Aug 162019
 

Am 29. Juli 2019 informierte die niedersächsische Landesregierung die Bevölkerung darüber, dass im Landkreis Grafschaft Bentheim seit Anfang 2014 möglicherweise bis zu 220.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser (LAWA) in den Untergrund gelangt sind. Ursache sollen Leckagen an der Einpressbohrung Emlichheim 132 der Firma Wintershall DEA sein. Dabei soll das stark salzhaltige Lagerstättenwasser nach Einschätzung von Wintershall Dea einen oberen Grundwassereinleiter erreicht haben. Dieser Grundwasserschaden ist vermutlich einer der größten Umweltschäden in der Geschicht der deutschen Erdölförderung. (Wir berichteten bereits hier.)

Wintershall DEA hat zum großen Grundwasserschaden von Emlichheim inzwischen das hier verlinkte „Factsheet“ – besser: „alternative Faktenblatt“ – auf seiner Website bereitgestellt.

Wintershall DEA stellt darin auf Seite 3 dar, dass ab 36 m Tiefe bereits natürlich versalztes Grundwasser anfängt. LAWA wurde im Bereich 99-109 m Tiefe festgestellt. Weiter schreibt Wintershall DEA: „Das Lagerstättenwasser weist Chloridkonzentrationen in einer Größenordnung von ca. 30 bis 50 g/l auf. Damit ist der Chloridgehalt des Lagerstättenwassers etwa doppelt so hoch wie im Meerwasser der Nordsee.“

Das ist eine für Wintershall typische Verharmlosung. Das Nordseewasser mit einem Chloridgehalt von 19,3 g/l würde niemand trinken und auch nicht zur Bewässerung in Gärten und Landwirtschaft verwenden, da boden-, pflanzen und wasserschädlich. Diese Argumentation hatte Wintershall bereits früher versucht im Zusammenhang mit der Bohrschlammgrube Bohlsen/Lk. Uelzen.

Die Angaben im Factsheet zum natürlich versalzten Grundwasser widersprechen den hier verlinkten Angaben im Nibis-Kartenserver des LBEG.

Für den Bereich bei der Em 132 ist kein versalzter Grundwasserkörper angegeben, wohl aber für einen Bereich südlich von Emlichheim. Bei Klick auf die blaue Fläche erscheint folgender Text:

„Unterer Teil des Grundwasserleiters versalzt (>250 mg/l Chlorid). Einschränkungen der Trinkwassergewinnung möglich.“

Nachfolgend das Verhältnis Salzgehalt, hier als Parameter Chlorid, von Lagerstättenwasser in Emlichheim zu unbelastetem Grundwasser:

Chlorid-Gehalt
52.100 mg Cl/l          Eingepresste Lagerstättenwasser (Quelle: Schreiben des Wirtschaftsministeriums von 2. August 2019)

24 mg Cl/l           NLWKN-Grundwassermessstellen Kleinringerwösten I (3,5 km südöstlich von EM 132) und Volzel I, Zeitraum 2006 bis 2017  (Quelle: Wasserbuch des Landes Niedersachsen)

Das hochsaline Lagestättenwasser ist ca. 2.100 fach höher mit Chlorid verschmutzt als das vorhandene obere Grundwasser in ca. 10 m Tiefe.

Die nächste Grundwassermessstelle bei der EM 132 ist hier.

Forderungen an Wintershall DEA/LBEG/Wirtschaftsministerium sind:

