Bohrschlämme – Gefährliche Altlasten der Kohlenwasserstoff-Förderung in Deutschland

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Mrz 082016
 

Gemeinsame Recherchen von WDR und NDR zum Thema Bohrschlamm-Deponien, unterstützt durch Betroffene vor Ort und Mitglieder der Bürgerinitiativen im Zusammenschluss „Gegen Gasbohren“, haben deutlich gemacht, welche enormen Altlasten mit Giftbelastung in unserem Land noch zu beseitigen sind, um dauerhaft Schädigungen des Grundwassers durch Bohrschlammdeponien zu verhindern.

In der Sendung „MARKT“ am 07.03.2016 auf NDR, aber auch auf WDR 3 und WDR 5 und im Deutschlandfunk wurde das Thema umfangreich abgehandelt.

Wieder einmal zeigt sich, was es mit der „sicheren“, „kontrollierten“, „technisch führenden“ Arbeitsweise der Förderunternehmen in Deutschland in der Vergangenheit auf sich hatte. Der billigste Weg wurde beschritten, von den „freundlichen“ Aufsichtsbehörden genehmigt. Heute, Jahrzehnte später, dürfen die Steuerzahler den giftigen Abraum entsorgen. Denn es darf sich niemand etwas vormachen, die zwischen den Förderunternehmen und der niedersächsischen Landesregierung getroffene Vereinbarung, bei der die Industrie sich an der Aufsuchung von Altdeponien mit einem Kostenbeitrag von ein paar Millionen EUR beteiligt, ist nur ein Trostpflaster. Die immensen Kosten der Entsorgung der Bohrschlämme auf Sonderdeponien werden insgesamt das Hundertfache und mehr betragen.

Die ölhaltigen Rückstände sind oft mit Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen sowie radioaktiven Partikeln wie Radium 226 belastet und bedrohen so Grundwasser und Boden.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/markt/Entsorgung-Wohin-mit-giftigem-Bohrschlamm,markt10218.html

In Niedersachsen, das Hauptförderland für Kohlenwasserstoffe mit einer Förderhistorie seit 1860, wurden aus nur drei beseitigten Deponien insgesamt 720.000 t Aushub abgefahren, weil in NDS keine Deponiekapazitäten verfügbar sind 340.000 t Schlämme wurden nach NRW in die Deponie Hürth-Knapsack und 260.000 t nach Rheinland-Pfalz gebracht, 9.500 t nach Sachsen-Anhalt und 1.600 t nach Thüringen gebracht.

Aus weiteren 40 bereits untersuchten Bohrschlamm-Deponien werden geschätzt noch ca. 2 Mio. t Aushub zu entsorgen sein. Bei mindestens 519 bekannten „Verdachtsflächen“ kann man nur grobe Schätzungen vornehmen.

In Niedersachsen sind 32.000 Altbohrungen auf Kohlenwasserstoffe bekannt. Je nach Bohrung können, grob angenommen, 1.000m³ und Bohrschlamm anfallen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in Gebieten intensiver Förderung auch größere Bohrschlammdeponien in der Vergangenheit ohne dauerhafte Abdichtung zum Grundwasser hin angelegt und gefüllt wurden. Es erscheint daher nicht übertrieben, sondern eher zurückhaltend, aus den über 500 Verdachtsflächen mindestens noch weitere 3 Mio. t Aushub anzusetzen.
Allein in Niedersachsen reden wir also von mindestens 5 Mio. t Sondermüll als Schätzwert, der entsorgt werden muss. Das bedeutet ca. 167.000 LKW-Fahrten zum Abtransport des Sondermülls in die andere Bundesländer, verbunden mit dem Gefährdungsrisiko für Personal beim Aushub und der Verladung, wie bei der Entladung am Abliefert mit Eintrag. Andere Verkehrsteilnehmer unterwegs werden ebenfalls erheblich gefährdet. Bei Unfällen ist alles vorstellbar, nicht nur verbeultes Blech.

Das Beispiel der LKW-Fahrerin, die durch die Transportfahrten mit Bohrschlammgrubenaushub eine Quecksilbervergiftung erlitt, zeigt auf, wie gefährlich die Schlämme sind. Sie musste nach jeder Ablieferung ihr Fahrzeug mit dem Schlauch gründlich reinigen, um bei der Leerfahrt öffentliche Straßen nicht zu kontaminieren. Dabei erlitt sie, wie ihr ärztlich bestätigt wurde, eine Quecksilbervergiftung, die zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führte.

Zu den anderen Mengen kommen die anderen Bundesländer noch hinzu.

Insgesamt fanden der WDR und der NDR bei ihren Nachforschungen Hinweise auf Verdachtsflächen für mehr als 1.400 Bohrschlammgruben in Deutschland
in Niedersachsen mindestens 519
in Brandenburg 400
in Mecklenburg-Vorpommern 345
in Bayern 170
in Sachsen-Anhalt wurde auch intensiv gefördert (1970 -1989) und weit über
500 Bohrungen nieder gebracht.
200 Bohrschlammdeponien wurden dort schon beseitigt.

Sicherlich gibt es jedoch noch eine größere Zahl weiterer Bohrschlammgruben:
In Sachsen-Anhalt steht noch die ehemalige Deponie Brüchau in der Altmark zur Entsorgung an, in der allein 250 t Quecksilber liegen, neben mehreren 10.000 m3 hoch giftiger Bestandteile.

In Schleswig-Holstein gab es in der Vergangenheit eine Ölförderung, die ebenfalls zu Bohrschlammdeponien geführt haben muss.
In Baden-Württemberg gab es ebenfalls auf der Alb eine Ölförderung in der Vergangenheit und mit ihr sind auch Bohrschlammdeponien zu vermuten.

Es wird deutlich, welche gewaltigen Aufgaben noch vor den Bundesländern liegen, um dafür zu sorgen, dass von diesen letztendlichen „wilden Kippen“ künftig keine Gefahr mehr ausgeht, insbesondere zum Schutz des Grundwassers und der Menschen an der Oberfläche vor Kontakt, Emissionen usw.

