Politik

Jun 202012
 

Vom 19. Juni bis zum 22. Juni ist Johanna Voß in Nordpolen unterwegs. Polen ist eines der Länder, in denen verhältnismäßig große Vorkommen an Schiefergas vermutet werden, das mit Hilfe des so genannten Fracking gewonnen werden soll.

Gruppenbild vor dem Büro von Robert Biedron (Palikot-Bewegung) in Gdynia.

Angesichts der Abhängigkeit Polens von Gasimporten aus Russland ist das Bedürfnis nach Eigenversorgungsmöglichkeiten dort noch erheblich größer als in Deutschland. Jedoch gibt es auch in Polen in den betroffenen Regionen immer wieder Proteste der Anwohner und von Umweltschutzverbänden.

Johanna Voß informiert sich in den vier Tagen in Nordpolen vor Ort über die Diskussionen und die Politik in Polen und berichtet über die energiepolitischen Diskussionen in Deutschland. Sie trifft sich unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und von Bürgerinitiativen, die gegen das Fracking kämpfen.

Am ersten Tag traf sie zum Beispiel mit Radoslaw Gawlik, Vorsitzender der “Eco-Unia”, ein gegen das Fracking aktiver ökologischer Verein, und mit Dr. Piotr-Pawel Bauć (Sejm-Abgeordneter für die Palikot-Bewegung) zusammen, um sich mit ihnen über die Fracking-Situation in Polen und Deutschland auszutauschen.

Dabei stieß besonders die rechtliche Situation in Deutschland auf großes Interesse: Wie kann man das Bergrecht reformieren, so dass es auch Umweltschutzbelange und die Belange der Menschen vor Ort berücksichtigt? Was kann ein Moratorium wie in Nordrhein-Westfalen wirklich bewirken? Was ist von dem Dialog von ExxonMobil Dialog zu halten?

Der Austausch am ersten Tag war sehr fruchtbar und Johanna Voß freut sich auf die Gespräche in den folgenden Tagen.

[Bericht vom zweiten Tag]

Quelle: Johanna Voß, Mitglied des Bundestages

Jun 162012
 

Das Aktionsbündnis No-Moor-Fracking ruft Unterzeichner der Petition gegen Fracking auf zur Kundgebung am 20.6.2012 ab 11 Uhr in Hannover zu kommen.

Um 17 Uhr findet die Übergabe der 10.000 gesammelten Unterschriften an den Landtagspräsidenten statt.

Seit März diesen Jahres hat das Aktionsbündnis No-Moor-Fracking in Wagenfeld und der näheren und weiteren Umgebung für seine „Petition gegen Fracking in der Diepholzer Moorniederung” Unterschriften gesammelt. Dabei haben sich weit über 10.000 Menschen gegen diese höchst umstrittene und risikobeladene Schiefergas-Fördermethode ausgesprochen.

Am Mittwoch, den 20. Juni sollen diese Unterschriften nun offiziell unseren Volksvertretern im niedersächsischen Landtag übergeben werden.

Vor der Übergabe der Petition wird das Aktionsbündnis No-Moor-Fracking im Zusammenhang mit einer zeitgleich stattfindenden europaweiten Anti-Fracking-Kampagne des internationalen Kosmetikunternehmens LUSH eine Kundgebung in Hannover veranstalten, bei der die Öffentlichkeit über die Risiken der Schiefergasförderung aufgeklärt werden soll.

Alle Unterzeichner der Petition, Mitbürger und potentiell Betroffene in Niedersachsen sind herzlich eingeladen, möglichst zahlreich an der Veranstaltung in Hannover teilzunehmen.

Das Programm:

KUNDGEBUNG – Ernst-August-Platz (Nähe Bahnhofsplatz und Ernst-August-Galerie): von 11 bis 15 Uhr Kundgebung. 12:00 Uhr Pressetermin im Zusammenhang mit der LUSH Kampagne gegen Fracking.

DEMONSTRATIONSZUG – Ernst-August-Platz > Bahnhofsstrasse > Kröpke (Baustelle) > Karmarschstrasse > Landtag Geschätzte Ankunftszeit ca 15:30 Uhr

VERSAMMLUNG – Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz (direkt gegenüber vom Landtag), “Platz der Göttinger Sieben” oder Platz vor dem Wirtschaftsministerium > bis 17 Uhr

UNTERSCHRIFTENÜBERGABE Treppe vor dem Landtag oder im Landtag – 17 Uhr, Treffen mit dem stellvertretenden Landtagspräsidenten, Herrn Klare.