1. Zur Transparenz sind die Daten der gemessenen Grundwasseranalysen zu veröffentlichen, insbesondere die Daten der zur Zeit abgeteuften Grundwassermessstelle und in den Tiefen zwischen 100 bis 10 m unter Gelände.
2. Veröffentlichung der Komplettanalyse des LAWA
3. Daten der neuen (in April 2019 hergestellten) Grundwassermessstellen, welche alle max. 10,0 m tief sind.
4. Steigen die im LAWA enthaltenen Kohlenwasserstoffe wie z.B. Benzol, MKWs in flüssiger oder gasförmiger Form nach oben auf im Grundwasserkörper, da sie ja leichter sind als das Grundwasser?
5. In der Pressekonferenz, bei 12.10 min im Video nannte Klaus Sönthgerath/LBEG kurz die Em 121, korrigierte aber gleich zu EM 132. Die Em 121 (ebenfalls 1954 gebohrt) befindet sich auf dem gleichen Gelände wie die Einpressbohrung Em 132 und ist verfüllt. Gab es an der Bohrung Em 121 ebenfalls Korrosionsschäden oder andere Schäden?

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Bernd Ebeling (15.08.2019). Vielen Dank für die Veröffentlichung.

Nov 172013
 

Angebohrte Pipeline bei Milford, Tx. (14.11.2013)

Angebohrte Pipeline bei Milford, Tx. (14.11.2013)

I. Eine Ingenieursleistung der Extraklasse liefern Gasbohrer am vergangenen Donnerstag in der Nähe des 700-Seelen-Dorfs Milford im Norden von Texas, USA. Von Eile getrieben und orientierungslos setzen sie ihren Bohrturm exakt über einer Pipeline ab und fangen an zu bohren und werden schon nach wenigen Fuß „fündig“: Durch das Loch in der angebohrten 10-Inch-Pipeline schießt Gas und fängt sofort Feuer.
Die Pipeline wird von Chevron betrieben, unklar bleibt zunächst, was darin ist: LPG (liquefied petroleum gas) oder Öl auf dem Weg von der Quelle zur Aufbereitung.


II. Lord Rothschild seufzt und zieht unwillig seine Jacke über. Schon wieder eine explodierte Pipeline. Er weist seinen Privatpiloten an, den Heli startklar zu machen.


III. „Es besteht keine Gefahr für Leib und Leben. Dies ist eine reine Sicherheitsmaßnahme. Bitte folgen Sie uns jetzt in die Notunterkünfte.“ Milford wird evakuiert. Die Menschen lassen alles stehen und liegen und fliehen vor der giftigen Rauchwolke. Man sieht das Inferno da hinten auf dem Acker und man hört den höllischen Lärm, Zischen, Rauschen und Donnern in schneller Abfolge, wenn sich der Druck in blasts entlädt, das flüssige Gas sich blitzartig ausdehnt und mit dem Sauerstoff in der Luft vereint und Feuer fängt.


IV. Schon aus 30 Meilen Entfernung sieht Lord Rothschild die schwarze Rauchfahne, die inzwischen unter der Wolkendecke hängt. Er checkt und macht die Außenbordkamera klar und drückt RECORD. 12 Minuten Material, exklusiv auf gegen-gasbohren.de der Zeitraffer:

Milford0Milford1Milford2Milford3Milford4Milford5
 


V. Lord Rothschild macht sich auf den Nachhauseweg, Brandgeruch begleitet ihn. Reuters wird ihm Filmmaterial abkaufen.

Wenige Stunden später wird die nächste verheerende Gasexplosion einen Ort in der Nähe des polnischen Breslau und die Nachrichtenwelt erschüttern. Zwei Tote und 13 Verletzte, darunter ein Baby, werden zu beklagen sein. Es wird gemutmaßt, dass ein Bagger die Pipeline aufgerissen hat, aber keiner weiß genau Bescheid. Der 30 Meter hohen Flammenwand werden mehrere Häuser zum Opfer fallen, im Ort ein riesiges Loch klaffen.

Milford wird auch die zweite Nacht nach dem Gasausbruch entvölkert bleiben. Kurze Besuche zu Hause werden gestattet sein, um Haustiere zu versorgen und Medikamente zu holen. Der Zustand der Luft in Milford „ist normal“, wird der für die Chevron-Pipeline Zuständige am 2. Tag sagen, aber die Evakuierung wird andauern. Reine Sicherheitsmaßnahme, sagen die Offiziellen und die Zeitungen schreiben, dass Menschen nicht zu Schaden gekommen seien in Milford, Texas. Die Nachrichtenagentur Associated Press wird die Luftverschmutzung durch den pechschwarzen Rauch des Gasbrandes (oder ist es doch Öl?) als Grund für die Evakuierung angegeben haben und einen Tag später eine „Richtigstellung“ bringen müssen. Am dritten Tag ist Wochenende und Nachrichten aus Milford werden ausbleiben.