Doch auch die heutige Produktion (überwiegend in Niedersachsen) ergibt große Abfallmengen unterschiedlicher Arten, die mit der Öl- und Gasförderung in Verbindung zu bringen sind. Sie fallen dem Normalbürger nicht weiter auf, weil ihre Entsorgung organisiert ist. Doch auch sie sind aufwändig als Sonderabfälle zu entsorgen und vielfach hoch gefährlich. Der Bericht des Landes Niedersachsen von 2013 über die im Land erzeugten Arten von Sonderabfällen ist lang und umfangreich und enthält auch solche Abfälle die aus der Öl- und Gasförderung und deren Aufbereitung stammen.

Die für die Zukunft geplante Fracking-Gasförderung bringt auch gewaltige Bohrschlamm-Entsorgungsprobleme mit sich. Ca. 48.000 neue Bohrungen in ganz Deutschland sind geplant, etwas über 40.000 davon in Niedersachsen, der Rest in NRW.

Nach Schätzungen von Jörg Döschner vom WDR werden durch sie zwischen 25 bis 35 Mio t giftige Bohrschlämme anfallen. Hinzu kommen dann noch die großen Mengen an Abfallflüssigkeiten aus den Frack-Vorgängen und aus der Mitförderung von Lagerstättenwasser der gefrackten Vorkommen, das mit aufsteigt.

Volker Fritz

Abfall_Fakten_2013_Niedersachsen

http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Gruben-mit-giftigem-Bohrschlamm-gesucht,bohrschlamm128.html

http://www.tagesschau.de/inland/fracking-121.html

www.mdr.de/tv/programm/sendung641974_date-2016-03-08_ipgctx-true_zc-2b8e9b88.html

Völlig falscher Weg – Leserbrief vom 24.02.2016

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Mrz 082016
 

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Leserbrief zu „Branche will Gesetz für Fracking“, NOZ 24. Feb. 2016

„Wer über Fracking diskutiert, der diskutiert über die Zukunft der Erdgasindustrie in Deutschland – so einfach ist das“ wird Gernot Kalkoffen zitiert, der Europa-Chef von Exxon und Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG). Tja. Zur Zeit werden etwa 10 % des deutschen Erdgasbedarfs aus deutschen Lagerstätten gefördert, Tendenz abnehmend. Durch Fracking auch im Schiefergasgürtel könnte dieser Wert noch eine kurze Zeit lang aufrecht erhalten werden. Aber nicht für drei Jahrzehnte, wie bislang angenommen wurde; denn die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat ihre Schätzung aus dem Jahre 2012 hinsichtlich der Erdgasmenge in unkonventionellen Lagerstätten ab 1.000 m Tiefe gerade deutlich (um ca. 50 %) nach unten korrigiert. Dafür müssten dann die tiefen Erdschichten flächendeckend aufgebrochen werden mit Zerstörung der Kulturlandschaften und allen Risiken und Gefahrenpotentialen, die mit der Fracking-Technik verbunden sind, wie zahlreiche seriöse Gutachten belegen. Dort heißt es auch, dass bei einem Restrisiko gefragt werden müsse, ob die Maßnahme volkswirtschaftlich dringend geboten sei. Das Gegenteil ist wohl der Fall. Unternehmen haben zwar seit Jahrzehnten erheblich in Maßnahmen zur Verleugnung des Klimawandels und Verhinderung der Energiewende investiert und versuchen die Welt glauben zu machen, dass auch in Jahrzehnten noch Unmengen an fossilen Energieträgern benötigt würden. Spätestens seit der Klimakonferenz in Paris verfängt das aber nicht mehr. Die Welt weiß, dass sie zur Selbstrettung von fossilen Energieträgern Abschied nehmen muss. Es ist der völlig falsche Weg, mit viel Aufwand und hohem Risiko zusätzliche fossile Lagerstätten zu erschließen. Stattdessen muss in erneuerbare Energien und Speichertechnik investiert werden. Das nutzt auch dem Arbeitsmarkt. Nach Gernot Kalkoffen arbeiten 20.000 Menschen in der Erdöl- und Erdgasgewinnung und der Zulieferindustrie. Zum Vergleich: Im Bereich der erneuerbaren Energien lag die Zahl der Arbeitsplätze in Niedersachen im Jahre 2013 bei 55.200, Tendenz steigend.

Dr. med. Maria Entrup-Henemann
www.fracking-freies-artland.de

 Veröffentlicht von am 8. März 2016

Alles für uns!?

 Allgemein, Handelsabkommen, Studien  Kommentare deaktiviert für Alles für uns!?
Feb 242016
 

„Alles für uns !?“,

unter diesem Thema hat PowerShift eine Ausarbeitung von Nicola Jaeger herausgebracht.

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Darin beschreibt sie die globalen Einflüsse der europäischen Handels- und Investitionspolitik in Bezug auf Rohstoffausbeutung und die damit einhergehenden, teils verheerenden weltweiten Auswirkungen dieser fortschreitenden Rohstoffausbeutung – nahezu unberücksichtigt von ökologischen Katastrophen über Menschenrechtsverletzungen bis zur Verschärfung sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeiten.

Zum Ende hin stellt sie 10 Forderungen, in fünf große Bereiche aufgeteilt, um der Ausbeutung im Rohstoffsektor zu entkommen.

Die Themen dieser Bereiche sind Ausfuhrbeschränkungen und -zölle, Investitionen und Investitionsschutz, Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Lieferkette, Transparenz sowie Partizipation und Information.

http://power-shift.de/wordpress/wp-content/uploads/2016/02/Alles-f%C3%BCr-uns_webversion.pdf

 Veröffentlicht von am 24. Februar 2016

Die BGR nimmt völlig überzogenen Schiefergasschätzungen von 2012 endlich offiziell zurück – Überarbeitung der Studie förderbarer Kohlenwasserstoffe wird dreist zur Propaganda pro Fracking benutzt.

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Jan 192016
 

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Zuerst der eigentlich wichtige Inhalt der überarbeiteten BGR-Studie:

Die für „förderbar“ abgeschätzten Vorkommen an Kohlenwasserstoffen in Deutschland werden nun von der BGR wieder in die Bedeutungslosigkeit entlassen, aus der sie von ihr 2012 hervorgeholt worden waren. Jetzt werden die Vorkommen nur noch 29 %  so groß bewertet. Nun zeigt auch die BGR auf, dass diese Vorkommen es eigentlich nicht wert sind, sie überhaupt zu fördern, da sie nur ein kurzes Intermezzo sein können.