Jun 132012
 

Der Koalitionsvertrag in NRW ist beschlossen und enthält diesmal auch Absprachen zum Umgang mit der Gasförderung und  Fracking. Zentrale Punkte sind:

  • eine Novellierung des Bergrechts, die allerdings  auf Bundesebene erfolgen muss
  • eine verpflichtende wasserrechtliche Prüfung unter Berücksichtigung des Besorgnisgrundsatzes . Quasi ein Veto-Recht der unteren Wasserbehörden, die dafür aber noch rechtssichere Kriterien benötigen
  • eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung. Bislang gibt es diese nur in Ausnahmefällen
  • eine Beweislastumkehr bei Schäden, wie sie bereits jetzt für die Kohleförderung gilt. Unternehmen müssten dann bei typischen Schäden nachweisen, dass sie nicht verantwortlich sind. Momentan muss das der einzelne Bürger auf eigene Kosten beweisen
  • die Berücksichtigung von untertägigen Umweltauswirkungen. Momentan werden die unterirdischen und weitgehend unumkehrbaren Schäden – beispielsweise am Tiefengrundwasser – ignoriert.
  • Transparenz und öffentliche Beteiligung wird gleich zweimal erwähnt.
Wesentliche neue Aspekte sind im Koalitionsvertrag  nicht zu finden. Das war aber auch nicht zu erwarten. Bis September 2012 läuft noch das Gutachten mit Risikoanalyse des Landes NRW. Nach dessen Veröffentlichung wird sich die Landesregierung erneut mit dem Thema beschäftigen.
Die Erschließung unkonventioneller Gasvorkommen wird im Koalitionsvertrag nicht generell ausgeschlossen. Damit war nicht zu rechnen, denn gleichzeitig wird auch der Ausbau von Gaskraftwerken gefordert. Gaskraftwerke haben momentan Laufzeiten von 40 Jahren und länger.
Explizit wird von der “Suche mit giftigen Chemikalien” gesprochen. Das ist die Hintertür (und die “Möhre”) für die Industrie, neue Verfahren zu entwickeln. Unberücksichtigt bleibt dabei, dass die bei der Gasförderung entstehenden hochgiftigen Abwässer anfallen, egal womit gefrackt wird.  Die Formulierung passt eigentlich nicht mehr zum aktuellen Erkenntnisstand.
Sehr zu begrüßen ist die verpflichtende wasserrechtliche Prüfung, die obligatorische UVP, die Beweislastumkehr und die Novellierung des Bergrechts. Ziele, hinter die sich eigentlich alle Bundesländer in Deutschland stellen können sollten.
Der vollständige Wortlaut aus dem Koalitionsvertrag

Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten

Eine Erdgasgewinnung in NRW erfolgt bislang nicht. Einige Unternehmen haben in den letzten Jahren mit der Datenrecherche und mit Erkundungsmaßnahmen begonnen, die auf Erdgas in so genannten unkonventionellen Lagerstätten gerichtet sind. Unkonventionelles Erdgas mit giftigen Chemikalien zu suchen und zu gewinnen, halten wir für nicht verantwortbar. Wasser ist unser Lebensmittel Nummer

1. Deshalb dürfen Trink- und Grundwasser nicht gefährdet werden.

Wir wollen keine Genehmigungen für Erdgas-Probebohrungen und -
frackingmaßnahmen zulassen, bis die nötigen Datengrundlagen zur Bewertung vorhanden sind und zweifelsfrei geklärt ist, dass eine nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit nicht zu besorgen ist (Besorgnisgrundsatz nach Wasserhaushaltsgesetz).

Die rot-grüne Landesregierung hat in einem Bundesratsantrag 2011 deutlich gemacht, dass angesichts der möglichen erheblichen Umweltauswirkungen der Fracking-Technologie diese Vorhaben einer obligatorischen Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterworfen werden müssen. Zukünftig sollen nicht nur oberflächliche Umweltauswirkungen, sondern auch untertägige Auswirkungen berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang ist eine transparente öffentliche Beteiligung unerlässlich.

Außerdem möchten wir die Transparenz und die öffentliche Beteiligung verbessern. Zudem soll die Beweislastumkehr im Bundesberggesetz auch für unkonventionelles Erdgas gelten. Dafür werden wir uns im Bundesrat einsetzen.