 Veröffentlicht von am 17. November 2013
Okt 132013
 

Gastrocknungsanlage Bötersen (Betreiber: ExxonMobil)

Beim Trocknen des Erdgases fallen Lagerstätten- und Kondenswassser an, die entsorgt werden müssen (Foto: Gastrocknungsanlage Bötersen)

Am 10.10.2013 informierte das LBEG über eine Lagerstättenwasser-Leckage im Erdölfeld Georgsdorf.
Ausgetretene Menge noch unbekannt. Rund 30 m² Forst betroffen.

An einer Lagerstättensammelleitung der ExxonMobil Produktion Deutschland GmbH wurde am 9. Oktober 2013 eine Leckage entdeckt. Die Leitung befindet sich im Erdölfeld Georgsdorf (Gemeinde Osterwald; Landkreis Grafschaft Bentheim). Der Betreiber informierte umgehend das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Das LBEG hat Ermittlungen zur Schadensursache aufgenommen und die Untere Wasserbehörde des Landkreises Grafschaft Bentheim sowie die Samtgemeinde Neuenhaus informiert.

An der Leitung aus Stahl/Zement trat während des regulären Betriebes aufgrund einer Undichtigkeit Lagerstättenwasser aus. Nach ersten Schätzungen ist eine Bodenoberfläche (Aufforstung) von ca. 30 m² betroffen.

Das genaue Schadensausmaß wird momentan von einem unabhängigen Gutachter ermittelt. Im Anschluss wird vom Betreiber ein Sanierungskonzept erstellt. Die Durchführung der Sanierungsmaßnahmen durch den Betreiber wird im Rahmen der Bergaufsicht vom LBEG kontrolliert.

Quelle: LBEG

Austritte von Lagerstättenwasser geschehen erstaunlich häufig, wie diese Liste der Störfälle in Norddeutschland deutlich macht. Erstaunlich deshalb, weil doch Deutschland das Land der Ingenieurskunst ist. Deswegen soll Fracking hier ja auch viel sicherer sein als z.B. in Amerika!

Na ja, wie sicher die Spezialexperten ihre Technik im Griff haben, sehen wir ja hier grade wieder. Und deutscher Stahl, pardon: Stahl in Deutschland ist wohl auch nicht mehr, was er mal war. Ganz zu schweigen von deutschem Zement. Von wegen Stahl/Zementleitung… wie mag das erst um den Zement bestellt sein, mit dem sie die alten Bohrlöcher von vor dem Krieg verfüllt haben? Wer vermag da Vertrauen in die deutsche Ingenieurskunst entwickeln?

 Veröffentlicht von am 13. Oktober 2013
Okt 132013
 

20131010_Tesoro_NDakotaFast zwei Wochen ließen sich die zuständigen Behörden in North Dakota Zeit, bevor sie die Öffentlichkeit informierten: Im Nordwesten des Landes war am 29. September „eine der schlimmeren Öl-Verschmutzungen des Landes“ entdeckt worden — vom Landwirt Jensen. Schon tageland hatte er auf seinem Weizenfeld Ölgeruch wahrgenommen, bis dann das Öl an den Rädern seines Traktors klebte. 20.600 Barrel Rohöl, das sind rund 3,28 Millionen Liter, seien ausgelaufen, wie die staatliche Gesundheitsbehörde 11 Tage nach der Entdeckung und auch nur auf Nachfrage von AP mitteilte.