Hier der Zahlenvergleich:

2012:

    6,8 Billionen m3 bis 22,6 Billionen m3 Erdgas unkonv. Vorkommen
    Annahme der BGR: davon 10% förderbar ca. 0,7 bis ca. 2,3 Billionen m3 max. förderbar
    gemittelt 1,3 Billionen m3 max. förderbar (geschätzt)

2016:

    max. 6,5 Billionen m3 Erdgas unkonv. Vorkommen ab 1.000 m Tiefe
    trotzdem werden für Schiefergas max. 0,8 Billionen m3
    förderbar geschätzt von der BGR, das ist jedoch völlig illusorisch

Die Geologie hat sich ja nicht verändert, also ist es angebracht, so zu rechnen wie schon 2012:

    Annahme wie 2012 , davon 10% förderbar = 0,65 Billionen m3 max.
    theoretisch förderbar, davon gemittelt 50 % = 0,325 Billionen m3

Es bleiben also bei gleicher Vorgehensweise wie von der BGR in 2012 theoretisch nur 325 Milliarden m3 Gas förderbar übrig bei einem Jahresverbrauch Deutschlands von ca. 90 Milliarden m3. Damit sind alle Fracking-Projekte in Deutschland generell verlorene Investitionen, weil die tatsächlich förderbaren Gasmengen ja viel zu gering sind.

Hinzu kommt noch, dass die BGR bei ihren Potentialberechnungen keinerlei Abstriche macht für Wasserschutzgebiete, Bergbau-bedingte Sperrflächen, geschlossene Wohngebiete, Infrastrukturflächen, Wasserläufe und Stauseen und deren Zuläufe (soweit aus ihnen Wasser zur Trinkwasserherstellung entnommen wird), große Aquifere aus denen Grundwasser für Trinkwasser entnommern wird (Beispiel „Rotenburger Rinne“, Beispiel Halterner Seen) und Naturschutzgebiete, aber auch Industrie-Komplexe.

Und nun zur Pro-Fracking-Propaganda der von Prof. Dr. Kümpel geleiteten BGR:
Es ist schon eine unverfrorene Maßnahme, die eigentlich blamable Rücknahme der 2012 viel zu hoch eingeschätzten förderbaren unkonventionellen Kohlenwasserstoffe aus deutschem Boden in eine Werbeunterlage für den Einsatz von Fracking in Deutschland umzufunktionieren. All zu deutlich ist hier erkennbar, dass der Einfluss der Förderindustrie groß ist.

Es ist eine blanke Ignoranz der täglich in den USA ablaufenden Vorgänge, auf die wir schon wiederholt hingewiesen haben. Die BGR, vertreten von Prof. Kümpel, behauptet zum Beispiel – wider besseres Wissen -in dem Bericht der WELT, dass die „brennenden Wasserhähne“ nichts mit Fracking zu tun hätten, obwohl schon im Jahr 2000, und wiederholt erst kürzlich, der Nachweis geführt wurde, dass es eben doch Produktionsgas aus der Tiefe ist, das an den Leitungen hochsteigt und sich oberflächennah im Boden verteilt.

Die Gefahr der durch Fracking selbst hervorgerufenen Erdbebeben, die gerade durch Ereignisse in den USA dokumentiert sind, versucht, die BGR herunterzuspielen.

Ob „Erdbeben“ jedoch vom Fracking-Vorgang selbst, oder später durch das Verpressen der großen Mengen an Abfallflüssigkeiten auftreten, ist letztendlich unerheblich. Wird die Fracking-Förderung in Deutschland zugelassen, ist mit mehr induzierten Erdbeben zu rechnen, auch mit Amplituden deutlich über 3,0 Richter.

Zur „Gefährdung der Bevölkerung“ ist in den USA längst genügend ermittelt worden, weshalb der Bundesstaat New York auch in seinem Territorium Fracking verboten hat. Und bei uns gibt es auch Gebiete mit vielen Geschädigten aus der Gas- und Öl- Förderung. Da ist zum Beispiel die Altmark mit dem ehemaligen Förderbetrieb VEB Erdgas, dessen Mitarbeiter zu Hunderten schwer geschädigt wurden und krankheitsbedingt eine stark verkürzte Lebenserwartung haben. Viele sind schon verstorben. Dann sind da die „Hotspots“ mit einer Häufung seltener Blutkrebse in Niedersachsen in Fördergebieten wie Samtgemeinde Bothel, Stadtgebiet Rotenburg, Samtgemeinde Steimbke und Gemeinde Rodewald. Die Verdachtsmomente, dass die Ursachen dieser Krebshäufungen mit der vorherigen Förderung in Zusammenhang stehen, sind groß, denn auch in den USA und in Kanada sind an Förder- und Verarbeitungsplätzen Anwohner mit den gleichen Blutkrebsarten belastet. Die giftigen Emissionen, die krebserregende Substanzen weit tragen, werden bisher von der Förderindustrie abgeleugnet und von den Geologen ignoriert. Das passiert ja über der Erde. Und dass es keine gibt, ist die schlichte Unwahrheit.

Und dass das „Grundwasser nicht gefährdet“ sein soll, ist geradezu grotesk. In den USA werden Hunderte Brunnenzerstörungen öffentlich zugegeben und viele Tausende zerstörte weitere Brunnen werden wegen der Geheimhaltungsverträge der Förderfirmen mit den Grundbesitzern nicht öffentlich. Doch die vielen großen Außentanks für Trinkwasser neben den Häusern, die von den Fördergesellschaften regelmäßig befüllt werden, sind deutliche Zeichen.

Niemand kann die Druckausbreitung im Untergrund bei bis zu 1.500 bar Druck wirklich kontrollieren. Die ganzen Rechenspiele sind Erklärungsversuche, mehr nicht. Und wie die Geologie an der Stelle der beabsichtigten hydraulischen oder anderen Druckbeaufschlagung zur Zerbröselung des Trägergesteins wirklich beschaffen ist, stellt sich erst im Nachhinein heraus.

