für das nächste Jahr ist das Folgetreffen geplant, falls keine dringenden Vorkommnisse einen früheren Termin erfordern.



Text der Loccumer Resolution und die unterstützenden Organisationen: siehe Anhang


 Veröffentlicht von am 18. April 2019