Damit ist hier jetzt rund viermal so viel Öl ausgelaufen wie letztes Jahr in Mayflower, Arkansas, wo die Pegasus Pipeline von ExxonMobil leck schlug, und etwa halb so viel, wie bei der Flut im letzten Monat in Colorado offiziell in die Umwelt gelangt sei.

Weit über 3 Mio Liter Rohöl auf einem Acker in North Dakota (Oktober 2013; Bildquelle: Desmogblog)

Weit über 3 Mio Liter Rohöl auf einem Acker in North Dakota (Oktober 2013; Bildquelle: Desmogblog)

Dies sei eine der schlimmeren Unfälle mit Öl, sagte der staatliche Geologe Kris Roberts. Menschen und Tiere seien nicht zu Schaden gekommen, auch das Grundwasser sei nicht in Gefahr. Die defekte Leitung läge rund 1,80 Meter tief in einer Lehmschicht. Die gut 12 Meter dicke Lehmschicht würde verhindern, dass das Öl ins Wasser gelangen kann, bekräftigten Behörden und Unternehmen.

Das Leck sei eine durchgerostete Stelle mit weniger als einem Zentimeter Durchmesser, sagte Eric Haugstad von Tesoro. Der betroffene Streckenabschnitt der Pipeline war erst vor Kurzem gewartet und wiedereröffnet worden. „Wir machen hier sauber, 4 Millionen Dollar sind dafür veranschlagt“, sagte Haugstad.

Landwirt Jensen verglich sein einst schönes Weizenfeld mit einem Schlachtfeld. Die nächsten Jahre wird er hier nichts anbauen können, sagte er.

Siehe auch: Desmogblog: Over 865,200 Gallons of Fracked Oil Spill in ND, Public In Dark For Days Due to Government Shutdown

 Veröffentlicht von am 13. Oktober 2013
Jun 092012
 

 

An einer Stahlleitung der RWE Dea AG wurde gestern erneut eine Leckage entdeckt. Die Leitung befindet sich auf dem Betriebsplatz der Bohrung Becklingen Z1 der RWE Dea AG und dient dem Transport von Lagerstättenwasser auf dem Betriebsplatz. Das Unternehmen informierte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie LBEG umgehend von dem Schaden.Nach ersten Schätzungen ist aus der Stahlleitung weniger als 1 Kubikmeter Lagerstättenwasser ausgetreten und auf den befestigten Betriebsplatz gelaufen. Die ausgetretene Flüssigkeit hat den Betriebsplatz nach jetzigem Kenntnisstand jedoch nicht verlassen. Dass in dem Wasser auch Benzol ist, erfahren wir erst auf Nachfrage. Auch die entsprechende Pressemitteilung erreichte uns nicht wie gewohnt automatisch, sondern erschien nur auf der Homepage des LBEG. Dazu Rochus Rieche vom Landesamt: “Lagerstättenwasser impliziert automatisch, dass Benzol freigesetzt wird. Die Pflanzen leiden aber eher unter dem Chlorid. Nach unserer Einschätzung ist das Benzol in dieser Menge nicht gefährlich – schließlich gibt’s das auch in jedem Trinkwasser.”

Quelle:
Erneut Schaden an Stahlleitung – “Benzol ist auch im Trinkwasser” | CelleHeute.

Mai 212012
 

Hört euch das mal an!
Bisher werden mehrere zig Millionen Liter radioaktiver, toxischer oder krebserregender Stoffe einfach in den Boden gepresst und das soll erlaubt sein. Die Politik muss die Industrie einfach stärker kontrollieren!

Bei der Förderung von Öl und Gas fallen gigantische Mengen giftiger Abwässer an. Entsorgt werden diese Stoffe oft dadurch, dass sie einfach wieder in den Boden oder ins Meer gepumpt werden. Die Opposition im Bundestag will das Thema nun stärker auf die Tagesordnung bringen.

Quelle:
Giftige Rohstoffe in Meer und Boden – Opposition kritisiert Umgang mit Abfällen der | Umwelt und Verbraucher | Deutschlandfunk.