Und dann sind da noch allein in Niedersachsen 32.000 Altbohrungen der Kohlenwasserstoff-Förderung, über deren genauen heutigen Zustand die zuständige Aufsichtsbehörde LBEG keine Aussagen machen kann.

Und nun noch einmal zum Begriff „heimische Förderung“:
Auch Professor Kümpel sollte allmählich begriffen haben, dass es „heimisch“ nicht in Deutschland gibt. Es gibt Förderunternehmen, die das Gas fördern und dazu vorher eine Genehmigung eingeholt haben, verbunden mit der Zahlung einer
„Förderabgabe“ pro Volumeneinheit an das Bundesland des Förderstandortes. Das geförderte Gas ist dann kein „heimisches“ oder „deutsches“ Gas, sondern es ist Exxon-Gas, Wintershall-Gas, Suez-Gas usw. und diese Firmen verfügen uneinge-schränkt über seinen Besitz. Sie sind börsennotierte Unternehmen, die ihre Erträge maximieren. Daran ist nichts „heimisch“.

Und ganz zum Schluss:
„Einfluss der Klimaerwärmung“ ist für Prof. Kumpel kein erwähnenswertes Thema in diesem Zusammenhang. Obwohl ihm bewusst sein müsste, dass wir heute keineswegs davon ausgehen dürfen, dass Deutschland insgesamt die gleichen häufigen und recht gleichmäßigen Niederschläge behalten wird, wie wir sie bis jetzt kennen. Deshalb ist es um so wichtiger, dass unsere möglicherweise künftig noch viel kostbarere Ressource „trinkbares Grundwasser“ nicht wegen eines insgesamt so geringfügigen zusätzlich ausbeutbaren fossilen Bodenschatzes riskiert wird, zumal Beschädigungen in den allermeisten Fällen irreparabel sein werden.

Volkswirtschaftlich betrachtet ist das Befürworten der Fracking-Förderung das Verschleudern von Volksvermögen und die Gefährdung unserer Trinkwasserversorgung.

Volker Fritz 1-1 20.01.16

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article151159123/Bundesanstalt-erklaert-Fracking-fuer-unbedenklich.html

Kommentar zu den Inhalten des Artikels:„Pegida von links“ in ZEIT ONLINE vom 30.11.2015

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Dez 022015
 

Volker H.A. Fritz Wolfenbüttel, den 30.11.2015
(Dipl.-Ing.)

An Herrn Professor
Andreas Freytag
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik
an der Universität Jena

Betreff: Kommentar zu den Inhalten Ihres Gastbeitrages in ZEIT ONLINE vom 30.11.2015

Sehr geehrter Herr Professor,

ich hatte noch nicht die Ehre, Sie persönlich kennen lernen zu dürfen, daher beziehe ich mich nur auf Ihre Bemerkungen in dem Beitrag.

„Pegida von links“.

Zu mir: Ich bin einer dieser entschiedenen Gegner sowohl der Zulassung der Fracking-Förderung in Deutschland, als auch der Wirksamwerdung der sogenannten „Freihandelsabkommen“ CETA und TTIP. Seit etwa 4 Jahren arbeite ich intensiv an diesen beiden Themenblöcken.

Die von den etablierten Medien in dieser Zeit zu diesen Themenkomplexen verbreiteten Informationen und Meinungen zeugten allzu häufig davon, dass ihre Verfasser nur geringe Sachkenntnisse hatten, oder „Auftragsarbeiten“ erledigten, die ihnen mediale Regieführer im Hintergrund vorgaben.

Besonders häufig war eine „Nichttrübung“ der persönlichen Weltsicht bei Politikern anzutreffen. Und mit steigender Einflussnahmemöglichkeit, dank ihrer Ämter in den Regierungen in Bund und Ländern, stieg auch der Grad ihrer „generalisierenden“ Argumentationen.

Durch massives Lobbying der jeweiligen interessierten Wirtschaftskreise werden diese Führungsfiguren „vorinformiert“ oder besser „vorgeprägt“.
Und mit dieser Brille betrachtet, ist doch alles problemlos und wunderbar, nicht wahr.

Und dann kommt da die große Gruppe der so gern „benutzen“ Wissenschaft, um die eigene Propaganda für die Politik – und zusammen mit der Politik – für die Bürger als wissenschaftlich belegte Tatsache darzustellen. Das macht „die Wissenschaft“ schon gern mal, denn Drittmittel müssen ja zwingend eingeworben werden, soll der eigene „Laden“ nicht gestutzt werden.

Nach diesen Vorbemerkungen nehme ich nun meine Kommentare zu Ihrem, Gastbeitrag auf, sehr geehrter Herr Professor Freytag.

Zum ersten Block TTIP:
Sie behaupten da, dass Interessengruppen das Internet nutzen, um breite Massen zu mobilisieren und Kampagnen zu fahren. Und diese Gruppen würden nicht sachlich argumentieren, sondern anonym, polemisch und beleidigend.
Dazu führen Sie die Anti-TTIP-Kampagne von CAMPACT an.

Ich erwidere Ihnen: Der Erfolg dieser CAMPACT-Kampagne und der Aktion vieler anderer NGOs, mit 250.000 Teilnehmern am 10.10.2014 in Berlin, von denen keineswegs die meisten „links“ standen, beruht darauf, dass wir, Basis-Widerständler mit Verstand, früh genug die gewaltigen Risiken für uns, die Bürger in Deutschland und für Deutschland als Demokratie erkannten.

Dann haben wir den Dialog gesucht mit den Parteiführungen der etablierten demokratischen Parteien in Deutschland, aber auch mit Führungspersönlichkeiten der EU-Kommission in Brüssel.

Und was war die Reaktion: Man habe gerade jetzt keine Gelegenheit mit Vertretern der NGOs über die Freihandelsabkommen zu diskutieren, oder wir erhielten überhaupt keine Reaktionen. Gleichzeitig wurden verdeckt diese Vertragsentwürfe weiter im Geheimen verhandelt.