In diesem Sinne soll das Bergrecht novelliert werden.

Jun 012012
 

In Thüringen hat sich der Gasinvestor BNK Petroleum große Gebiete für die Erschließung von Schiefergasvorkommen  gesichert. Die Vorkommen können nur mit dem weltweit umstrittenen, teils verbotenen Fracking Verfahren erschlossen werden.

Der Landtag in Thüringen will sich jetzt dem faktischen Moratorium von Nordrhein-Westfalen anschließen. Erst soll untersucht werden, ob und wie eine Gewinnung ohne Risiken für Mensch und Natur überhaupt möglich wäre.

Das Gutachten aus NRW soll im September 2012 veröffentlicht werden. Bislang sieht es so aus, als ob sich daraus kein abschließendes Urteil ergeben wird. Unternehmen wie Wintershall und RWE DEA erschweren außerdem die Faktensammlung, da sie keine Informationen über die beim Fracking eingesetzten Chemikalien veröffentlichen wollen.

Dass der Landtag mit breiter Mehrheit Fracking ablehnt, ist ziemlich sicher Linke und Grüne hatten bereits vorher gegen diese Erdgas-Gewinnung Stellung bezogen.Allerdings lassen CDU und SPD den Erdgas-Suchern in Thüringen ist es der kanadische Konzern BNK eine Hintertür offen. Sie binden ihre endgültige Position an Studien des Umweltbundesamts und des Landes Nordrhein-Westfalen zu den Risiken für Mensch und Umwelt aus der Gasgewinnung per Fracking. Solange diese Studien nicht hinreichend ausgewertet seien, soll es in Thüringen keine Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten geben, sagte Egon Primas , umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

Quelle:
CDU und SPD gegen Fracking als Erdgas-Gewinnung in Thüringen | OTZ.

Mai 222012
 

Wenn sich jemand mit der Materie Fracking und der NRW-Risiko- Studie  auseinandersetzen will, ist er auf den Seiten des BUND hervorragend aufgehoben.

Während sich ExxonMobil darum bemüht, durch einen ”neutralen Expertenkreis” die Beherrschbarkeit der Fracking-Technnologie bei der Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten herbei zu reden, kann von einem “Persilschein” keine Rede sein. Ende April tagte im Düsseldorfer Umweltministerium zum zweiten Mal der Arbeitskreis zur Begleitung der Erarbeitung der Risikostudie zur Exploration und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten in NRW. Die vorgestellten Zwischenergebnisse sind alarmierend. Es gibt umfassende Wissensdefizite in Sachen Geologie, Erkundungs- und Gewinnungstechniken sowie zur öko-toxikologischen und human-toxikologischen Bewertung. Positive Allgemeinaussagen sind zudem fehl am Platz, da je nach Standort und Frac ganz unterschiedliche Risiken entstehen können. Die Gutachter legten allerdings dar, dass für etliche der 90 in Deutschland eingesetzten Fracking-Chemikalien überhaupt keine Bewertung der toxischen Potenziale möglich sei. Nur für 63 Stoffe gibt es eindeutige Identifizierungen und Bewertungen. Erschwerend kommt hinzu, dass Wintershall, Schlumberger und andere sich geweigert haben, ihre Frac-Fluide offen zu legen. ExxonMobil war da kooperativer, wenngleich die Datenlage auch keine umfassende Bewertung erlaubt. Auch das Lagerstättenwasser und der so gen. „Flowback“ beinhaltet einen richtigen Chemiecocktail; etliche Richt- und Höchstwerte werden deutlich überschritten.

Quelle:
BUND. Landesverband Nordrhein-Westfalen: Risikostudie NRW.

Mai 212012
 

Hört euch das mal an!
Bisher werden mehrere zig Millionen Liter radioaktiver, toxischer oder krebserregender Stoffe einfach in den Boden gepresst und das soll erlaubt sein. Die Politik muss die Industrie einfach stärker kontrollieren!

Bei der Förderung von Öl und Gas fallen gigantische Mengen giftiger Abwässer an. Entsorgt werden diese Stoffe oft dadurch, dass sie einfach wieder in den Boden oder ins Meer gepumpt werden. Die Opposition im Bundestag will das Thema nun stärker auf die Tagesordnung bringen.

Quelle:
Giftige Rohstoffe in Meer und Boden – Opposition kritisiert Umgang mit Abfällen der | Umwelt und Verbraucher | Deutschlandfunk.