Unsere Kontaktaufnahme mit NGOs und Gewerkschaften in Kanada und deren Berichte, welche Erfahrungen Kanada mit dem inzwischen 20 Jahre alten Handelsabkommen NAFTA (Mexiko, USA, Kanada) gemacht hatte, ergab ein zunehmend klareres Bild, wo die besonderen Gefahren liegen, auch hinsichtlich der Arbeitnehmerrechte und gewerkschaftlicher Arbeit.

Erneut versuchten wir, diese Informationen mit politischen Führungspersonen in Deutschland zu diskutieren und ihnen die möglichen Gefahren auf Basis der vorliegenden Erfahrungen zu verdeutlichen. Wieder wurden unsere Sprecher nicht angehört, nicht zum Dialog eingeladen.

Dann war mit einem Mal CETA paraphiert, mit ISDS-Schiedsgerichten für die Anrufung nur durch die Konzerne.
Die geradezu lächerlichen Ausführungen eines Wirtschaftsministers Gabriel, was er und wie er die Inhalte von CETA noch nachträglich zu ändern gedenke, bevor das Abkommen in Kraft gesetzt wird, können einem die Tränen in die Augen treiben.

Wir, die wir in dieser neuen Abkommensform eindeutig die Absicht erkennen, unsere Demokratien und unsere Bürgerrechte auszuhebeln, sahen uns gezwungen, öffentlichkeitswirksam gegen CETA und TTIP auf die Straße zu gehen, damit die Regierenden endlich wahrnehmen, dass es tatsächlich einen großen Widerstand gegen diese Abkommen gibt. Auch die von uns initiierte Europäische Bürgerinitiative fand binnen eines Jahres über 3,2 Mio Unterstützer in 23 EU-Ländern und bekämpft nun in Brüssel die Lobbyistenaktivitäten, die durch List und Falschdarstellungen vermeintliche Vorteile der Abkommen in die Medien bringen, die gar nicht existieren.

Mit den Pro-Argumenten der Befürworter dieser „Freihandelsabkommen“, die schon einen irreführenden Namen tragen und eigentlich zutreffender so heißen müssten: „Abkommen für das freie Handeln der Internationalen Konzerne und Finanzvermögen, ohne Berücksichtigung nationaler Gesetze und Verordnungen“ haben wir uns intensiv auseinander gesetzt.

Stück für Stück haben wir erarbeitet, dass sie nicht zutrafen oder von falschen Annahmen ausgingen, wie zum Beispiel die Prognosen der wirtschaftlichen Belebung nach Abschluss von TTIP in den Folgejahren, die, obwohl falsch, überall in den Medien und der Presse multipliziert wurden. Die veröffentlichten Ergebnisse der Prüfungen der Prognosen und deren Fehler wurden – merkwürdigerweise – dann aber nicht breit in den Medien gebracht, obwohl ihre Bedeutung weit höher ist.

Im Ergebnis müssen wir heute feststellen, dass wirtschaftliche Impulse aus TTIP für Deutschland insgesamt kaum zu erwarten sind, eher in Summe eine Vergrößerung der Armut und die Auflösung unserer heutigen EU-Agrarmarktstrukturen – verbunden mit der Aufgabe Hunderttausender kleiner und mittlerer Agrarbetriebe, die der mechanisierten Großflächen- Produktion US-amerikanischer Prägung nichts entgegen zu setzen haben.

Das alles haben wir den Regierenden mitgeteilt und belegt.
Es hat sie nicht interessiert. „Freihandel ist doch gut!“ Fertig.

Zum zweiten Block:
Hier weiß ich nicht, welche Informationen Ihnen vorliegen.
Auch hier verfolgen und analysieren wir seit Jahren, was in den Fracking-Gebieten der USA und in Kanada passiert und hinterfragen die Behauptungen besonders all jener Ihrer Kollegen, die sich plakativ „pro Fracking“ einsetzen. Wir stellen auch hier fest, dass massiv mit Falschaussagen und irreführenden Zuordnungen gearbeitet wird, die der „normale Abgeordnete“ und schon gar der „normale Bürger“, nicht bewerten kann. Und so stehen dann professorale Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Geologen wie vermeintliche Bollwerke da: “ – alles prima – alles im Griff“.

Und wieder stimmt es nachweislich nicht, genau so wenig, wie es damals gestimmt hat, als ein namhafter Geologe bescheinigte – gegen besseres Wissen- dass die Asse als Atomlager geeignet sei. Fachleute, die es anders wussten, wurden mundtot gemacht, damit der damalige Ministerpräsident Albrecht von Niedersachsen angesichts dieser Versicherung die Entscheidung zur Zulassung als atomares Endlager unterschrieb.
Öffentlich wurde natürlich nur von „Versuchseinlagerung“ gesprochen.

Das „schadensfallfreie Fracken in Deutschland seit den 60er Jahren“ hat nichts mit dem zu tun, was man heute plant und weswegen man die Gesetze verabschieden will. Damals wurde nur „stimuliert“ (eine Art Mini-Frac). Obendrein geben die Förderunternehmen an, gar keine Unterlagen mehr zu diesen Bohrungen zu haben. Sie können also gar nicht mehr sagen,
ob es seinerzeit Störungen gab, oder nicht.
Dennoch behauptet zum Beispiel Prof. Kümpel von der BGR, es habe nie Störungen gegeben.

Heute sind die einwirkenden hydraulischen Kräfte zig-fach größer und sollen flächig wirken, durch horizontal abgelenkte, gefächerte Bohrungen, von Clusterbohrplätzen à 20 Bohrungen aus, (ca. 2 x 4 km Fläche). Das bedeutet, dass statt einzelner Bohrungen ganze Landschaften systematisch umgepflügt werden, Feld neben Feld. Die viel zitierten dichten „Deckschichten“ sind eine Fiktion der Förderindustrie im Verein mit den interessierten Instituten und den Landesbergämtern.

In Niedersachsen allein gibt es 32.000 Altbohrungen der Kohlenwasserstoff-Förderung, über deren Zustand das Landesbergamt keine Aussagen machen kann.

Ca. 43.000 neue Bohrungen sollen dazu kommen, mit horizontaler Ablenkung und hydraulischer Aufbrechung im Untergrund.
Die dabei frei werdenden Kräfte, sehr geehrter Herr Professor, können leicht von Ihnen abgeschätzt werden: 200 m Feldbreite (je 100 m beidseits der horizontalen Bohrung) und je ca. 200 m Druckabschnitt im abgelenkten Rohrstrang ergeben ungefähr 40.000 m2 Einwirkfläche mal 1.500 bar Druck. Unter diesen gewaltigen Kräften wird nicht nur das Gestein um die horizontale Bohrung herum aufgelockert, nein, der gesamte Bereich wird oberhalb der Frackebene nach oben gedrückt und vorhandene feinste Risse und Lunker in der „Deckschicht“ werden geöffnet und machen die „Deckschicht“ durchlässiger, einmal abgesehen von menschengemachten Durchbrüchen. „Danach“ ist im Untergrund nichts mehr so, wie es vorher war und die „Deckschicht“ kann danach besser als „Zwischenschicht“ bezeichnet werden. Die Abdeckfunktion, wenn sie diese vorher noch hatte, ist nicht mehr gesichert.

Die hauptsächlichen anvisierten Förderebenen liegen zwischen 800 m Tiefe und 1.300 m Tiefe. Das jetzt in der Diskussion immer wieder zitierte Tight Gas aus 4.000 bis 5.000 m Tiefe spielt in den Zukunftsplanungen kaum noch eine Rolle und ist daran mit weniger als 5% beteiligt.

Die Gefährdung unserer Grundwasservorkommen ist also absolut real gegeben, auch wenn einige Geologen das heute abstreiten. Ihre Beurteilung erfolgt zweckbedingt und nicht der Sache nach. Die gleichen Geologen machen sich ja auch einen „schlanken Fuß“, indem sie das unter Hochdruck in den Untergrund verpresste hoch giftige Abfallwasser aus der Öl- und Gasförderung und Aufbereitung als „sichere Abspeicherung“ bezeichnen. Es liegen genügend Erfahrungen vor, dass diese derart „verpressten“ Abfallflüssigkeiten im Untergrund „wandern“ und nicht etwa statisch an der Einpressstelle verharren.

Deutsche Bergämter machen da ganz eigene Planungen. Rechnerische Abfall-Flüssigkeitszylinder werden um den Bereich der Einpressbohrung herum „gedacht“ und ferner wird „gedacht“, dass diese Flüssigkeiten statisch dort verbleiben. Und schon gibt es keine Probleme. Nachgeprüft wird diese Bergamts-Theorie natürlich nicht. Ja wozu denn auch.

Und die Förderpotentiale in Deutschland an unkonventionellem Erdgas, von der BGR im Jahr 2012 – ohne dem Vorliegen neuer Geodaten – drastisch „nach oben“ geschätzt, machten Deutschland ganz plötzlich zu einem interessanten Fracking-Gasförderland. Tja und die Bundesregierung kam „in Wallung“.

Ja aber:
Im November 2014, während einer Info-Veranstaltung der CDU in Hamburg, ließ dann Prof. Kümpel von der BGR „die Hosen herunter“. Man habe sich da wohl 2012 etwas „verschätzt“ und müsse das Ganze noch einmal sorgfältig überprüfen.
Als danach das Drängen der CDU-ler zu groß wurde, gab er schon mal einen ersten Richtwert an: Das maximal förderbare geschätzte Gasvolumen werde wohl so bei 1 Billion m³ Erdgas liegen. Genaueres werde man erst nach der Verabschiedung der Fracking-Gesetze sagen.
Das, sehr geehrter Herr Professor, bedeutet aber eine Rücknahme von über 50% der „Höherschätzung“ der BGR von 2012.

Bei einem Mammut-Projekt solcher Größenordnungen mit weit über 200 Mrd EUR Investkosten und Infra-Strukturkosten stellt die höchste geologische Behörde Deutschlands fest, dass die vorherigen Annahmen auf weniger als 50% zurückzunehmen sein werden. Und was macht die Bundesregierung?
Sie wartet, bis Prof. Kümpel irgendwann eine Ausarbeitung dazu abliefert, anstatt das Projekt „Fracking-Förderung“ in den Orcus zu feuern, da wo es hingehört.

In Deutschland produziertes Fracking-Gas wird niemals ohne staatliche Subventionen zu verkaufen sein. In den USA wird heute Fracking-Gas für etwa 8 bis 9 USD pro thermal unit produziert und zurzeit im U.S.-Großhandel für 2,46 USD verkauft.
Deutsches Fracking-Gas wird aber deutlich teurer in der Produktion sein, bei wenigstens 10 bis 13 USD pro thermal unit, da bei uns ja auch nicht die massiven staatlichen Stützungen der Produktion erfolgen, wie in den USA.
2013 waren das fast 50 Milliarden USD, die der amerikanische Steuerzahler aufzubringen hatte. Unser Endverbraucher-Gaspreis würde also um wenigstens 0,25 bis 0,35 EUR/m³ steigen müssen, um die Produktion im Lande kostendeckend zu bekommen.
Dann müsste aber auch noch eine „fette“ Gewinnmarge für die Förderer her. Die käme natürlich noch oben drauf.

Und die Gesundheitsgefährdung der Bürger und Anwohner?
Da sagt zum Beispiel ExxonMobil: Die gibt es nicht.
Prompt sind auch in den neuen Gesetzentwürfen zur Erlaubnis der Fracking-Förderung – außer markigen Vortexten – keine Regelungen enthalten, die den Schutz der Anwohner gegenüber der bisherigen unzureichenden Praxis der Kohlenwasserstoff-Förderung in Deutschland verbessern würden.

Dann fragt man sich nur, wieso in den USA in den Fördergebieten so viele Menschen erkranken, dazu noch an seltenen Blutkrebsarten und in Kanada gibt es eine Gegend wo Teersand-Rohöl industriell aufbereitet wird und sehr viele Emissionen austreten. In der Nachbarschaft gibt es auch eine Häufung von seltenen Blutkrebsen.
Und bei uns in Deutschland, im Raum Rotenburg und in der SG Steimbke in NDS gibt es eine Häufung von seltenen Blutkrebsen im Umfeld langjähriger starker Förderung von Erdgas und Erdöl.
Eine Aufklärung der Gründe für diese Krebserkrankungen wird zurzeit versucht, es entsteht aber der Eindruck, dass der nötige Nachdruck fehlt. Eher wird der Ernst dieser festgestellten Krebshäufungen herunter gespielt.
Auf Anfrage sah zum Beispiel die Bundesregierung keinen Grund, die Entwicklung der Fracking-Erlaubnisgesetze auszusetzen, bis die Ursachen dieser Krebshäufungen an den Förderstandorten gefunden sind.

Ja, und dann das Stichwort „Brückenbrennstoff“ für Erdgas:
Auch hier wurde seit Jahren und wird, trotz inzwischen eindeutig ermittelter Sachverhalte, immer noch der Vorteil und die Notwendigkeit von Erdgas mit dem geringeren Anfall an CO2 bei seiner Verbrennung in Kraftwerken gelobt, verglichen mit der Steinkohle. Ja, das ist die eine Seite der Medaille. Aber die andere, mit hohen Methan-Leckagen, unverbrannt in die Atmosphäre, wo sie ein Mehrfaches der CO2-Schädigung der Atmosphäre bewirken, führt im Ende zu einer durch Fracking-Erdgas weltweit beschleunigten Schädigung der Atmosphäre, gegenüber der Fortsetzung der Steinkohleverbrennung.
Der „Brückenbrennstoff“ wird also zum „Selbstmordbrennstoff“ der Menschheit.

Deutschland muss vorne mitmischen, ja wenn nur klar wäre, wo vorne ist. Ist der kurzfristige Profit der Gasförderer in Deutschland „vorne“, wenn er denn überhaupt möglich ist?
Oder ist die Zukunftssicherung unserer Kinder und Kindeskinder „vorne“?
Es ist schon klimamäßig „sehr spät“, das hat Prof. Schellnhuber erst vor ein paar Tagen noch einmal deutlich gemacht.
Unsere Bundesregierung hört ihn zwar an, gibt dann aber Planungen heraus, wo sie mit der CO2-Reduzierung in 30 Jahren landen will. Das ist nach Professor Schellnhuber dann aber schon zu spät, denn selbst verstärkende Wandlungsprozesse verändern unseren Globus zunehmend.

Ja, sehr geehrter Herr Professor, das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Informationen zu Fracking, über die es zu diskutieren lohnen würde. Aber Entscheidungsträger in der Politik wollen uns nicht zuhören. Ein wenig haben wir den Eindruck, die Rolle der „Spielverderber“ zu spielen, mit denen man sich nicht gerne abgibt.
Eine faktenbasierte Diskussion will man offenbar gar nicht.
Dabei haben wir in mühevoller Kleinarbeit inzwischen eine große Menge an Informationen gesammelt und allmählich auch gelernt, diese richtig zu bewerten.

Die Angebote der Förderindustrie in Deutschland und ihres Fachverbandes zu Gesprächen haben den Hintergrund, uns mit ihrer Propaganda zu überschütten, nicht aber in einen Gedankenaustausch über die Gefahren der Fracking-Förderung einzutreten. Dass wir gegen die Erlaubnis der Fracking-Förderung sind, kann nach deren Meinung nur daran liegen, dass wir noch nicht genügend „aufgeklärt“ worden sind.

Ich möchte Sie abschließend freundlich bitten, Ihre in Ihrem Gastbeitrag vorgetragene Polemik zu unseren politischen Einstellungen und zur Qualität unserer Aussagen zu überdenken.
Dass wir uns zu größeren gemeinsamen Aktionen im Widerstand gegen unsinnige oder gar schädliche Projekte und Vorhaben der Regierung und der sie beeinflussenden Wirtschaft zusammenschließen, ist der Weg der uns stark macht, da uns Sponsorengelder der Wirtschaft nicht zur Verfügung stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Fritz
Mitglied im Zusammenschluss
„Gegen Gasbohren“

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-11/debattenkultur-internetkampagnen-verletzen-regeln-diskussion

Öl- und Gasproduzenten kontrollieren die unter Federführung der EPA (Environmental Protection Agency) erstellte Irische Studie zur Erforschung der Umweltauswirkungen von Gasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten

 Allgemein, Risiko, Studien  Kommentare deaktiviert für Öl- und Gasproduzenten kontrollieren die unter Federführung der EPA (Environmental Protection Agency) erstellte Irische Studie zur Erforschung der Umweltauswirkungen von Gasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten
Nov 052015
 

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“Oil and Gas Producers control Irish Study under EPA Governance “ Environmental Impacts of Unconventional Gas Exploration & Extraction (UGEE)”

Irische Fracking-Gegner decken Verflechtungen der beratenden durchführenden Unternehmen mit der Öl- und Gasindustrie auf und fordern sofortigen Studienabbruch und die Beendigung aller Ausschreibungen, insbesondere seismischer Messungen beidseits der Grenze.

IRELAND/UK-Northern Ireland   1 – 3 November 2015

http://goodenergiesalliance.com/2015/10/21/stop-the-study-rising-to-a-new-challenge/

GEAI: Good Energies Alliance Ireland

Unter der Aufsicht der amerikanischen Umweltbehörde EPA wurde eine Studie über die „Umweltauswirkungen der Aufsuchung und Förderung unkonventionellen Erdgases“ in Irland gestartet. Originaltitel: „Environmental Impacts of Unconventional Gas Exploration & Extraction” (UGEE).

Die EPA beauftragte die U.S.-Beratungsfirma CDM-Smith mit der Leitung der Studie und  als zweite Hauptbeteiligte die britische Beratungsfirma AMEC Foster Wheeler.

Diese beiden Firmen entwickelten den weit überwiegenden Teil der Studie. Zur Wahrung der Unabhängigkeit sollten dann noch irische Universitäten beteiligt werden.

Die Prüfung der Fracking-Gegner ergab:

CDM-Smith und AMEC Foster Wheeler sind beide fortlaufend als Beratungsfirmen für die Öl- und Gasindustrie tätig, beide waren oder sind Mitglied in der „Marcellus Shale Coalition“ deren Kunden BP, SHELL, ExxonMobil, GdF Suez, Ontario Power Generation, KNPC und BR Petrobas sind. Damit wird diese Studie in der Essenz von der Industrie für die Industrie gemacht.

Die Nachprüfung des Umfangs der Beteiligung der irischen Universitäten ergab:

Die Queen’s University, Belfast (QUB) zog sich aus dem Konsortium im Oktober 2014 zurück und war zu keinem Zeitpunkt Teil des Forschungsteams (während die EPA im Juni 2014 anderes behauptete). UCD und University of Ulster (UU) spielen nur minimale Rollen.

Deshalb stellten sich für die GEAI in diesem Zusammenhang ernsthafte Fragen.

Ferner wird ein inakzeptables Geheimnis um diese Untersuchung gemacht. Zwischenberichte werden nicht veröffentlicht, eine Beteiligung der Öffentlichkeit ist nicht erlaubt, bevor der fertige Bericht vorgelegt wird. Die Plausibilitätsprüfung der Studie durch unabhängige Dritte („peer-review“) ist nicht vorgesehen.

Fazit der GEAI:

Diese Studie ist nicht unabhängig, sie ist vorgesehen, die Regierung über Fracking zu informieren. Sie ist nicht auf die Politik fokussiert, sondern auf den Prozess. Sie fragt nicht, ob Irland Fracking erlauben sollte, sondern sie untersucht, wie die Auswirkungen von Fracking durch Gesetzesmaßnahmen minimiert werden können.

Diese Studie ist für den Zweck nicht geeignet

Die GEAI fordert: Studie sofort stoppen!

Die ausgeschriebenen seismischen Erkundungen im Rahmen der Studie beidseits der Grenze in Nordwest-Irland sind sofort zu widerrufen, ebenso wie weitere Messaufgaben.

Die Gesundheitsauswirkungen von Fracking sind zu untersuchen, wobei die Ergebnisse aller bedeutenden „peer-review“ Studien und Berichte zu berücksichtigen sind, Durchführung nach der Methode der „N.Y. State Health Commission“ vom Dezember 2014.

Als Durchführenden fordern wir die Gesundheitsbehörde unter der Aufsicht der HSE und des Gesundheitsministeriums“.

Im Lauf den Monats November 2015 sind in Dublin Gespräche mit Politikern geplant, um ihnen die Ergebnisse der Nachforschungen der GEAI zu präsentieren.

Folgende Fragen drängen sich auf:

Könnte es sein, dass die Förderindustrie, unter dem Deckmantel dieser Studie schon umfangreiche seismische Untersuchungen zur Abklärung der Vorkommen in Nordwestirland – beidseits der Grenze durchführen will, während das Moratorium läuft und die Studie also evtl. nur als Vorwand benutzt werden soll?

Könnte es sein, dass über weitreichende Kontakte der betroffenen Industrie Eingriffe in die Erstellung von Studien vorgenommen werden sollen?

Die offenbar nicht vorgesehene öffentliche Beteiligung an den Inhalten, ebenso wie die nicht vorgesehene Plausibilitätsprüfung der Studienergebnisse lassen Befremden aufkommen.

Handelt es sich bei dieser Art Studien um Einzelfälle?

So stellt sich die Frage, ob Studien und Untersuchungen, die von Förderunternehmen finanziert werden, tatsächlich „unabhängig“ durchgeführt werden können?

Der vielbeachtete „InfoDialog“ des „Neutralen Expertenkreises“ mit Abschluss im April 2012 in Osnabrück, zur Bewertung der Risiken und Chancen von Fracking-Förderung in Deutschland, wurde zum Beispiel von ExxonMobil finanziert.

Gesundes Misstrauen erscheint angebracht.

In den USA – und dort in besonderem Maße im Bereich der Öl- und Gasindustrie – hat es den Anschein, dass die Benutzung von Gutachten zur Durchsetzung von Unternehmenszielen verbreitet ist. Die drohende Beschränkung der Schiefergas-(Shale Gas) Produktion wegen hoher, extrem die Atmosphäre schädigender Methan-Leckagen hat man durch ein Gutachten abgewendet.

Das generelle Ergebnis der Studie: Die Methan-Emissionen an den Förderplätzen sind gering, nur 0,42% im Mittel der 190 gemessenen Plätze.

Siehe auch: http://www.pnas.org/content/110/44/17768.full.pdf  (EDF-Studie vom 10.2013)

Methan als Klima-Killer wegen hoher Leckagewerte wird durch dieses Ergebnis entlastet, während mehrere unabhängige Studien genau das gegenteilige Ergebnis ausweisen. Es wird nur auf den Bereich der Förderstelle Bezug genommen, während tatsächlich im Verlauf des Zyklusses, bis zum Verbraucher, weitere Emissionsquellen in erheblichem Umfang vorliegen.

Die im Herbst 2013 veröffentlichte Studie des „Environmental Defense Fund“ (EDF) über Methan-Emissionsmessungen auf U.S. Förderplätzen wird vom Autor Steve Horn von DeSmogBlog am 16.09.13 kommentiert.

Der EDF selbst hat im Juni 2015 eine neue Studie mit höheren Werten herausgebracht, die von Food and Water Watch kommentiert wurde. Danach sind Gesamtleckagen von 3% und mehr realistisch.

Quellen:

http://www.desmogblog.com/2013/09/16/frackademia-people-money-behind-edf-fracking-methane-emissions-study Autor Steve Horn, Datum 16.09.2013; teilweise Übersetzung des desmogblog-Berichtes vom 16.09.2013, VF vom 24.06.2014

http://www.pnas.org/content/110/44/17601.full.pdf                  EDF-Studie vom 10.2013

http://www.engr.utexas.edu/news/7416-allenemissionsstudy Bericht zum Start der EDF-Studie vom 10.10.2012, Cockrell School of Engineering der Austin University

http://www.theguardian.com/environment/2015/jun/24/natural-gas-leaks-methane-environment

https://www.edf.org/energy/study-finds-substantial-loss-natural-gas-us-federal-and-tribal-lands